Von: ka
Caraglio – Wegen des Todes der siebenjährigen Anisa Murati, der sich am 24. Juli 2024 während eines Badeausflugs einer Sommergruppe der Pfarrei ereignete, hat die Staatsanwaltschaft von Cuneo sechs Anklagen wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Zu den Beschuldigten gehört auch der Pfarrer.
Die Ermittlungen deckten viele Mängel auf. Letzten Erkenntnissen zufolge ist der tragische Unfalltod der Siebenjährigen jedoch auf einen verhängnisvollen Fehler zurückzuführen. Obwohl Anisa Murati nicht schwimmen konnte, wurde ihr ein Armband in der Farbe der Schwimmer gegeben. Das Mädchen verschwand aus dem Blickfeld der Betreuer und ertrank anschließend. „Anisa Murati konnte nicht schwimmen. Man gab ihr das Armband mit der falschen Farbe, sodass sie im Biosee von Caraglio ertrank“, so die traurige Erkenntnis der Ermittler.

„Aber wo ist Anisa?“, hatte man damals die Frage gestellt. Sie war nirgends zu finden. Die einzigen Spuren, die von ihr gefunden wurden, waren ihre kleinen, rosa Badelatschen am Ufer des Biosees „Acquaviva“ in Caraglio. Die Animateure und das Personal des Bioparks riefen nach ihr und suchten sie. Die Minuten vergingen, doch niemand schien etwas über den Verbleib des siebenjährigen Mädchens zu wissen. Die verzweifelten Betreuer alarmierten die Rettungskräfte, doch für Anisa kam jede Hilfe zu spät. Taucher fanden ihre Leiche in zwei Metern Tiefe auf dem Grund des Sees. Sie gehörte zu einer Sommergruppe der Pfarrei Valle Stura im Piemont, die von Don Fabrizio Della Bella betreut wurde. Es war der 24. Juli 2024.
Eineinhalb Jahre nach dem Tod des kleinen Mädchens hat die Staatsanwaltschaft von Cuneo nun Anklage gegen sechs Personen wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Während in den Ermittlungsakten allgemein von „Fahrlässigkeit und Unerfahrenheit” die Rede ist, legen die Richter in der Anklageschrift die individuelle Verantwortung jedes Einzelnen dar. Die von der Staatsanwaltschaft festgestellte Fehlerkette geht über die mutmaßliche Verantwortung derjenigen hinaus, die an diesem Tag auf das Mädchen hätten aufpassen müssen. Zudem wurden strukturelle, planerische und sicherheitstechnische Mängel festgestellt, die insbesondere auch den Unfallort, den Biosee „Acquaviva“ in Caraglio, betreffen.
Auf der Liste der sechs Verdächtigen stehen der Planer und Bauleiter, Ingenieur Stefano Ferrari, der Leiter des technischen Amtes der Gemeinde und alleinige Verantwortliche für das Verfahren (Responsabile unico del procedimento, R.U.P.), Architekt Graziano Viale, der Leiter des Bioparks, Roberto Manzi, der Pfarrer von Demonte und Organisator des Sommercamps, Don Fabrizio Della Bella, sowie die beiden jungen Betreuerinnen D.S. und L.G., die auf die Kinder aufpassen sollten. Letztere sind die einzigen Volljährigen unter den Animateuren. Ferrari und Viale wird außerdem Urkundenfälschung vorgeworfen.
Der erste Fehler dieses dramatischen Tages geschah, als die Kinder im Biopark ankamen. Alle erhielten ein orangefarbenes Armband, das anzeigt, dass sie schwimmen können. Auch Anisa bekam ein solches Armband, obwohl sie eigentlich ein grünes hätte tragen müssen, da sie sich im Wasser noch nicht sicher fühlte. Durch dieses falsche Sicherheitszeichen durfte sich das kleine Mädchen ohne Schwimmflügel dem See nähern. Ein Versäumnis, das der Staatsanwalt den beiden Betreuerinnen vorwirft. Sie fungierten an diesem tragischen Tag als Koordinatorin oder Referentin. Die beiden jungen Frauen, die von den Anwälten Nicola Menardo und Barbara Citterio verteidigt werden, hätten das Mädchen nicht „vor einer gefährlichen Situation geschützt” und nicht „überprüft”, ob eine „angemessene Aufsicht” vorhanden war – trotz der Trübung des Wassers des Biosees, der Rutschigkeit des Grundes und der Tatsache, dass niemand die Kinder ständig beaufsichtigte.
Doch noch vor ihnen soll Don Della Bella, der an diesem Tag abwesend war, einen Fehler begangen haben. Er soll den Ausflug mit einer unzureichenden Anzahl von Betreuern organisiert und deren Arbeit nicht überprüft haben, „obwohl er sich bewusst war, dass sie gewöhnlich unvorsichtig, nachlässig und ungeschickt handelten und nicht in der Lage waren, die Gefährdung der Minderjährigen durch vorhersehbare Gefahrenquellen oder Gefahrensituationen zu verhindern”. Aber das ist noch nicht alles. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Betreiber des Bioparks ihn angerufen hatte, um sich darüber zu beschweren, dass die Betreuer die Kinder nicht beaufsichtigten und dass er nicht eingreifen würde.
Wenn man die Fehlerkette zurückverfolgt, wird Manzi vorgeworfen, grundlegende Sicherheitsmaßnahmen missachtet zu haben. So hätte er für den von ihm betriebenen Biosee einen Notfall-Evakuierungsplan, eine ausreichende Anzahl von Rettungsschwimmern, eine Umzäunung der Beckenränder sowie eine angemessene Beschilderung bereitstellen müssen. Letztere hätte die Wassertiefe und das Gefälle an der Stelle des Höhenunterschieds anzeigen müssen. Darüber hinaus hätte er ein schwimmendes Trennsystem zwischen dem 1,10 Meter tiefen Nichtschwimmerbereich und dem 3,75 Meter tiefen Schwimmerbereich installieren müssen.
All diese gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen sind im Ausführungsprojekt des Bioparks eindeutig gekennzeichnet. Daher wurden die Gemeindeverantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, die „eine Bescheinigung über die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten ausgestellt hatten, welche die Abweichungen des Bauwerks nicht berücksichtigte”. Alle sechs Beschuldigten müssen sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.
Der tragische Tod von Anisa Murati löste nicht nur im Piemont große Trauer aus. Auf die traurige Nachricht vom Unfalltod der Siebenjährigen folgte jedoch auch eine Debatte über die Sicherheit während der Sommerbetreuung. Viele italienische Eltern fragen sich, ob die Betreuer immer entsprechend ausgebildet sind und vor allem auch ihrer Aufsichtspflicht nachkommen.




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