28 Personen festgenommen, heftige Kritik – VIDEO

Aufsehenerregend: Klimaaktivisten färben italienische Flüsse und Kanäle grün

Montag, 11. Dezember 2023 | 08:04 Uhr

Von: ka

Venedig/Mailand/Turin/Rom/Bologna – Mehrere italienische Flüsse und Kanäle waren am Samstag Schauplatz einer aufsehenerregenden Protestaktion von Klimaaktivisten. Um gegen die aus ihrer Sicht enttäuschenden Ergebnisse des Klimagipfels in Dubai und das Versagen der Regierungen bei der Bewältigung der Klimakrise anzuprangern, schütteten Gruppen von Klimaaktivisten der Organisation Extinction Rebellion grüne Farbe in den Po und in den Canal Grande von Venedig.

Besonders in Venedig kamen die Aktionen der radikalen Klimaaktivisten bei den Behörden gar nicht gut an. 28 Personen wurden festgenommen und auf die Quästur der Lagunenstadt gebracht, wo sie sich noch immer in Gewahrsam befinden.

Instagram/Extinction Rebellion Roma

Während der Chef der Organisation Erdölexportierender Länder OPEC auf der Klimakonferenz COP28 in Dubai die Mitgliedsstaaten in einem Brief dazu aufforderte, bei den laufenden Klimaverhandlungen in Dubai jede Vereinbarung, die einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorsieht, abzulehnen, versuchten Klimaaktivisten auf der ganzen Welt mit aufsehenerregenden, aber gewaltfreien Protestaktionen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der Regierenden zu erregen.

Italien machte da keine Ausnahme. Drei Tage vor dem Ende der internationalen Klimakonferenz wurde am Samstag das Wasser mehrerer italienischer Flüsse und Kanäle grün gefärbt. Die Initiative wurde von Extinction Rebellion ins Leben gerufen, um das Versagen der Weltpolitik bei der Bewältigung der Klimakrise und des sechsten Massenaussterbens in aller Deutlichkeit aufzuzeigen.

Instagram/Extinction Rebellion Milano

In Turin und in Mailand, wo die Klimaaktivisten jeweils den Po und den Stadtkanal der Navigli für ihre Protestaktion auswählten, versenkten die radikalen Klimaschützer auch die Attrappe eines Hauses im grün gefärbten Wasser. In Bologna hingegen benutzten die Aktivisten einige Schlauchboote, um die grüne Farbe in den Reno-Kanal, der durch das Stadtzentrum führt, zu schütten. In Rom wiederum wurde die ganze Wasserfläche, die die Tiberinsel umgibt, grün gefärbt. Besonders großes Aufsehen erregte die Protestaktion der venezianischen Gruppe von Extinction Rebellion. Um grüne Farbe in den Canal Grande zu schütten und ein Spruchband auszurollen, seilten sich mehrere Klimaaktivisten mit Gurten und Seilen vom Bogen der Rialto-Brücke bis zur Wasserfläche ab.

Auf die grüne Farbe angesprochen versicherten die Klimaaktivisten, dass es sich bei dem für die Protestaktionen verwendeten Farbstoff um einfaches Fluorescein handelte. Fluorescein oder Fluoreszin ist ein harmloses Salz, das aufgrund seiner fluoreszierenden Eigenschaft als Leuchtsignal – beispielsweise bei der Suche nach Wasserlecks oder zum Anzeigen der Position von Tauchern im offenen Meer – Verwendung findet.

Instagram/Extinction Rebellion Venezia

Trotz des friedlichen Verlaufs und der Harmlosigkeit der benutzten grünen Farbe stießen die Protestaktionen nicht überall auf Gegenliebe. Besonders in Venedig kamen die Aktionen der radikalen Klimaaktivisten bei den Behörden gar nicht gut an. 28 Personen – unter ihnen auch die Fotografen und die Pressesprecher der venezianischen Gruppe von Extinction Rebellion – wurden festgenommen und auf die Quästur der Lagunenstadt gebracht, wo sie sich noch immer in Gewahrsam befinden.

Eco-vandali, ora basta, interruzione di pubblico servizio, non possono continuare a fare quello che vogliono. 📺Il mio commento nel servizio del #Tg1Rai

Posted by Luigi Brugnaro on Saturday, December 9, 2023

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, ging mit den Klimaaktivisten hart ins Gericht. „Aufgrund der waghalsigen Kunststücke der selbsternannten Öko-Aktivisten, oder besser gesagt Öko-Vandalen, waren wir dazu gezwungen, den öffentlichen Verkehr und die Schifffahrt auf dem Canal Grande zu unterbrechen. Außerdem mussten wir dem Wasser Proben entnehmen und die kürzlich restaurierten Säulen der Rialto-Brücke überprüfen. Venedig ist eine empfindliche Stadt, die geliebt und vor allem respektiert werden muss! Wir werden sie wegen ‚Unterbrechung eines öffentlichen Dienstes‘ anzeigen und wir hoffen sehr, dass sie diesmal im Gefängnis landen!“, so Luigi Brugnaro.

Instagram/Extinction Rebellion Venezia

Die Organisation Extinction Rebellion übte ihrerseits harte Kritik am Bürgermeister der Lagunenstadt und warf ihm vor, demokratische Spielregeln zu missachten. Mit Blick auf den Artikel 331 des Italienischen Strafgesetzbuchs, der für die „Unterbrechung eines öffentlichen Dienstes“ Haftstrafen von bis zu sieben Jahren vorsieht, könnte einigen Klimaaktivisten ihre Protestaktion auf der Rialto-Brücke vor Gericht aber teuer zu stehen kommen.

Facebook/Palazzo Chigi – Presidenza del Consiglio dei Ministri

Hintergrund der Protestaktionen sind vor allem der bisher enttäuschende Verlauf der Klimakonferenz COP28 in Dubai. Bereits vor dem Ende der Konferenz scheint festzustehen, dass es zu wenig mehr als Absichtserklärungen kommen wird. Bezeichnend ist, dass der Vorstandsvorsitzende der staatlichen Ölgesellschaft Abu Dabi National Oil Company, Sultan Al Jaber, zum Vorsitzenden der Konferenz ernannt wurde. Laut Al Jaber gebe es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine Abkehr von fossilen Brennstoffen notwendig sei, um den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Klimaschützer übten an dieser Aussage harte Kritik.

Facebook/Luigi Brugnaro

Die italienischen Klimaaktivisten von Extinction Rebellion kritisieren auch, dass die Meinung von Sultan Al Jaber auch von der Regierung Meloni geteilt wird. In ihrer Rede in Dubai bekräftige die italienische Regierungschefin die Notwendigkeit, dass der „ökologische Übergang ohne ideologische Zwänge“ vonstattengehen müsse. „Die Regierung redet, die Erde versinkt“, kommentierten die italienischen Umweltschützer die Worte von Giorgia Meloni mit einem Spruchband.

APA/APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Extinction Rebellion kündigte daher an, dass die Protestaktionen weitergehen werden. Neue Zusammenstöße zwischen den radikalen Umweltschützern und den italienischen Behörden scheinen daher vorprogrammiert.