Von: luk
Kastelbell-Tschars – Der Tod eines Bartgeierkükens bei Schloss Juval im Vinschgau hat in den vergangenen Tagen für Diskussionen gesorgt. Nach aktuellen Erkenntnissen ist es sehr wahrscheinlich, dass eine unbedachte Annäherung an den Horst durch einen Naturfotografen zur Störung der Altvögel geführt hat. Zwei Jagdaufseher konnten entsprechende Beobachtungen aus ihrer Perspektive bestätigen.
Der Fall zeigt deutlich, wie sensibel Bartgeier während der Brutzeit auf Störungen reagieren. Bereits kurze Beunruhigungen können dazu führen, dass die Altvögel den Horst verlassen. In dieser Phase sind Eier und Jungtiere besonders gefährdet, da sie ohne Schutz rasch auskühlen, verhungern oder zur Beute anderer Raubvögel werden können.
Unvorhersehbare Einflüsse in unmittelbarer Horstnähe wirken sich dabei besonders kritisch aus. Auch wenn Störungen nicht immer sofort sichtbaren Stress auslösen, können sie nachhaltige Folgen für den Bruterfolg haben. Vor allem unerfahrene Brutpaare sind anfälliger, da sie solche Situationen weniger gut ausgleichen können. Es wird diesbezüglich auch darauf hingewiesen, dass die Altvögel erst nach dieser Annäherung den Horst verlassen haben. Der angeprangerte Hubschrauberflug von der Forstbehörde fand elf Tage vorher statt, weshalb dieser kaum als Ursache in Frage kommen kann.
Im Alpenraum zählt der Bartgeier zu den seltensten Brutvögeln, jeder erfolgreiche Nachwuchs ist für die Entwicklung der Population von großer Bedeutung. Mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern gehört er zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Die Art brütet im Winter und zieht pro Jahr in der Regel nur ein Jungtier auf, wodurch jeder Verlust besonders ins Gewicht fällt.
Gleichzeitig kommt es immer wieder zu Störungen im Umfeld von Horsten, teils im Zusammenhang mit gezieltem Aufsuchen für Foto- und Filmaufnahmen. Die Faszination für diese eindrucksvolle Art steht dabei nicht selten im Gegensatz zu den sensiblen Anforderungen während der Brutzeit. Der aktuelle Vorfall unterstreicht einmal mehr die besondere Schutzbedürftigkeit dieser Phase und die möglichen Folgen menschlicher Nähe im unmittelbaren Horstumfeld des Bartgeiers.




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