Von: ka
Bologna – Bologna ist Schauplatz eines verstörenden Kriminalfalls, der dem Opfer, einem heute neun Jahre alten Mädchen, beinahe das Leben gekostet hätte. Um die vom italienischen Gesetz vorgesehenen Kontrollen auf eine mögliche Übertragung der Krankheit – die Mutter war HIV-positiv – sowie Untersuchungen des Neugeborenen und Impfpflichten zu vermeiden, hatten radikale Impfgegner ihr Kind in Spanien außerhalb von Gesundheitseinrichtungen zur Welt gebracht. Danach brachten sie das Mädchen bis zum Alter von sechs Jahren nicht zum Kinderarzt.
Erst als das im Jahr 2017 geborene Mädchen im Juli 2023 wochenlang an anhaltendem Fieber und Husten litt, brachten die Eltern es zur ersten Visite zu einer Kinderärztin. Die Mutter verschwieg zunächst, dass sie HIV-positiv war. Als das Mädchen jedoch ebenfalls positiv getestet wurde, kam die ganze Wahrheit ans Licht.
Aus diesem Grund stehen die beiden Elternteile laut Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA nun in Bologna wegen schwerer Misshandlung ihrer Tochter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, das Mädchen über einen längeren Zeitraum hinweg schwer misshandelt zu haben. Nach der ersten Untersuchung musste das Mädchen für längere Zeit im Krankenhaus bleiben und schwebte sogar in Lebensgefahr. Heute lebt das neunjährige Mädchen mit seiner Mutter in einem Kinderheim.

Es handelt sich um eine Tragödie mit einem kleinen Mädchen als Opfer, die erst im Sommer vor drei Jahren nach dem ersten Besuch bei der Kinderärztin ans Licht kam. Diese vertrat den Stammarzt, der übrigens erst im November 2022, also fünf Jahre nach der Geburt des Mädchens, ausgewählt worden war. Der erste Termin bei der Kinderärztin stand im Zusammenhang mit Husten und anhaltendem Fieber, die bereits seit längerer Zeit bestanden.
Der von der Ärztin festgestellte Zustand erwies sich jedoch sofort als weitaus schwerwiegender: Sie stellte Unterernährung, Zähne in sehr schlechtem Zustand und unzureichende Wachstumsparameter beim Kind fest. Außerdem konnte das Mädchen schlecht laufen und trug noch Windeln. Die Ärztin informierte die Eltern über die Notwendigkeit einer dringenden Einweisung ins Krankenhaus, doch diese lehnten ab und bagatellisierten die Lage. Angesichts des schweren Gesundheitszustands der Fünfjährigen und der Haltung der Eltern informierte die Ärztin die Carabinieri.

Das Mädchen wurde über einen längeren Zeitraum hinweg in verschiedenen Krankenhäusern behandelt – zunächst im Maggiore in Bologna, dann in anderen Krankenhäusern der Stadt und schließlich in der Kinderklinik Meyer in Florenz. Nach der Einweisung und verschiedenen Untersuchungen wurde eine fortgeschrittene AIDS-Erkrankung diagnostiziert.
Die Mutter hatte zumindest anfangs nicht offen über ihre HIV-Infektion gesprochen. Dieses Eingeständnis erfolgte erst später mit der Begründung, sie habe ihre Tochter in Spanien geboren und dort keine öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in Anspruch genommen, um Kontrollen und Impfungen zu vermeiden. Auch während der langen Krankenhausaufenthalte verhielten sich die Eltern unkooperativ und behinderten die Behandlung sowie die Verabreichung der notwendigen Medikamente. In einem Fall soll der Vater sogar einige Medikamente anstelle seiner Tochter eingenommen haben.
Aufgrund mehrerer Meldungen hat die Staatsanwaltschaft Bologna ein Verfahren eingeleitet. Gegen die angeklagten Eltern, die von Rechtsanwalt Pasqualino Miraglia verteidigt werden, läuft nun eine Untersuchung. Sie müssen sich wegen schwerer Misshandlung verantworten, die zu schwersten Verletzungen geführt hat. Ihnen war die HIV-Infektion der Mutter bekannt, sie ergriffen jedoch weder während der Schwangerschaft noch in den ersten Lebensjahren des Kindes vorbeugende Maßnahmen.
Die Verzögerung bei der Diagnose und Therapie belief sich auf mehr als fünf Jahre, was zu einer erheblichen Verschlechterung der Prognose führte.

Laut der Verteidigung der Eltern, die mitteilte, dass ihre Mandanten keine Impfgegner seien – sie selbst seien geimpft, auch wenn sie ihre Tochter nicht impfen ließen –, sei das Mädchen nicht in Spanien geboren worden, um Behandlungen und Kontrollen zu vermeiden, sondern weil Spanien der Wohnort der Familie mütterlicherseits sei, die kolumbianische Wurzeln habe.
Zudem sei das Kind, so die Verteidigung weiter, in Spanien, wo es bis 2019 lebte, von Ärzten betreut worden. Vor der offiziellen Ernennung eines Pädiaters im November 2022 wechselte es zu einem Kinderarzt der privaten Gesundheitsversorgung in Bologna. Für Rechtsanwalt Miraglia muss das Verfahren den Vorsatz der Misshandlung klären.

Unterdessen nimmt das Justizverfahren seinen Lauf. Die nächste Verhandlung wurde auf den 18. Mai angesetzt. Gleichzeitig wurde ein Verfahren vor dem Jugendgericht eingeleitet. Dieses ernannte im September 2023 eine Vormundin für das Kind. Sie hat sich im Namen des Kindes als Zivilklägerin konstituiert und wird von der Rechtsanwältin Sabrina Di Giampietro vertreten.
Die elterliche Eignung von Mutter und Vater wird derzeit noch von den Richtern geprüft. Das neunjährige Mädchen lebt derzeit mit seiner Mutter in einem Kinderheim. Der kommende Prozessverlauf und das Urteil werden weit über Bologna hinaus mit Spannung erwartet.




Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen