Von: luk
Bozen/Neapel – Nach der missglückten Herztransplantation bei einem zweijährigen Kind in Neapel laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Italiens Gesundheitsminister Orazio Schillaci hat Inspektoren sowohl ins Krankenhaus Bozen als auch ins Transplantationszentrum Monaldi in Neapel entsandt und „vollständige Aufklärung“ versprochen.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Frage, ob beim Transport des in Bozen entnommenen Spenderherzens nach Neapel gravierende Fehler passiert sind. Bekanntermaßen prüfen die Staatsanwälte in Neapel die Hypothese, dass das Organ möglicherweise nicht ordnungsgemäß gelagert wurde. Sechs Mediziner des Krankenhauses Monaldi in Neapel, die an Entnahme und Transplantation beteiligt waren, wurden in das Ermittlungsregister eingetragen. Ihnen werden fahrlässige Körperverletzung und Unterlassung von Amtshandlungen vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Beschlagnahmt wurde unter anderem der Transportbehälter für das Organ. Die Ermittlungen sollen klären, woher der Behälter bezogen wurde. Denn: Laut der Zeitung “Il Mattino” sollen die Mediziner aus Neapel ohne entsprechende Box nach Bozen gereist sein. Auch geklärt werden soll die Herkunft des verwendeten Trockeneises. Bekanntlich soll dieses extrem kalte Kühlmittel das Herz geschädigt haben. Normalerweise wird für solche Zwecke normales Eis verwendet, um das entnommene Organ nur leicht zu kühlen.
Der Zustand des zweijährigen Buben wird weiterhin als kritisch beschrieben. Obwohl das Spenderherz aus Südtirol mit Kälteverbrennungen in Neapel eingetroffen ist, wurde die Transplantation dennoch vorgenommen. Nun befindet sich das Kleinkind seit Ende Dezember in künstlichem Koma.
Während das römische Kinderkrankenhaus Bambino Gesù laut Berichten eine erneute Transplantation als derzeit nicht möglich einschätzt, hieß es aus Neapel zunächst, das Kind stehe weiterhin auf der Transplantationsliste. Später stellte die zuständige Krankenhausverwaltung klar, dass keine offiziellen Angaben zum aktuellen klinischen Zustand gemacht worden seien.
Südtirols Gesundheitslandesrat Hubert Messner betonte, dass die Organentnahme von spezialisierten Teams der Transplantationszentren durchgeführt werde. Das Krankenhaus in Bozen habe lediglich und wie üblich die notwendige Infrastruktur bereitgestellt. Man arbeite eng mit dem Ministerium zusammen und werde eine detaillierte Stellungnahme vorlegen.
Auch die Staatsanwaltschaft Bozen ist über die Ermittlungen in Kenntnis gesetzt worden. Nach eigenen Angaben liegt bislang keine direkte Strafanzeige vor, man stehe jedoch in Kontakt mit den Behörden in Neapel, um Zuständigkeiten und weitere Schritte zu klären. Zudem wurde nach einer Anzeige einer privaten Verbraucherschutzorganisation ein Verfahren gegen Unbekannt wegen möglicher fahrlässiger Verantwortung im Gesundheitsbereich eingeleitet.




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