Von: ka
Perugia – Die als Kulturverein getarnte Sekte versprach ihren Mitgliedern die Reinigung der Seele. Laut Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft dienten die teuren „Alchemie-Kurse” und „bizarren Rituale” jedoch vor allem dem Zweck, sich auf betrügerische Art und Weise an den „Jüngern” – darunter vor allem gefährdete und fragile Personen – zu bereichern.
Den Ermittlungen zufolge wurden Überweisungen von mehr als einer halben Million Euro getätigt, die die Festgenommenen für den Kauf von Luxusautos, Juwelen und teuren Restaurantbesuchen verwendeten. Besonders erschreckend ist, dass der Guru der Sekte, der sich „Meister“ nannte, seine Führungsrolle ausgenutzt haben soll, um eine Frau sexuell zu missbrauchen. Nachdem die Polizei genügend belastendes Material gesammelt hatte, zerschlug sie die Alchemie-Sekte der „Seelenreinigung“ und nahm den „Meister“ sowie drei weitere führende Mitglieder fest.

Alles begann mit einem Alchemie-Kurs, der den Teilnehmern einen Weg zur Erkenntnis, inneren Wandlung und „Reinigung der Seele“ versprach. Was die „Jünger“ jedoch tatsächlich erwartete, waren Erpressung, psychologische Manipulation und in einigen Fällen sexuelle Gewalt.
Nachdem die Beamten der Quästur von Perugia genügend belastendes Material gesammelt hatten, zerschlugen sie die kriminelle Vereinigung, die sich nach außen hin als Kulturverein und spirituelle Sekte tarnte. Dabei nahmen sie vier Personen – drei Männer und eine Frau – fest. Ihnen wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung zum Zwecke des Betrugs bis hin zu schwerer sexueller Gewalt gebildet zu haben.
Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Anzeige des Vaters eines jungen Mannes, der vor drei Jahren in den Sog eines mysteriösen „Meisters der Alchemie“ geraten war. Innerhalb weniger Monate hatte der junge Mann seine Arbeit aufgegeben, seine Ersparnisse aufgebraucht und jeden Kontakt zur Familie abgebrochen. Zunächst zog er in die Marken und dann nach Umbrien, um dort innerhalb der Gruppe zu leben und „seine Seele zu reinigen“.

Innerhalb der Sekte herrschte eine strenge Hierarchie mit hochtrabenden Titeln: der „Meister“, die „Meisterin“, der „Schamane“ und der „Heiler“. Diese Rollen wurden gezielt entworfen, um labile Menschen anzulocken, sie mit Verführungstechniken zu manipulieren und sie dann mittels spiritueller Erpressung zu kontrollieren. Den Opfern wurde weisgemacht, ein Austritt hätte Folgen für ihr Schicksal und ihre Gesundheit.
Die Ermittlungen bei den Banken förderten einen Umsatz von über einer halben Million Euro zutage. Es handelt sich um Geld, das die Mitglieder monatlich eingezahlt haben – in der Überzeugung, damit einen Weg der spirituellen Weiterentwicklung zu finanzieren. In Wirklichkeit gaben die Verdächtigen es jedoch für Luxusautos, Schmuck und Abendessen in den besten Restaurants aus.
Die Rituale der Sekte, mit denen psychologischer Druck auf die Mitglieder ausgeübt wurde, um sie in der Gruppe zu halten, waren äußerst bizarr.
Eine Zeugin soll angegeben haben, dass eine als „Ärztin“ bezeichnete Frau den Mitgliedern Blut abnahm. Das entnommene Blut wurde zusammen mit Alkohol und einigen Kräutern – darunter Melisse – aufbewahrt, um später zu einer Mischung verarbeitet zu werden, die über einen längeren Zeitraum eingenommen werden sollte. Diese Praxis diente angeblich dazu, den Körper zu reinigen und ihn von negativen Einflüssen zu befreien, die mit der eigenen Familiengeschichte zusammenhingen. Sollten sich diese Angaben bestätigen, würden sie ein Bild zeichnen, in dem sich spirituelle Überzeugungen und rituelle Praktiken mit einer starken suggestiven Wirkung vermischen.
Während einer Auslandsreise der Gruppe soll sich eine Teilnehmerin unwohl gefühlt haben, nachdem sie eine Substanz eingenommen hatte, die auf Ayahuasca zurückzuführen ist. Ayahuasca ist ein südamerikanisches Getränk, das für seine psychotropen Wirkungen bekannt ist.
Eine andere Zeugin beschreibt ein Ritual, das in einer natürlichen Umgebung stattgefunden haben soll. Demnach mussten sich die Teilnehmer für einige Minuten in eine in den Boden gegrabene Grube begeben, um an einer symbolischen Zeremonie teilzunehmen. Laut der Rekonstruktion der Ermittler wurde der Ritus als Moment der Reinigung und persönlichen Transformation dargestellt.
Auch dieser Bericht trägt dazu bei, Praktiken zu skizzieren, die, obwohl sie in einen spirituellen Kontext eingebettet sind, besonders intensiv und außergewöhnlich sind. All diese Aussagen tragen dazu bei, ein Umfeld zu rekonstruieren, das durch potenziell riskante Situationen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der „Jünger” gekennzeichnet ist.

Die Vorwürfe gegen den 56-jährigen Anführer der Gruppe sind am beunruhigendsten. Er soll seine Rolle als spiritueller Führer für sexuelle Nötigungen missbraucht haben. Unter Ausnutzung der emotionalen Verletzlichkeit einer Anhängerin soll er sie wiederholt zum Geschlechtsverkehr gezwungen und ihr eingeredet haben, dass Sex mit ihm ein ritueller Akt sei, der für das Seelenheil notwendig sei. Den Ermittlungsakten zufolge seien mehrere Frauen dazu gebracht worden, Beziehungen zu bestimmten Mitgliedern der Sekte einzugehen. Dies sei in einem Umfeld geschehen, das starken psychologischen Druck auf die Anhänger ausgeübt habe.

Nach Abschluss umfangreicher Ermittlungen, die Beschattungen, Abhörmaßnahmen und Zeugenaussagen umfassten, wurden vier Personen – drei Männer und eine Frau – in Untersuchungshaft genommen. Gegen zwei weitere Personen, die eine untergeordnete Rolle spielten, wird als Verdächtige ermittelt. Sie befinden sich jedoch auf freiem Fuß. Drei der Festgenommenen befinden sich in Haft. Gegen das vierte führende Mitglied der Sekte, das sich derzeit im Ausland befindet, wurden Auslieferungsverfahren eingeleitet. Am Donnerstag bestätigte der zuständige Richter die Untersuchungshaft der drei Festgenommenen.
Auch die Sendung „FarWest“ von Rai 3 befasste sich mit dem Fall und strahlte am Dienstag zwei Beiträge über die Sekte aus.







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