Von: luk
Rom – Autofahrer in Italien zahlen weiter mehr für ihre Haftpflichtversicherung, doch der Preisanstieg verliert an Dynamik. Im vierten Quartal 2025 lag die durchschnittliche Prämie für die Kfz-Haftpflicht bei 432 Euro. Das entspricht einem Plus von 3,5 Prozent im Jahresvergleich, real – also inflationsbereinigt – beträgt der Anstieg 2,3 Prozent.
Die Zahlen stammen von der IVASS, der italienischen Versicherungsaufsicht. Auffällig: Die Preisentwicklung flacht ab. Zum Vergleich: 2024 lag der Anstieg noch bei 6,6 Prozent, 2023 sogar bei 7,8 Prozent. Der Trend zeigt also weiterhin nach oben, jedoch weniger steil.
Starke regionale Unterschiede bleiben bestehen
Trotz der moderateren Entwicklung bleibt der Markt stark zersplittert. In etwa der Hälfte der italienischen Provinzen liegt die Durchschnittsprämie unter 404 Euro. Gleichzeitig bestehen erhebliche Unterschiede zwischen günstigen und teuren Regionen.
Zu den Hochpreisregionen zählen vor allem die Toskana, das Latium und Kampanien.
Auf Provinzebene reichen die jährlichen Preisveränderungen von stabilen Werten bis hin zu deutlichen Zuwächsen von bis zu 8,5 Prozent. Besonders starke Anstiege wurden in Enna (+8,5 Prozent), Rom (+6,1 Prozent) sowie in Frosinone, Mailand und Novara (jeweils +5,2 Prozent) registriert.
Der Abstand zwischen der teuersten und der günstigsten Provinz beträgt laut IVASS rund 250 Euro, mit Neapel als Spitzenreiter bei den Kosten und Aosta als günstigstem Standort.
Von Neapel bis Potenza: große Preisspanne
Ein Blick auf die absoluten Zahlen zeigt die Spannweite noch deutlicher:
Neapel: durchschnittlich 604 Euro
Prato: 593 Euro
Caserta: 544 Euro
Pistoia: 530 Euro
Am anderen Ende der Skala:
Potenza: 312 Euro
Enna: rund 320 Euro
Oristano: rund 322 Euro
Die Differenz zwischen teuerster und günstigster Provinz summiert sich damit auf fast 300 Euro pro Polizze.
Rabatte weit verbreitet, „Black Box“ stabil
Ein Großteil der Versicherten profitiert von Preisnachlässen: 91,3 Prozent der Verträge enthalten Rabatte, im Schnitt rund 226 Euro – etwa 40 Prozent der Standardprämie. Der größte Anteil dieser Abschläge geht auf kommerzielle Strategien der Versicherer zurück.
Unverändert bleibt die Verbreitung der sogenannten „Black Box“ im Auto: 17,7 Prozent der Fahrzeuge sind damit ausgestattet.
Verbraucherschützer schlagen Alarm
Kritischer fällt die Bewertung der Verbraucherverbände aus. Laut Codacons sind die Tarife seit 2022 insgesamt um 22,4 Prozent gestiegen. Das entspricht im Schnitt rund 79 Euro mehr pro Fahrzeug. Hochgerechnet auf etwa 33,5 Millionen versicherte Fahrzeuge ergibt sich eine Mehrbelastung von über 2,6 Milliarden Euro in drei Jahren.
Auch Assoutenti sieht Handlungsbedarf. Die anhaltenden Preiserhöhungen stünden in keinem Verhältnis zum Rückgang der Verkehrsunfälle. Die Organisation fordert unter anderem eine Reform des Systems der Direktregulierung sowie mehr Transparenz und Wettbewerb im Versicherungssektor.
Die Preise steigen also weiter – aber langsamer. Für Autofahrer bleibt die Kfz-Versicherung dennoch ein spürbarer Kostenfaktor, mit erheblichen regionalen Unterschieden und wachsender Kritik von Verbraucherschützern.




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