Studie

Verschwörungstheorien beeinflussen unser Verhalten – auch wenn wir nicht an sie glauben

Dienstag, 16. März 2021 | 10:12 Uhr

Innsbruck – Nicht zuletzt durch die COVID-19-Pandemie sind Verschwörungstheorien aktueller denn je. In beinahe allen Medien und Kanälen wird über sie berichtet und diskutiert. Doch welchen Einfluss haben sie auf unser Verhalten? Dieser Frage sind Wissenschaftler um den Verhaltensökonomen Loukas Balafoutas mit einem Laborexperiment in einer kürzlich erschienenen Studie nachgegangen. Ergebnis: Werden wir mit Verschwörungstheorien konfrontiert, müssen wir nicht an sie glauben, damit sie einen Einfluss auf unser Verhalten nehmen.

Frühere Studien belegen, dass der Glaube an Verschwörungstheorien einen Einfluss auf das Verhalten ihrer Anhänger*innen hat. So führen sie beispielsweise zu einer geringeren Wahlbeteiligung oder einer niedrigeren Bereitschaft, sich impfen zu lassen. Bereits seit Jahren erleben Verschwörungstheorien einen regelrechten Boom – sie zu ignorieren, ist kaum mehr möglich. Das hat ein Forschungsteam um Loukas Balafoutas dazu bewegt, in einem Laborexperiment der Frage nachzugehen, ob Verschwörungstheorien auch einen Einfluss auf uns haben, wenn wir gar nicht an sie glauben und wir nur kurz mit ihnen konfrontiert sind. „Unsere Studie zeigt, dass Probandinnen und Probanden, die für lediglich drei Minuten einer Verschwörungstheorie ausgesetzt waren, in einem nachfolgenden Verhaltensexperiment anders gehandelt haben als Probandinnen und Probanden aus der Kontrollgruppe“, berichtet Loukas Balafoutas, Professor für Experimentelle Ökonomik am Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck. Diese Ergebnisse konnten die Forscher kürzlich im Magazin „Economic and Political Studies“ veröffentlichen.

Verschwörungstheorien verändern Verhalten

Im sogenannten EconLab der Universität Innsbruck haben die Forscher ihr Experiment noch vor der COVID-19-Pandemie durchgeführt. Dabei haben sie der einen Hälfte der insgesamt 144 Studienteilnehmer ein dreiminütiges Video gezeigt, in dem die Mondlandung von 1969 als Fälschung dargestellt wird. Die Kontrollgruppe hat hingegen ein ebenso langes Video über das Space Shuttle Programm gesehen. Im Anschluss haben die Probandinnen und Probanden am sogenannten „money request game“ teilgenommen. Dazu wurden die Spielerinnen und Spieler in Paare aufgeteilt und gebeten, gleichzeitig ein ganzzahliges Gebot zwischen fünf und 14 Euro abzugeben. Wer das kleinere Gebot abgegeben hat, erhielt den Betrag dieses Gebots plus zehn Euro; wer das größere Gebot gemacht hat, erhielt lediglich den Betrag des Gebots. Im Falle eines Gleichstandes erhielten beide Teilnehmer genau ihr Gebot. Die beste Antwort auf ein Gebot des anderen Teilnehmers, das größer als fünf Euro ist, ist in diesem Spiel, genau einen Euro weniger zu bieten. Wenn der andere Teilnehmer fünf Euro bietet, ist die beste Reaktion, 14 Euro zu bieten. „Bei diesem Experiment konnten wir feststellen, dass Personen, die zuvor das Video der Verschwörungstheorie gesehen haben, kleinere Beträge geboten haben. Das zeigt, dass diese Probandinnen und Probanden strategischer handeln. Das kann zwar einerseits unter Umständen zu einem höheren Gewinn im Spiel führen, gleichzeitig birgt diese Vorgangsweise aber auch die Gefahr, einen Verlust einzufahren“, erklärt Balafoutas. „Es geht uns hier also nicht darum, dieses Verhalten als besser oder schlechter zu bewerten, sondern lediglich darum, zu zeigen, dass Personen, die kurz zuvor einer Verschwörungstheorie ausgesetzt waren, in einer nachfolgenden und inhaltlich völlig anderen Situation ein anderes Verhalten an den Tag legen als die Kontrollgruppe. Daraus schließen wir, dass die Verschwörungstheorie einen Einfluss darauf hat, wie jemand die Welt und die Menschen wahrnimmt“, so Balafoutas weiter.

Vertrauen bleibt

In einem weiteren Experiment, dem sogenannten „trust game“, haben die Forscher überprüft, inwiefern die Auseinandersetzung mit einer Verschwörungstheorie zu einer Beeinträchtigung des Vertrauens gegenüber anderen Menschen führt. Bei diesem Spiel wurden die Spieler in Paare aufgeteilt. In jedem Paar erhielten beide Spieler fünf Euro. Einer der Spieler (A) konnte entscheiden, einen Teil oder den Betrag vollständig zu investieren. Der investierte Betrag wurde verdreifacht und an den anderen Spieler (B) weitergegeben, der dann einen Teil des Geldes an Spieler A zurücküberweisen konnte – aber nicht musste. Größere investierte Beträge von A in diesem Spiel entsprechen einem höheren Vertrauensniveau. „Es ist eine durchaus positive Botschaft, dass wir hier keinen negativen Einfluss der Verschwörungstheorie feststellen konnten. Das Vertrauen in das Gegenüber war in beiden Gruppen statistisch gesehen gleich. Das ist wichtig, denn in unserer Gesellschaft brauchen wir ein gewisses Maß an Vertrauen, damit sie überhaupt funktioniert“, sagt Balafoutas.

