Verhandlung im Schwurgerichtssaal 303

Zehn Jahre Gefängnis nach Schuss auf Wiener Bim

Donnerstag, 29. Januar 2026 | 13:55 Uhr

Von: apa

Ein 37-jähriger Mann ist am Donnerstag von einem Geschworenengericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er Anfang Juli 2025 vorsätzlich einen Schuss auf eine Garnitur der Wiener Straßenbahnlinie 52 abgefeuert hatte. Das Urteil erfolgte einstimmig wegen versuchten Mordes. Der Richterspruch ist nicht rechtskräftig. Der Mann gab den Schuss zu, sagte allerdings: “Ich war besoffen, es tut mir leid. Ich bereue es, ich wollte niemanden töten oder verletzen.”

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich aufgrund einer Suchterkrankung und einer Persönlichkeitsstörung des Angeklagten zusätzlich eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum beantragt. Diese Maßnahme war jedoch nicht mehr erfüllt, wie der psychiatrische Sachverständige, Siegfried Schranz, in seinem Gutachten ausführte. Der Mann sei seit einem halben Jahr in Behandlung und sein Zustandsbild habe sich deutlich verbessert. Er habe sich “äußerst vorbildlich verhalten” und das Krankheitsbild sei völlig abgeklungen. Auch die Gefahr, erneut solche Taten zu begehen, sei “deutlich geringer”, so Schranz.

Zehn bis 15 Fahrgäste in Garnitur

Am 4. Juli 2025 hatte der völlig betrunkene Pole in seiner Wohnung Linzer Straße in Hütteldorf seine drei Monate davor legal erworbene Langwaffe aus dem Karton genommen und war zum Fenster gegangen. Zwei bis drei Mal schoss er in die Luft, ehe er die mit zehn bis 15 Fahrgästen besetzte Straßenbahn-Garnitur ins Visier nahm und nochmals abdrückte. Das abgefeuerte Projektil durchschlug die Glasscheiben auf beiden Seiten und dürfte wohl nur dank glücklicher Fügungen keine Fahrgäste getroffen haben. Laut Berechnungen des Gutachters Schranz hatte der Mann nach sechs bis acht Bier rund 2,5 bis drei Promille Alkohol im Blut.

Es sei ein “Impuls” gewesen, sagte der Beschuldigte mehrfach. “Ich war blöd. Ich bereue es.” Nachdem er sieben Jahre abstinent gewesen war, begann er 2024 wieder zu trinken und Cannabis zu konsumieren. Mehrfach holte er sich bei Suchtberatungen Hilfe, im Februar war er deshalb sogar stationär in einem Wiener Spital und von März bis Mai absolvierte er eine ambulante Therapie. Dennoch kaufte er sich im April 2025 das Kleinkalibergewehr, weil er sich seit geraumer Zeit von einem Bekannten, der angeblich zur polnischen Mafia gehört, bedroht gefühlt habe. Er kaufte das Gewehr, weil ihm der Händler versicherte, dass er dazu keinen Waffenschein benötige, sagte der Angeklagte.

Einsatz “großes Kino”

Am 4. Juli holte er dann die Waffe, die er hinter dem Kühlschrank gestellt hatte, aus der Verpackung und schoss. “Ich habe die Leute in der Straßenbahn nicht gesehen, nur die leere Scheibe”, meinte der 37-Jährige. Zunächst behauptete er, er habe gar nicht gesehen, dass er die Straßenbahn getroffen habe. Das nahm ihm der Richter nicht ab, weil aufgrund des Einsatzes “großes Kino” war, da die Sondereinheiten Cobra und WEGA sogar mit dem Panzerwagen am Einsatzort eintrafen. Zunächst war nämlich die Wohnung eines Nachbarn gestürmt worden, der sieben bis acht Waffen besitzt. Der hatte jedoch mit der Sache nichts zu tun.

“Ich hab’ deutlich gehört und gewusst, was es ist”, sagte der Straßenbahnfahrer im Zeugenstand. Weil er Angst hatte, erneut beschossen zu werden, fuhr er die Garnitur in die nächste Station. “Da hat schon eine Frau an die Fahrerkabine geklopft und gesagt, wir wurden beschossen.” Der Bim-Fahrer alarmierte dann die Polizei.

“Depperte Aktion”

“Ich habe Angst gehabt. Ich habe nicht gewusst, dass ich das war.” Deshalb ging er schnell aus der Wohnung. Beim Verlassen wurde der 37-Jährige sogar von der Polizei kontrolliert, aber er konnte glaubhaft sagen, dass er nur in ein Lokal gehen wollte. Deshalb ließen ihn die Beamten gehen. Erst zwei Stunden später erfolgte die Festnahme in dem Cafe. Vor der Polizei gab der Mann an, es habe sich um eine “depperte Aktion” gehandelt.

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