Ein Toter und zwei Verletzte in der Nacht

Unwetter in Südtirol: Lage entspannt sich

Dienstag, 30. Oktober 2018 | 08:28 Uhr

Bozen – Laut letztem Lagebericht tritt allmählich eine Beruhigung der Situation ein. Bei der soeben erfolgten Lagebesprechung wurde die Lage in Südtirol zusammengefasst.

Gegen Mitternacht ereigneten sich leider Unfälle, bei denen Menschen betroffen waren, am schlimmsten war ein Vorfall in St. Martin in Thurn, bei dem ein Feuerwehrmann durch einen herabstürzenden Baum ums Leben kam, während er mit Rettungsarbeiten beschäftigt war. In Mühlwald verletzte ein umstürzender Baum einen Mann. In Schlanders wurde eine junge Frau in einem Auto verletzt, das von einem Felsbrocken getroffen wurde. Beide trugen Verletzungen mittelschweren bis schweren Grades davon.

Im Verlauf der Nachtstunden sind die Pegel der Flussläufe langsam, aber stetig zurückgegangen, auch aufrund der nachlassenden Niederschläge. Das Hochwasser hat Vintl und Klausen rund eineinhalb Stunden vor der angekündigten Zeit erreicht. Auch im Unterland traf das Hochwasser früher ein, nämlich gegen 4.00 Uhr. An sieben Stellen drang Wasser durch Dämme, die jedoch standhielten.

Infolge des starken Windes fiel in mehreren Gemeinden die Stromversorgung aus, da Äste auf die Leitungen gefallen waren. Dadurch brach teilweise auch das Telefonnetz zusammen. In derartigen Fällen ist vorgesehen, dass die Bevölkerung sich an die Freiwilligen Feuerwehren wendet, die mit Funkgeräten dringend notwendige Anrufe ermöglichen.

Eine große Anzahl an Rettungskräften war die ganze Nacht über im Einsatz, die höchste Zahl während dieser Alarmstufe wurde mit 2.745 angegeben. Davon waren 1950 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, 75 des Weißen Kreuzes, 450 Arbeiter des Straßendienstes, 47 Mitglieder des Forstkorps und acht Techniker der Wildbachverbauung. Die höchste Anzahl in dieser Nacht belief sich auf 2.100. Über 200 Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren wurden gezählt.

In der Überwachung der Situation haben sich bei der Agentur für Bevölkerungsschutz 36 Führungskräfte und Angestellte abgewechselt. In der Hochwasserzentrale in Bozen waren 30 Techniker mit der Kontrolle der Pegelstände der Flüsse befasst.

Derzeit stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Im Pustertal bestehen weiterhin Probleme auf der Eisenbahnlinie, die zwischen Innichen und Lienz gesperrt ist. Die Feuerwehren sind in Innichen mit rund 100 überschwemmten Kellern befasst. Die Bevölkerung in Innichen hat das Angebot, das Resch-Haus oder eine Turnhalle zu beziehen, nicht in Anspruch genommen. Die Menschen haben es vorgezogen, in ihren Häusern zu bleiben, wo sie sich in die oberen Stockwerke begeben haben.

Am Brenner bleibt die Staatsstraße SS 12 geschlossen. Die Brennerautobahn A 22 ist geöffnet. Der Zugverkehr erfolgt zweigleisig.

In Klausen hat eine Mure die Staatsstraße 12 verlegt, die derzeit im Bereich des öffentlichen Schwimmbads gesperrt ist.

In der Einheitlichen Notrufzentrale sind in 30 Stunden 1250 Anrufe eingegangen, damit wurden 536 Einsätze der Feuerwehren, 352 Rettungseinsätze und elf Einsätze der Bergrettung in Gang gesetzt.

Aktiviert wurde neben den neun Bezirksleitstellen der Freiwilligen Feuerwehren auch die Landesleitstelle der Freiwilligen Feuerwehren.

Das von der Agentur für Bevölkerungsschutz eingesetzte Bürgertelefon wurde in Anspruch genommen, es bleibt bis heute um 12.00 Uhr in Betrieb. In der Nacht gingen rund 250 Anrufe ein, von denen 36 Prozent Anfragen wegen der Situation im Straßen- und Schienenverkehr waren, nicht ganz zehn Prozent der Anrufe erfolgten wegen Stromausfalls, und rund 41,5 Prozent erkundigten sich nach der Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen.

Um 10.00 Uhr tagt die Landesleitstelle, anschließend wird bei einer Pressekonferenz über die Lage informiert.

WAS BISHER BERICHTET WURDE 

Bei der in der Nacht erfolgten Lagebesprechung im Lagezentrum in Bozen wurde folgende Situation auf den Punkt gebracht: Kritisch wird die Lage an der Etsch bei Branzoll eingeschätzt, wo gegen 6.00 Uhr früh ein Wasserpegel von geschätzten 5,50 Metern erwartet wird – bei einer Höhe der Ufer von 6,20 Metern. Eine Überschwemmungsgefahr ist somit voraussichtlich nicht gegeben, auch wenn ein Bersten der Ufermauern wegen der Wassermassen nicht ausgeschlossen werden kann.

