Sehr gefährliche Situation abseits der Pisten

Weiter große Lawinengefahr in Westösterreich

Montag, 23. Februar 2026 | 10:20 Uhr

Von: apa

Die Lawinengefahr bleibt in Westösterreich zum Wochenstart hoch. Vielerorts herrschte am Montag nach wie vor Lawinenwarnstufe vier von fünf, abseits der Pisten sei die Situation weiterhin gefährlich, mahnten die Lawinenwarndienste in Tirol und Vorarlberg. Seit Freitag sind in Österreich durch Lawinen sieben Menschen getötet worden, davon fünf in Tirol. Zahlreiche Personen wurden verletzt. In Tirol und Vorarlberg wurde der ausgelöste AT-Alert mittlerweile beendet.

Lawinen könnten in allen Expositionen von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden, dies auch als Fernauslösung aus flachen Bereichen. Die Gefahrenlage nehme mit der Höhe zu. “Für Aktivitäten abseits gesicherter Bereiche sind die Verhältnisse sehr gefährlich”, hieß es im Vorarlberger Warnbericht. Vereinzelt seien sehr große Spontanlawinen möglich, die bis in tiefere Lagen vorstoßen könnten. Durch die Neuschneemengen zu Ende der Woche sowie Windverfrachtungen sei die Schneedecke weiter sehr instabil. Viele große und sehr große Lawinenabgänge und Auslösungen durch Wintersportler bestätigten die Störanfälligkeit der Schneedecke. In den nächsten Tagen soll die Lawinengefahr allmählich zurückgehen, “wobei die Situation für Wintersportler sehr heikel bleibt”, so die Warnung. Der AT-Alarm wurde am Montag beendet.

Auch in Tirol sprachen die Experten von entstandenen Triebschneeansammlungen, die an allen Expositionen störanfällig blieben. Die Gefahrenstellen seien zahlreich, besonders im Bereich der Waldgrenze sowie oberhalb der Waldgrenze. Sehr vereinzelte spontane Lawinen seien weiterhin nicht ganz ausgeschlossen. Zudem wären viele kleine und vereinzelt mittlere Nass- und Gleitschneelawinen möglich. Dies besonders an Böschungen und Grashängen unterhalb von rund 1.800 Metern. Wie in Vorarlberg wurde auch hier ein tendenzieller Rückgang der Lawinengefahr in den kommenden Tagen prognostiziert. In den vergangenen Tagen fielen im Bundesland 40 bis 80 Zentimeter Schnee. Bis in mittlere Lagen gab es Regen. Zuletzt ließen die Niederschläge nach oder hörten auf. Die am Sonntag erneut an Mobiltelefone ergangene AT-Alert-Warnnachricht “Gefahreninformation” galt indes noch bis zum frühen Nachmittag. In Süditrol herrscht ebenfalls nach wie vor große Lawinengefahr.

Rettungskräfte in Tirol vergangene Woche im Dauereinsatz

Die Rettungskräfte, Behörden und Einsatzorganisationen waren jedenfalls vergangene Woche in Tirol im Lawinen-Dauereinsatz. Allein 450 Einsatzkräfte der Bergrettung arbeiteten 40 Lawineneinsätze ab, teilte das Land am Montag in einer Aussendung mit. Die Leitstelle Tirol, die die Organisationen koordiniert, hatte überhaupt hunderte Lawineneinsätze gemeldet – miteingerechnet waren auch solche, bei denen niemand verschüttet und/oder verletzt wurde. Sämtliche 245 Tiroler Lawinenkommissionen waren im Einsatz, um die Lage laufend zu beurteilen und Handlungsempfehlungen auszusprechen, hieß es. Auch zahlreiche Einsatzkräfte der Alpinpolizei sowie der Rettung befanden sich unter Dauerstrom.

Die Polizei zählte wiederum seit 13. Februar rund 60 Ereignisse, an denen die Alpinpolizei beteiligt gewesen war. Auch der Hubschrauber des Innenministeriums war “intensiv im Einsatz”, hieß es am Montag in einer Bilanz. Neben den Einsatzkräften wurde unter schwierigen Bedingungen auch Ausrüstung auf den Berg transportiert. Landespolizeidirektor Helmut Tomac bedankte sich bei den Beteiligten, die “oftmals bei erheblicher Eigengefährdung” agieren würden und appellierte insbesondere an Variantenfahrer, auf den gesicherten Pisten zu bleiben.

Der Assistenzeinsatz des Bundesheeres dauerte indes laut den Verantwortlichen am Montag an. Weiter im “Stand-by” waren die Gemeinden, der Lawinenwarndienst, die Leitstelle Tirol und das Landes-Warn- und Lagezentrum.

Landeshauptmann Anton Mattle und Sicherheitslandesrätin Astrid Mair (beide ÖVP) lobten das große Engagement der Rettungskräfte und Organisationen. Und übten auch Kritik am Verhalten so mancher Wintersportler. Es sei “nicht verständlich, wenn behördliche Warnungen und Empfehlungen der Lawinenkommissionen ignoriert oder auf die leichte Schulter genommen werden. Jeder und jede ist in der Pflicht, sich über die aktuelle Situation zu informieren, sich und andere nicht unnötig zu gefährden sowie die Warnungen ernst zu nehmen”.

Zwölf Lawinentote seit 15. Februar, davon neun in Tirol

Waren es seit Freitag sieben Lawinentote in Österreich, so kamen seit dem 15. Februar bis inklusive Sonntag zwölf Wintersportler durch Schneebretter ums Leben. Der überwiegende Teil, nämlich neun, betraf auch hier Tirol. Während im Tourenbereich “nur” ein Todesopfer zu beklagen war, gab es im Variantenbereich, also im Nahbereich von Skipisten, elf Tote, wies das in Innsbruck beheimatete Kuratorium für alpine Sicherheit (ÖKAS) hin.

Auch Untersuchungen würden einen Trend hin zu Unfällen im Variantenbereich zeigen. Es erscheine offenkundig, dass Variantenskifahrer mangelndes Wissen und Erfahrung besitzen. Außerdem dürfte mangelnde Einsicht eine zunehmende Rolle spielen, hieß es. Anders sei es nicht zu erklären, dass trotz Warnungen viele Skifahrer abseits der gesicherten Pisten unterwegs waren.

Auch bei ÖAMTC-Semesterferien-Bilanz Tirol an der Spitze

Unterdessen zog am Montag die ÖAMTC-Flugrettung eine Bilanz über die österreichweiten Einsätze in der Semesterferien-Periode zwischen 31. Jänner und 22. Februar, bei denen neben internistischen und neurologischen Notfällen vor allem auch Wintersportunfälle eine bedeutende Rolle spielten. Die ÖAMTC-Notarzthubschrauber absolvierten insgesamt 1.605 Einsätze, das entspricht durchschnittlich 70 Starts pro Tag. Bei den Alarmierungen lag Tirol mit 442 an der Spitze. Besonders häufig startete der Christophorus 4 in Kitzbühel (116 Einsätze), gefolgt vom “C6” in Salzburg (99 Einsätze) sowie “C1” in Innsbruck und “C14” in Niederöblarn in der Steiermark (je 84 Einsätze).

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