Bozner Wirte klagen über zu viel Bürokratie

Zankapfel Menü-Tafel

Sonntag, 19. April 2026 | 11:54 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Silbergasse ist ein Herzstück der Bozner Gastronomie, wo sich Bar an Restaurant und Pizzeria reiht. Doch wer hier seinen Gästen die Tagesgerichte schmackhaft machen will, muss auf der Hut sein. Die Ortspolizei kontrolliert derzeit verstärkt die Einhaltung der Regeln für den Außenbereich. Besonders im Visier der Beamten stehen dabei die beliebten Menü-Tafeln, die als effektives Mittel zur Kundenwerbung gelten – und die Bußgelder haben es in sich.

Verstöße gegen die Verordnung schlagen 181,69 Euro zu Buche. Wer innerhalb von fünf Tagen begleicht, kommt mit 129,79 Euro davon. Viele Wirte kritisieren ausufernde Bürokratie und Regelungen, denen es ihrer Meinung nach an jeglicher Logik mangelt. „Wenn wir für die Nutzung des öffentlichen Raums bezahlen, warum dürfen wir ihn dann nicht mit der Tafel nutzen, die für uns am sinnvollsten ist?“, fragen sich die betroffenen Geschäftsleute.

Andrea Dalvai, Inhaber des Bistrot Ritter, berichtet gegenüber dem Alto Adige von einer Strafe, weil seine Tafel zwar auf dem gepachteten Grund stand, aber nicht dem „gemeldeten Typ“ entsprach. Dalvai zeigt sich einsichtig, was die Vermeidung von Wildwuchs angeht, kritisiert aber den Weg dorthin: „Der bürokratische Aufwand für eine Genehmigung ist endlos. Letztes Jahr wurde uns sogar die Planimetrie für Tische und Stühle vorgeworfen – dieselbe, die die Gemeinde ein Jahr zuvor genehmigt hatte.“ Absurde Details krönen den Alltag: Ein Zettel für eine Personalsuche muss im Inneren hängen, nicht außen. „Ich verstehe nicht, was das ändern soll“, so Dalvai kopfschüttelnd.

Die Menü-Tafel wurde auch Alfio Valenti von der Trattoria Filo d’Olio zum Verhängnis – und das gleich zweimal innerhalb weniger Tage. „Die Tafel stand außerhalb des markierten Bereichs, weil sie an der vorgeschriebenen Stelle hinter der eines Nachbarn verschwunden wäre. Diese Tafel ist meiner Ansicht nach selbst regelwidrig“, so Valenti. Kurios findet er an der Sache: „Ich habe sogar selbst die Ortspolizei gerufen, um diesen Verstoß zu melden – doch die Strafe haben sie am Ende mir aufgebrummt.“

Christian Zanella vom Paulaner kritisiert die verkleinerte Größe der Tafeln, die angeordnet wurde. Er weist darauf hin, dass internationale Touristen Bilder und klare Visualisierungen brauchen, statt kleiner A4-Zettel in zwei Sprachen.

Dass sich die Regeln zur Gestaltung des Außenbereichs ständig ändern, ist ein weiterer Kritikpunkt, den Zanella vorbringt. 2013 seien die Wirte gezwungen worden, teure Markisen zu installieren. Zanella selbst investierte rund 26.000 Euro. 2022 folgte die Kehrtwende: Die Markisen mussten weg, nur noch Mittelmast-Schirme wurden erlaubt. Zanella hat sich im Januar angepasst, stellt aber fest, dass nicht alle Kollegen nachgezogen sind. Sanktioniert werde dort scheinbar nicht. „Bei den Menütafeln sind sie allerdings extrem rigoros“, bemängelt Zanella.

Auch Marco Zonca vom Urban Coffee Lab kennt das Prozedere. Letztes Jahr gab es Ärger wegen einer fehlenden Stempelsteuer, dieses Jahr sind es die Modelle der Stühle, die angeblich nicht exakt mit der Planimetrie übereinstimmen. Zudem ärgert er sich über die Logik der Nutzungszeiten: „Wir dürfen den öffentlichen Grund erst ab 10.30 Uhr mit Tischen besetzen, obwohl wir um 8.00 Uhr bereits öffnen. Gleichzeitig parken uns die Lieferwagen die Tür zu, und da sagt niemand etwas.“

Doch nicht alle klagen. Diego Bernardi, der seit 30 Jahren das Hopfen & Co führt, blieb bisher straffrei. „Nein, keine Bußgelder. Wir kennen die Regeln und halten uns daran“, stellt er nüchtern fest. Ein weiterer Gastronom, der mehrere Lokale führt und anonym bleiben möchte, gibt der Polizei sogar recht: „Die Strafen wurden mir zu Recht ausgestellt, das ist schon in Ordnung so.“

Bezirk: Bozen

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