Angespannt bleibt die Situation auch in Vintl, wo das Hochwasser gegen 3.00 Uhr früh erwartet wird; in Klausen wird dieses Hochwasser eineinhalb Stunden später eintreffen.

Am kritischsten ist die Lage derzeit in Innichen und in Sexten, wo der Sextnerbach und die Drau über die Ufer getreten sind: Um 21.55 Uhr wurde die Bevölkerung von Innichen alarmiert, dass es in ihrer Gemeinde soeben zu Überflutungen gekommen sei. Die Menschen wurden aufgefordert, sich in die höheren Stockwerke zu begeben und Wertsachen, Lebensmittel, Elektrogeräte, Bekleidung und Wäsche dorthin zu bringen, die Fenster und Türen zu schließen und die Anweisungen der Einsatzkräfte zu beachten. Im Resch-Haus wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Personen, die sich daheim nicht sicher fühlen, können sich dorthin begeben, vorausgesetzt, dass der Weg keine Gefahr darstellt.

In Klausen erging die Alarmierung um 23.35 Uhr an die Bevölkerung, da Überflutungsgefahr durch den Eisack besteht. Die Menschen wurden aufgefordert, die Autos aus den Tiefgaragen zu bringen und sich dann in höhergelegene Stockwerke zu begeben. Die Zivilschutzsirenen stehen bereit, um Hochwasseralarm zu geben.

Die Brennerautobahn A22 ist befahrbar. Die Bahnlinie ist unterbrochen, SAD und Trenitalia haben Ersatzbusse bereitgestellt.

In Gröden sind derzeit 1.500 Haushalte ohne Strom. Auch im Ultental sind Stromausfälle zu verzeichnen, dort ist auch die Straße gesperrt, ebenso wie im Schnalstal, in Corvara und Altrei.

Bevölkerungsinformationssystem BIS

In Not- oder Katastrophenfällen rettet Information Leben; deshalb hat der Landeszivilschutz das Bevölkerungsinformationssystem BIS aufgebaut, das so schnell als möglich die Bürgerinnen und Bürger warnt und alarmiert und ihnen nützliche Informationen und Verhaltensregeln erteilt, wann immer es die Situation erfordert. Dafür nutzt das Bevölkerungsinformationssystem die Südtiroler Radiosender und die von der Rundfunkanstalt RAS ausgestrahlten Radio- und Fernsehsender sowie das Südtiroler Bürgernetz. Koordiniert wird das BIS von der Landesverkehrsmeldezentrale.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Unwetter in Südtirol: Lage entspannt sich"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Mauler
Mauler
Tratscher
23 Tage 3 h

Gonz a groassen Respekt an insere Feuerwehren!
Wos es die letzten Stunden/Toge gleistet hob!
Enker Leben für inseres eingsetzt!
DANKE 🙏🏻

Ninni
Ninni
Universalgelehrter
23 Tage 1 h

Mehr als ein ❤liches DANKE an allen die hier rundum helfen.

Juli
Juli
Grünschnabel
23 Tage 29 Min

mecht amol epes zi der ff sogn.bin selbr po dr ff und mir sein po ins zinglik verschont gwedn vo schäden…
olm wieder hert man vo leit dass di feierwehren zuviel zuschüsse von lond kreag usw…
wenn ma des sig wos do ogloffn isch di leschtn toge nor isch jeder cent gerechtfertigt..es konn iber johre nix sein und nor kimp a so a situation..ols freiwillige de so a schwierige situation top meistern…gonz tragisch dass a komerod a no sein lebn glossn ot fir ondre!!!unwetter einsätze sein olm a risiko
bravo komerodn

Mutti
Mutti
Superredner
23 Tage 2 h

Do konn i dir lei zustimmen Mauler,a Danke un olle Freiwilligen🙂🍀

xXx
xXx
Superredner
22 Tage 22 h

Solch Ereignisse sollten einmal denjenigen zu denken geben die immer wieder die Sinnhaftigkeit unserer Freiwilligen und die Steuergelder die dafür ausgegeben werden kritisieren.
Über 2000 Einsatzkräfte Tag und Nacht im vollem Einsatz (!) deckt das mal mit Berufskräften ab, dann ist die Rechnung schnell gemacht.

Ich zieh meinen Hut und sag einfach nur vielen Dank an jeden Einzellnen.

Den Angehörigen, Freunden und Kameraden des verstorbenen Feuerwehemannes mein aufrichtiges Beileid.

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
23 Tage 45 Sek

ba ins drhuam hots an groaßn nussbam ca 30 grad umbougen, der iats gefällt gwordn isch…

soueppes woas i nou nia…

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