Von: mk
Bozen – Umweltschutzorganisationen üben scharfe Kritik an den Olympischen Winterspielen. „Die ‚unnachhaltigsten Winterspiele aller Zeiten‘ scheinen sich 2026 in Cortina-Mailand zu wiederholen, nachdem der Schnee ausbleibt und nun auch das Wasser für die Beschneiung fehlt“, schreiben Climate Action South Tyrol, der Dachverband für Natur und Umweltschutz, der Heimatpflegeverband, der AVS, CAI Alto Adige, POW protect our winters und Mountain Wilderness in einer Aussendung.
Kurz vor dem Jahreswechsel hatten IOC- und FIS-Vertreter Alarm geschlagen, da die italienischen Organisatoren mit der Beschneiung weit hinter dem Zeitplan lagen. In Livigno musste deshalb für den FIS-Weltcup auf eine andere Piste ausgewichen werden, was von den Schweizer Weltcup-Fahrern scharf kritisiert worden war. „In Cortina müssen während der Olympischen Spiele alle anderen Pisten schließen, weil das Wasser nur für die Wettkampfpisten ausreicht. Das bedeutet Millionenverluste für die Betreiber – und hohe Wasserverluste für die Region, die jetzt schon unter den ausbleibenden Niederschlägen leidet“, so die Umweltschützer.
Die Winterspiele hätten kaum begonnen, aber schon jetzt sei klar, dass sie Peking 2022 den Rang der unnachhaltigsten Spiele ablaufen könnten. „Alle Austragungsorte müssen zu 100 Prozent künstlich beschneit werden, weil es keinen Naturschnee gibt. Doch nun fehlt auch das Wasser für die Beschneiung. Das wird von den Organisatoren aber schlichtweg ignoriert. Sie gehen mit der Ressource Wasser um, als wäre es ihr Eigentum und nicht Gemeingut“, sagt Hanspeter Staffler, Geschäftsführer des Dachverbands für Natur und Umwelt.
„Um die Austragungsorte beschneien zu können, müssen die Organisatoren sehr hohe Wassermengen aus den Bergflüssen entnehmen, weil die Speicherbecken fast leer sind. Das Wasser für den Kunstschnee wird daher aus den Flüssen hoch auf den Berg gepumpt, zum Teil ohne Rücksicht auf die ökologischen Restwassermengen. Die Lage in Livigno muss mittlerweile als ernst bezeichnet werden. Hier war es bis zum Jahreswechsel zu warm und sehr trocken, sodass das Wasser bei der Beschneiung einfach verdampft ist und nicht mal für den Kunstschnee auf der offiziellen Wettkampfpiste für das Weltcup-Rennen reichte“, sagt Florian Trojer, Geschäftsführer des Heimatpflegeverbands.
Schweizer Bund: Akute Wasserknappheit in Livigno
Allein in Livigno würden täglich 14.000 Kubikmeter Wasser aus dem Fluss Spöl gepumpt, dessen Abfluss laut aktuellen Daten des Schweizer Bundesamts für Umwelt (BAFU) bei nur 0,2 Kubikmeter pro Sekunde liegt. Das entspreche einer akuten Wasserknappheit im Einzugsgebiet des Flusses, die durch die zusätzliche Entnahme noch verschärft werde. „In Cortina reichen die geringen Wassermengen kaum für die Wettkampfpisten, weshalb alle anderen Pisten während der Dauer der Spiele schließen müssen. Das bedeutet Millionenverluste für die Betreibergesellschaft“, so die Umweltschützer.
„Die Olympischen Spiele 2022 in Peking wurden weltweit dafür kritisiert, weil das Wasser für den Kunstschnee aus riesigen Distanzen herbeigepumpt werden musste. Gleiches droht nun Cortina-Mailand, denn für die 100-prozentige Beschneiung sind gewaltige Wassermengen nötig, weil das IOC-Reglement eine wesentlich dickere Schneedecke von 120 bis 150 Zentimeter erfordert wie für normale Skirennen“, sagt Ruth Heidingsfelder von Climate Action South Tyrol.
Am 27. Dezember hätten die Schweizer Weltcup-Fahrer die Weltcup-Organisatoren scharf kritisiert, da die Piste in Livigno unzureichend präpariert und daher unfallanfällig gewesen sei. Aufgrund der hohen Temperaturen und sehr trockenen Luft hätten die Organisatoren die Weltcup-Piste nicht richtig beschneien können, so die Umweltschützer: „Sport-Insider sprachen von ‚miserablem Zustand‘. Das Rennen musste daher auf eine andere Piste verlagert werden.“
Der ausbleibende Schnee in den Alpen, eine Situation, die aufgrund der Klimakrise immer häufiger werden werde, habe einen enormen Wasserverbrauch für die Beschneiung der Pisten zur Folge. „Es ist bezeichnend, dass schon gar nicht mehr darüber diskutiert wird, dass die Spiele nicht auf natürlichem Schnee stattfinden können. Diesen gibt es ja auch gar nicht mehr in für die Spiele ausreichender Menge. Es ist deshalb schon normal geworden, dass zu 100 Prozent beschneit werden muss. Aber nicht mal das können die Organisatoren garantieren, denn das Wasser für die Beschneiung fehlt schlichtweg“, sagt Silvia Simoni, Umweltingenieurin bei Mountain Wilderness. „Wir haben momentan besorgniserregend niedrige Wasserstände in einigen Regionen und stark reduzierte Wasserabflüsse in betroffenen Bergflüssen. Wie in Peking scheint das aber niemanden zu interessieren – die Spiele müssen auf Gedeih und Verderb stattfinden ohne Rücksicht auf Umwelt, Landwirtschaft und Bewohner.“




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