Streetworker gehen Hinweisen des Kältelefons nach

Zwei Männer in Wien erfroren

Donnerstag, 15. Januar 2026 | 11:41 Uhr

Von: apa

Zwei Männer sind bei der derzeitigen Kältewelle in den vergangenen Tagen in Wien erfroren. Beide wurden von den Streetworkteams der Caritas gefunden. Am Samstag fanden sie einen Obdachlosen in Floridsdorf, er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er verstarb. Am Sonntag fanden Streetworker einen Mann reglos in einem Park in Favoriten, die Rettung konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Zuerst hatte die “Heute” darüber berichtet. Die Caritas bestätigte die Todesfälle.

“Wir sind sehr betroffen und traurig”, schrieb Caritas-Wien-Direktor Klaus Schwertner am Donnerstag auf Facebook. Er verwies im Gespräch mit der APA auf das Kältetelefon. Dieses verzeichnete zuletzt bis zu 350 Anrufe pro Tag. Allein 8.000 Anrufe habe es in Wien in diesem Winter bereits gegeben. Dadurch “konnten wir gemeinsam mit euch, Rettung und Polizei dutzende obdachlose Menschen in den letzten drei Wochen vor dem Kältetod retten”, schrieb der Caritas-Direktor auf Facebook. Er appellierte, das Kältetelefon (01/480 45 53) weiterhin zu nutzen. Bei medizinischen Notfällen ist die Rettung unter 144 erreichbar.

Menschen mit Körpertemperatur von 34 Grad gefunden

“In mehr als einem Dutzend Fälle haben wir buchstäblich in letzter Minute dank Hinweise über das Kältetelefon” Obdachlose noch rechtzeitig gefunden und ins Krankenhaus einliefern lassen, “teilweise mit einer Körpertemperatur von 34 Grad”, sagte Schwertner zur APA. Sie konnten stabilisiert werden. “In mehreren 100 Fällen haben wir Menschen in Notquartiere vermitteln können”, sagte der Caritas-Direktor.

Er betonte, dass es genug Schlafplätze gibt, zuletzt wurden sie nochmals aufgestockt. In Wien gibt es rund 1.000 Schlafplätze im Rahmen der städtischen Winternothilfe. Neben 13 Notquartieren stehen bis Ende April auch drei Wärmestuben zur Verfügung.

“Es wird alles unternommen, dass niemand abgewiesen werden muss.” Doch gebe es auch Gründe, warum Menschen draußen schlafen, etwa psychische Erkrankungen, schlechte Erfahrungen oder weil sie es schwer aushalten, mit so vielen anderen Personen in einem Raum zu schlafen.

Weiterhin eisige Temperaturen in Wien

Dass zuletzt Menschen auf der Straße erfroren sind, “ist einige Jahre her”, sagte Schwertner zur APA. Im Dezember 2019 war ein irakischer Asylwerber auf der Straße in Ottakring tot aufgefunden worden, er war erfroren.

Die eisigen Temperaturen halten in Wien an. Für nächste Woche werden Höchstwerte um null Grad erwartet. Auch bei Temperaturen um die null Grad können obdachlose Menschen an Unterkühlung sterben, warnte Schwertner. “Ruft uns weiterhin an”, appellierte der Caritas-Direktor. Streetworker suchen die Betroffenen dann mit winterfesten Schlafsäcken, Isomatten, warmer Kleidung und warmem Tee auf und begleiten die Personen in Notquartiere.

Zum Kältetelefon gibt es auch die KälteApp des Fonds Soziales Wien (FSW). Wer obdachlose Menschen bei Kälte im öffentlichen Raum wahrnimmt, kann auch per App Teams der Straßensozialarbeit informieren. Eine Meldung kann unkompliziert in drei Schritten ohne Registrierung gemacht werden. Die Webversion sowie die direkten Links zu den Stores gibt es unter www.kaelteapp.wien.

(S E R V I C E – Kältetelefon Caritas Wien: 01/4804-553 – 0:00-24:00 Uhr, Kältetelefon Caritas Burgenland: 0676/8373-0322 – 08:00-22:00 Uhr, Kältetelefon Caritas Steiermark: 0676/8801-58111 – 18:00-24:00 Uhr, Kältetelefon Caritas Kärnten: 0463/3960-60 – 18:00-06:00 Uhr, Kältetelefon Caritas Salzburg: 0676/8482-10651 – 0:00-24:00 Uhr, Kältetelefon Tirol: 0512/2144-7 (TSD – Tiroler Soziale Dienste GMBH) – 0:00-24:00 Uhr, Vorarlberg: Caritas Center Feldkirch: 05522/200-1700 – 08:00-12:00 Uhr (Mo-Fr), Oberösterreich: Kältetelefon für das Linzer Stadtgebiet – Sozialverein B37 – OBST 0732/7767-67560, Niederösterreich: Kein Kältetelefon. Notschlafstellen gibt es in St. Pölten und Wr. Neustadt)

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen