Von: mk
Bozen – Der Obmann der Transporteurinnen und Transporteure im lvh spricht nicht von einer Krise, die kommt, sondern von einer, die längst da ist.
Es sind 40 Cent mehr pro Liter. Eine Zahl, die auf den ersten Blick technisch klingt. Für Alexander Öhler ist sie existenziell. „Viele unserer Betriebe arbeiten aktuell nicht mehr wirtschaftlich – sie funktionieren nur noch“, warnt der Obmann der Transporteurinnen und Transporteure im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa).

Wenn der Tank zur Rechnung wird
Transport ist ein einfaches Geschäft. Ware von A nach B. Doch die Kalkulation dahinter ist alles andere als einfach – und vor allem nicht flexibel. Diesel macht rund 30 Prozent der Kosten aus. Steigt der Preis, gerät das System ins Wanken. Und genau das passiert derzeit.
Seit Monaten klettert der Dieselpreis. In Südtirol liegt er inzwischen deutlich über zwei Euro pro Liter, mit starken Schwankungen nach oben. Für große Unternehmen ist das ein Problem. Für kleine Betriebe ist es ein Risiko. „Die meisten Verträge sind fix. Das heißt: Die Preise steigen, aber wir können sie nicht weitergeben“, sagt Öhler.
Ein Lkw tankt rund 500 Liter. Jede Fahrt beginnt mit einer Vorleistung. Die Rechnung ist schnell gemacht: Steigt der Dieselpreis um 40 Cent, kostet eine Tankfüllung mehrere hundert Euro mehr. Auf das Jahr gerechnet, summieren sich die Mehrkosten auf fünfstellige Beträge pro Fahrzeug. Für viele Betriebe bedeutet das: Sie finanzieren die Preissteigerung vor – ohne Garantie, sie zurückzubekommen. „Gerade kleine Unternehmen bleiben auf diesen Kosten sitzen. Das ist das eigentliche Problem“, erklärt Öhler.
Die Konsequenz: Ein Teil der Südtiroler Frachtbetriebe beteiligt sich an Protestaktionen und angekündigten Stillständen. Nicht aus Prinzip, sondern aus Notwendigkeit. „Wir sind nicht auf der Straße, weil wir Aufmerksamkeit wollen. Sondern weil wir keine andere Möglichkeit mehr sehen“, unterstreicht Öhler. Der Protest richtet sich nicht nur an die Politik, sondern auch an den Markt.
Zwischen System und Realität
Denn Transport ist Teil jeder Wertschöpfungskette – und gleichzeitig oft der unsichtbarste Teil. Wenn Preise steigen, wird entlang der Kette angepasst, nur selten am Anfang. „Unsere Auftraggeberinnen und Auftraggeber müssen verstehen, dass wir diese Mehrkosten nicht dauerhaft tragen können“, sagt Öhler. „Es braucht Anpassungen und ein Entgegenkommen. Es geht nicht um Gewinnmaximierung, sondern um Kostendeckung.“
Die Branche steht dabei in einem strukturellen Dilemma: einerseits steigende Kosten, andererseits starre Vertragsmodelle. Ein klassisches Marktproblem: Flexibilität wird erwartet – aber nicht vergütet. Gleichzeitig zeigt ein Blick auf Italien, wie ernst die Lage ist. Jedes fünfte Transportunternehmen könnte noch heuer schließen. Südtirol steht vergleichsweise stabil da – noch. Aber auch hier wächst der Druck.
„Wir brauchen faire Rahmenbedingungen“
Transport funktioniert, solange er funktioniert. Die Lkw fahren. Die Regale sind gefüllt. Die Baustellen beliefert. Doch im Hintergrund verschieben sich die Parameter.
„Wir leisten jeden Tag unseren Beitrag. Aber wir brauchen Rahmenbedingungen, die das auch ermöglichen“, sagt Öhler. Es ist kein lauter Appell. Eher eine nüchterne Feststellung. Und vielleicht genau deshalb so deutlich.




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