Deal über Berlusconis Anwesen geplatzt

500 Millionen Euro: Bunga-Bunga-Villa sucht neuen Besitzer

Samstag, 30. August 2025 | 08:26 Uhr

Von: idr

Porto Rotondo – Zwei Jahre nach Silvio Berlusconis Tod steht ein Relikt seiner Zeit zum Verkauf: Die Villa Certosa, einst Schauplatz legendärer Bunga-Bunga-Partys und geheimer Staatsgespräche, hat offenbar einen kaufwilligen Interessenten gefunden. Ein arabischer Unternehmer soll bereit sein, die astronomische Summe von einer halben Milliarde Euro für das Luxusanwesen zu zahlen.

Die Gerüchte, die die Tageszeitung „La Nuova Sardegna“ am Montag anheizte, dementierte Berlusconis Holdinggesellschaft Fininvest jedoch umgehend. „Die Verhandlungen sind noch nicht weit fortgeschritten. Wir sammeln lediglich verschiedene Interessensbekundungen, die sich alle in einem vorläufigen Stadium befinden“, erklärte ein Sprecher. Man äußere sich grundsätzlich nicht „zu Indiskretionen über einzelne Gesprächspartner“.

Ein „Haus“ voller Geschichte

Die Villa Certosa ist weit mehr als nur eine Immobilie: Sie ist ein Stück italienische Zeitgeschichte. Das 4500 Quadratmeter große Hauptgebäude mit 126 Zimmern thront in einem 120 Hektar großen Park mit Blick auf den Golf von Porto Rotondo. Hier empfing der verstorbene Medienmogul und viermalige Premierminister drei Jahrzehnte lang die Mächtigen der Welt: George W. Bush, Tony Blair, Wladimir Putin, Hosni Mubarak und José Zapatero spazierten durch die smaragdgrünen Gärten.

Berlusconi und Putin in der Vill
(FILE) Russian President Vladimir Putin (L) and ANSA / MIKHAIL KLIMENTYEV RIA NOVOSTI

Per Regierungsdekret erhob Berlusconi die Villa 2004 zum alternativen Ort mit höchster Sicherheitsstufe für die Sicherheit des Ministerpräsidenten – ein Status, der illustre Staatsbesuche ermöglichte, aber auch skandalöse Privatpartys schützte.

Die berüchtigten Fotos des Paparazzi Antonello Zappadu aus dem Jahr 2009 zeigten, was sich hinter den Mauern abspielte: 7000 Aufnahmen dokumentierten Berlusconis legendäre Feste mit spärlich bekleideten Frauen, barbusigen Sonnenbaderinnen und sogar einem nackten Gast – dem damaligen tschechischen Ministerpräsidenten Mirek Topolánek.

Preis steigt trotz jahrelangen Fehlschlägen

Der mysteriöse arabische Käufer reiht sich ein in eine lange Liste gescheiterter Interessenten. Bereits 2009 zeigte die Herrscherfamilie Al Nahyan aus Abu Dhabi Interesse, vier Jahre später wollte ein spanischer Tycoon 400 Millionen Euro zahlen. Zuletzt galten der Sultan von Brunei und die Hotelkette Four Seasons als potenzielle Käufer – doch alle Verhandlungen scheiterten.

Die Schwierigkeit liegt im Preis: Während Gutachter den Wert 2021 auf 260 Millionen Euro schätzten, fordern die Erben fast das Doppelte. Neben den fünf Berlusconi-Kindern gehören auch sein Bruder Paolo, Lebensgefährtin Marta Fascina und Vertrauter Marcello Dell’Utri zum Erbenkreis. Sollte der Verkauf tatsächlich zustande kommen, endet eine Ära: Das wertvollste Stück von Berlusconis Immobilienimperium würde den Besitzer wechseln.

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