Von: apa
Die klirrende Kälte hat in Österreich zahlreiche natürliche Gewässer zufrieren lassen und Eisläufer angelockt. “Auf Natureisflächen können eingefrorene Äste und andere Unebenheiten schnell zur Stolperfalle werden”, warnte Johanna Trauner-Karner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). “Noch gefährlicher ist derzeit aber die erhöhte Einbruchgefahr”, sagte sie. Meistens werden Wasserflächen nicht offiziell zum Eislaufen freigegeben, die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr.
“Warnungen vor dem Betreten von Naturgewässern – und erst recht vor dem Eislaufen – sollten zur eigenen Sicherheit unbedingt beachtet werden”, betonte Trauner-Karner am Donnerstag auf APA-Anfrage. Der Eigentümer oder zuständige Verwalter einer Wasserfläche kann diese aber – unter Beachtung einiger Sonderbestimmungen – ausdrücklich zum Eislaufen freigeben. Am Weissensee in Kärnten ist beispielsweise laut dem täglichen Eisbericht der Gemeinde eine Rundbahn mit 4,4 Kilometern am Westteil freigegeben. Der Eislaufverein Wörthersee hat laut seiner Internetseite von seinen betreuten Seen derzeit nur für den Aichwaldsee eine Freigabe erteilt.
Freigabe obliegt Gemeinden oder Verwalter
An öffentlichen Gewässern besteht der “große Gemeingebrauch”, also das Recht der Bürger zur Nutzung der Wasserfläche auf eigene Gefahr, etwa um zu schwimmen oder eislaufen zu gehen, erläuterte das KFV. Erfolgt eine ausdrückliche Freigabe, dann haftet der Freigebende für die Tragfähigkeit des Eises. Eine Haftung ohne Freigabe könne sich nur dann ergeben, wenn das Gewässer mit Wissen des Eigentümers oder Verwalters rege zum Eislaufen benutzt wird, aber die Eisdecke nicht geeignet ist und kein ausdrückliches Verbot ausgesprochen wurde. Zweckmäßiger als ein Schild “Betreten auf eigene Gefahr” seien daher gut sichtbare Eislaufverbote. Jeder Vorfall müsse jedoch individuell überprüft werden.
Die offizielle Freigabe zum Eislaufen auf Naturseen obliegt den jeweiligen Gemeinden in Abstimmung mit den zuständigen Bundesländern, betonte das Land- und Umweltschutzministerium, das auch für Wasserwirtschaft zuständig ist, ebenso auf APA-Anfrage. “Österreichs Seen bieten im Winter eine atemberaubende Kulisse und ein besonderes Naturerlebnis. Gerade beim Eislaufen auf Naturseen ist es jedoch entscheidend, sich im Vorfeld gut zu informieren, um diese Aktivität sicher ausüben zu können”, empfahl Minister Norbert Totschnig (ÖVP).
Sicherheitstipps auf Natureis
Immer wieder kommt es aufgrund der mangelnden Tragfähigkeit von Eisflächen zu Unfällen, warnt das KFV. Warntafeln und sonstige Hinweisschilder sollten beachtet und Sperrzonen nicht betreten werden, lauten die wichtigsten Sicherheitstipps. Auf Natureis sollten Eisläuferinnen und Eisläufer in Rufweite zu anderen Personen bleiben. Die Eisfläche lässt sich zudem auf ihre Festigkeit prüfen: Bei ersten Laufversuchen darf keinerlei Eisbewegung erkennbar sein. Weitere Warnsignale sind Risse, Blasen, Sprünge. Dunkle Eisflächen sollten gemieden werden – diese lassen auf eine dünne Eisschicht schließen.
Besondere Vorsicht ist in Bereichen von Zu- und Abflüssen von gefrorenen Gewässern geboten, auch bei Stolperfallen, wie Ästen, Blättern oder Rillen. Tauwetter, schlechte Sicht oder Neuschnee steigern die Unfallgefahr. Für manche Eisflächen lässt sich online oder via Infonummern (“Eistelefon”) die tagesaktuelle Eisqualität abfragen.
3.800 Verletzte im Jahr 2024
Auf Kunst- und Natureisflächen wurden im Jahr 2024 insgesamt 3.800 Personen beim Eislaufen so schwer verletzt, dass sie im Spital behandelt werden mussten. Rund 3.100 Unfallopfer gab es auf Kunsteis und circa 700 auf natürlichen Gewässern. Der größte Anteil entfällt laut KFV mit 67 Prozent auf Frauen. Die häufigste Unfallursache war Überforderung, Selbstüberschätzung bzw. ungeübt sein mit 44 Prozent. An zweiter Stelle liegt Lebhaftigkeit bzw. Übermut mit 25 Prozent. Ablenkung und Unachtsamkeit führten zu rund zehn Prozent der Unfälle und die Bodenbeschaffenheit zu neun Prozent.
90 Prozent der Unfälle passierten durch Stürze, gefolgt von Zusammenstößen mit acht Prozent. Am häufigsten betrafen die Verletzungen Unterarme (rund 1.100) und Handgelenke (rund 700). Die unfallträchtigsten Eislauf-Monate waren der Jänner mit einem Anteil von 34 Prozent, vor dem Dezember mit 29 Prozent und dem Februar mit 18 Prozent der Zwischenfälle. Laut einer KFV-Erhebung von 2023/2024 tragen über alle Altersgruppen hinweg nur 14 Prozent auf dem Eis einen Helm und 54 Prozent schnittfeste Handschuhe, wobei die Tragequote in beiden Fällen mit zunehmendem Alter stark abnimmt.
( S E R V I C E – Ministerium zum Eislaufen in der Natur: www.wasseraktiv.at/wasser-news/eislaufen-inmitten-der-natur )




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