Von: APA/Reuters/AFP
Bei den Waldbränden in Südeuropa haben die Einsatzkräfte sowohl im Südwesten Frankreichs als auch im Umfeld der spanischen Hauptstadt Madrid Teilerfolge erzielt. Der riesige Waldbrand bei Bordeaux wurde in der Nacht auf Dienstag eingedämmt. Die Lage bleibe aber schwierig, sagte die Senatorin für das Departement Gironde, Nathalie Delattre, am Dienstag dem Sender BFM TV. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach von einer “positiven Nacht”.
Alles werde davon abhängen, wie die Feuerwehrleute an Ort und Stelle vorankämen, betonte Nathalie Delattre. Zugleich wappnet sich Frankreich für die vierte große Hitzewelle des Jahres. In Bordeaux werden im Tagesverlauf Temperaturen von 33 Grad erwartet. Die Hitze und die extreme Trockenheit erhöhen den Druck auf die Einsatzkräfte.
Vernichtete Fläche bei Bordeaux nicht vergrößert
Mehrere nächtliche Brandentwicklungen nördlich von Le Porge und nördlich von Cap-Ferret konnten “dank des Einsatzes der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht werden”, erklärte die zuständige Präfektur in der Gironde. Die durch das Feuer vernichtete Fläche habe sich nicht vergrößert.
Den Angaben zufolge sind Helfer weiterhin damit beschäftigt, “Brandschneisen zu schlagen, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern”. Demnach erstreckten sich die “taktischen Schneisen” bereits über eine Länge von mehr als 103 Kilometern. Weiterhin teilweise gesperrt waren die Autobahn 63 und Bahnstrecken in der Region. Es wurde eine neue Evakuierungsaufforderung für rund 4.000 Touristen im Badeort Lacanau in der Gironde herausgeben. Sie würden nach Carcans und Castelnau-de-Médoc geleitet, erklärte die Präfektur.
Frankreich erlebt eine beispiellose Waldbrandsaison. Die verbrannte Fläche hat bereits den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022 übertroffen. Präsident Emmanuel Macron sprach am Montagabend bei einem Besuch in der Region von der schwersten Lage seit dem Zweiten Weltkrieg. In dem von Pinienwäldern geprägten Gebiet südwestlich von Bordeaux sind schon 42.000 Hektar Land verbrannt. Rund 220.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, darunter Urlauber und Anrainer.
Zumindest vorübergehend Entspannung bei weiterem Waldbrand
In der Gegend von Biscarrosse, rund 40 Kilometer südlich, hat sich die Lage indes nach einem anderen Waldbrand in der vergangenen Woche wieder etwas normalisiert. Rund 15.000 Menschen konnten schrittweise in ihre Häuser und auf einen nahe gelegenen Campingplatz zurückkehren, wie die örtliche Verwaltung mitteilte. Die positive Entwicklung bedeute jedoch nicht, dass die Gefahr gebannt sei. Aufflammende Feuer seien weiterhin möglich, insbesondere aufgrund von Wind und Trockenheit. Der Wetterdienst Meteo France teilte mit, dass die Temperaturen in der Region nachmittags ansteigen und am Mittwoch einen Spitzenwert von 37 Grad erreichen sollen.
Grande-Marlaska: Brandbekämpfung dennoch “in kritischer Phase”
“Dank des enormen Einsatzes der Helfer” konnten Fortschritte bei der Bekämpfung des Feuers erzielt werden, sagte Grande-Marlaska am Dienstag in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dennoch befänden sich die Arbeiten zur Brandbekämpfung “in einer kritischen Phase”.
“Heute können wir etwas beruhigter sein, insbesondere angesichts der Wetterbedingungen, die uns in den kommenden Stunden erwarten”, fügte der Minister hinzu. Ab Mittwoch werden dem Wetterdienst zufolge allerdings wieder steigende Temperaturen und auffrischende Winde erwartet, weshalb sich die Situation dann wieder verschlechtern könnte. Die neue Hitzewelle soll demnach bis Ende der Woche andauern.