Dass die Wissenschaftler Verschwörungstheorien im Labor untersucht haben, ist kein Zufall. „Als Forscherinnen und Forscher wollen wir nicht dazu beitragen, Verschwörungstheorien in die Gesellschaft zu tragen. Daher ist bei solchen Studien immer Vorsicht geboten. Sie müssen ethisch vertretbar durchgeführt und vorab auch genehmigt werden. Besonders die Aufklärung der Probandinnen und Probanden nach einem solchen Experiment ist sehr wichtig“, erklärt Loukas Balafoutas.

Die Studie:
Loukas Balafoutas, Alexander Libman, Vasileios Selamis & Björn Vollan (2021) Exposure to conspiracy theories in the lab, Economic and Political Studies

Von: mk

Kommentare

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18 Kommentare auf "Verschwörungstheorien beeinflussen unser Verhalten – auch wenn wir nicht an sie glauben"


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nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
29 Tage 9 h

Das kann den Kommentatoren in diesem Forum hier nicht passieren!
Da es sich ja fast ausschließlich um Fachleute und anerkannte Experten handelt, die alles wissen, müssen sie nichts glauben – nicht mal Verschwörungstheorien…

Sag mal
Sag mal
Kinig
29 Tage 9 h

nuisnix hier Sind auch Verschwörungstheoretiker unterwegs😉

Faktenchecker
29 Tage 8 h

Und dabei geben sich storch24 und waltraud solch eine Mühe…

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
29 Tage 7 h

@Sag mal
Nein, ganz bestimmt nicht 😷

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
29 Tage 11 h

i denk, es gibt nicht nur weiß oder schwarz, sondern es gibt a grau 😷

Staenkerer
29 Tage 5 h

tjo, wenn von der selben soche begauptet werd de isch weiß, ondre de isch schworz, für wieder ondre isch se hellgrau, odrr decht dunkelgrau ….
tjo, wer lüg, wer sog de wohrheit? und wer besimmt wer recht hot?
lei auf verschwörungstheoretiker zu schimpfn isch billig wenn man selber nit woaß ob’s weiß, schworz, grau isch und täglich um a ondrer forb ummerdruckst?
spekuliert weniger herum und berichtet nur mehr wenn fakten auf den Tisch zu legen gibt, nor isch es von alloan aus mit den verschwörungstheorien!

Lochkrompf
Lochkrompf
Tratscher
29 Tage 11 h

Leider … obr mir sein die Schafe de aufwochn miasn … drweil wern sie von olle seitn manipuliert … i hoff des Covid hot bold a Ende sischt wert dr Freundeskreis no klianer

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
29 Tage 5 h

Kein Wunder bei de Google Virologen und Mediziner. Die Presse schliesse ich auch mit ein.

Ingalingreichts
Ingalingreichts
Tratscher
28 Tage 15 h

@trina1 sei vorsichtig mit deine behauptungen, oder bisch du vom foch?

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
28 Tage 11 h

@Ingalingreichts jo i hon net bei Google promoviert, es reicht die Lait unsicher und ängstlich zu mochn.

Staenkerer
29 Tage 8 h

wenn der oane ba a soche “weiß!!!” schreit und der ondre bacder gleichn soch “schworz!!!” brüllt und a onderer de soch für grau erklärt, und jeder argumentiert warun er es onders sicht wie de ondern, isch mindestens oaner a verschwörungstheoretiker, lei welcher?
und wer entscheidet sell?
und an hond wos sicht der des?

Lana2791
Lana2791
Tratscher
29 Tage 5 h

Ins beeinflussen weder Verschwörungstheoretiker nou Gegner wia sie sou schian genannt werden! Es meiste isch drauf zrugzuführen dass nia die Wohrheit afn Tisch kimmp sei es ve Politik oder Medien, wer 1 und 1 zomzähln konn macht sich sein Bild selber! Ober jo die Buuh Frauen und Männer hobm des Spiel schun long durchschaug und irgendjemand muß men die Schuld geben , wia hoasts sou schian….”Eine Sache die zu hinterfragen verboten wird ist immer eine LÜGE “

Ingalingreichts
Ingalingreichts
Tratscher
28 Tage 15 h

super gschriebn, zuwos hot man a hirn, wenn man nit denkt

quilombo
quilombo
Tratscher
29 Tage 7 Min

“Verschwörungstheorie” ist ein Modewort, ein ziemlich blödes noch dazu. Es dient hauptsächlich um Andersdenkende zu diffamieren. Wer bestimmt überhaupt was solch eine Theorie ist, und was nicht? Unsere Leitmedien haben sicherlich nicht die Moral das bestimmen zu können, schreiben und senden sie doch selbst jeden Tag dutzende von Falschmeldungen welche nur dazu da sind Meinung zu bilden und uns eine bestimmte Denkweise vorzuschreiben.

Hollywood
Hollywood
Grünschnabel
29 Tage 5 h

Ich habe bisher kaum was von Verschwörungstheorien mitbekommen. Die einzige an die ich mich erinnere, war die letzten Jahre, als manche Gruppierungen behaupteten die Welt würde mit einem Virus befallen und alles würde still stehen. Heute denkt man anders über solche Theorien, da die Vergangenheit gezeigt hat, dass sie sich früher oder später, alle bewahrheiten.

Neumi
Neumi
Kinig
9 Tage 14 h

Den Witz haben wir bereits letztes Jahr ausgelutscht.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
29 Tage 3 h

Verschwörungstheorien beeinflussen definitiv mein Verhalten. Ich verifiziere und diskutiere mehr.

DerToni
DerToni
Neuling
28 Tage 23 h

Wäre interessant herauszufinden, wer das Wort “Verschwörungstheorie” erstmalig in die Welt setzte und in Umlauf brachte.

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