Die Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, äußerte sich ebenfalls optimistisch. Die Lage “bei den Waldbränden bessert sich allmählich”, erklärte sie. “Wir können heute optimistischer sein und mit der Planung der sicheren Rückkehr der Bewohner in mehrere Gemeinden beginnen.”
Weitere EU-Flugzeuge für Spanien
Die EU hatte am Montag erklärt, weitere Flugzeuge zur Brandbekämpfung nach Spanien zu schicken. “Derzeit sind neun Luftfahrzeuge vor Ort im Einsatz, und morgen werden es elf sein – bereitgestellt aus unserer europäischen strategischen Reserve”, hatte EU-Kommissarin Hadja Lahbib gesagt.
Nach Angaben des Innenministeriums wurden bisher mehr als 60.000 Menschen vor den Flammen in Sicherheit gebracht, fast die Hälfte von ihnen in der Region um die Hauptstadt Madrid. Seit Jahresbeginn sind demnach bereits 175.000 Hektar Land verbrannt – das ist das Sechsfache der vernichteten Fläche im Vorjahreszeitraum.
ÖAMTC-Tipps für Urlaubende in Brandregionen
Da sich ein erheblicher Teil der Buschfeuer in Regionen befindet, die auf besonderes Interesse von Touristen stoßen, gab der ÖAMTC einige Tipps und Hinweise: “Für Pauschalreisende gilt grundsätzlich: Ist die Durchführung der Reise oder die Anreise durch unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände – beispielsweise Naturkatastrophen wie Waldbrände – erheblich beeinträchtigt oder unmöglich, ist ein kostenfreier Rücktritt möglich”, erläuterte ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. “Dies gilt auch ohne offizielle Reisewarnung des Außenministeriums.” Allerdings ist der Zeitpunkt entscheidend: “Startet der Urlaub erst in zwei Wochen, sollten Reisende die Lage beobachten.”
Außerdem muss eine örtliche Nähe gegeben sein. “Besteht die Brandgefahr nicht unmittelbar am gebuchten Ort und gibt es am Urlaubsort auch sonst keine Einschränkungen oder Beeinträchtigungen, z. B. starke Rauchentwicklung, Straßensperren oder ähnliches, ist kein Rücktritt möglich”, präzisiert die Juristin des Mobilitätsclubs. Bei Einschränkungen im Reiseverlauf, wie der Sperre von Sehenswürdigkeiten, kann eine Preisminderung in Frage kommen.
Bei Individualreisen ist ein kostenfreier Rücktritt vom Flug meist nur möglich, wenn das Flughafengelände direkt betroffen ist. Ob eine Unterkunft storniert werden kann, hängt vom nationalen Recht oder Kulanzlösungen ab. Ein Rücktritt ohne Stornokosten ist aber grundsätzlich möglich, wenn die Unterkunft direkt betroffen ist oder wenn Gefahr in unmittelbarer Nähe droht.
Naturkatastrophe im Verlauf der Reise
Treten Naturkatastrophen auf, wenn man bereits am Urlaubsort ist, hängt es von der Art der gebuchten Reise ab: “Bei Pauschalreisen muss der Veranstalter den Rücktransport organisieren und die Kosten tragen”, erklärt Pronebner. Auch eine teilweise Rückerstattung der Reisekosten ist möglich. Individualreisende sollten umgehend mit ihrer Reiseversicherung klären, ob für den konkreten Fall die Kosten für den Reiseabbruch übernommen werden. Ist eine Rückreise aufgrund gesperrter Flughäfen nicht möglich, müssen Airlines oder Reiseveranstalter für Betreuung sorgen, etwa mit Mahlzeiten, oder sie müssen zusätzlich notwendige Übernachtungen übernehmen.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen