Hohe Haftstrafe sorgt weiterhin für heftige Diskussionen – VIDEO

“Er ist ihnen nachgerannt und hat sie umgelegt, erschreckend!”

Donnerstag, 07. Dezember 2023 | 07:04 Uhr

Grinzane Cavour/Asti – Der Richterspruch des Schwurgerichts von Asti, das den 68-jährigen Juwelier Mario Roggero, der zwei flüchtende Räuber erschossen und einen dritten schwer verletzt hatte, wegen vorsätzlichen Doppelmordes, versuchten Mordes und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Haftstrafe von 17 Jahren verurteilte, sorgt weiterhin für heftige Diskussionen.

Während Mario Roggero das Urteil heftig kritisiert und den Staat beschuldigt, ehrliche Bürger nicht ausreichend zu schützen, verteidigt die Staatsanwaltschaft das Schwurgerichtsurteil. Laut dem Staatsanwalt von Asti, Biagio Mazzeo, der das Büro des Anklägers Davide Greco leitet, lasse insbesondere das Video keinen Zweifel an der Schuld des Juweliers aufkommen. „Er ist ihnen nachgerannt und hat sie umgelegt, erschreckend!“, so Biagio Mazzeo.

ANSA/ALESSANDRO DI MARCO

Für Mario Roggero, der wegen vorsätzlichen Doppelmordes, versuchten Mordes und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Haftstrafe von 17 Jahren verurteilt wurde, ist das Urteil ein Schock. „Das ist Wahnsinn, es lebe das Verbrechen und die Kriminalität. Kein gutes Signal für Italien!“, so die Stellungnahme des Juweliers nach der Urteilsverkündung.

Nessun pentimento per il gioielliere Mario Roggero, condannato a 17 anni per aver ucciso due dei tre rapinatori che avevano dato l’assalto al suo negozio e per il ferimento di terzo: “Non c'era alternativa”

Posted by Targatocn.it on Monday, December 4, 2023

Biagio Mazzeo, der das Büro des Anklägers Davide Greco leitet, ist vollkommen anderer Meinung. Die beiden Staatsanwälte, die die von den Carabinieri von Alba geführten Ermittlungen geleitet hatten, konnten vor Gericht die Darstellung des Angeklagten, dass er in Notwehr gehandelt hätte, erfolgreich widerlegen, was dazu führte, dass Roggero wie von Staatsanwalt Davide Greco gefordert zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde.

YouTube/TargatoCn

Die entscheidenden Beweise lieferten die Videos der beiden Überwachungskameras des Juweliergeschäfts „Roggero“ in Grinzane Cavour. Nach der Videovorführung im Gerichtssaal wurde während der Verhandlung auch darüber debattiert, ob der geistige Zustand des 68-Jährigen zum Zeitpunkt der Schüsse beeinträchtigt gewesen wäre. Nach der Anhörung der Sachverständigen gelangten die Richter zur Meinung, dass Mario Roggero bei klarem Verstand gehandelt hatte und selbst nicht in Gefahr gewesen war. Dem Angeklagten wurden nur die allgemeinen mildernden Umstände und die Tatsache, nach einer Provokation gehandelt zu haben, zugestanden.

ANSA/ ALESSANDRO DI MARCO

Gegenüber dem Corriere di Torino lässt Biagio Mazzeo die vergangenen zweieinhalb Jahre Revue passieren. „Diesmal war es der Angeklagte selbst, der uns die Beweise – die Videos – auf dem Silbertablett serviert hat. Die Überwachungskameras gehörten zu seinem Geschäft. Jeder, der die Aufnahmen sah, reagierte mit Abscheu auf die Bilder. Menschen wurden gejagt und umgelegt, einfach erschreckend“, erklärt Biagio Mazzeo.

ANSA/ALESSANDRO DI MARCO/Facebook/Mario Roggero

Der Staatsanwalt wundert sich vor allem über die fehlende Reue des Mannes. „Er scheint sich nicht vollständig bewusst zu sein, was passiert ist. Ich meine, es gibt keine kritische Selbstreflexion, nicht einmal eine minimale, nichts“, so der Staatsanwalt von Asti über den Angeklagten. Biagio Mazzeo hegte nie einen Zweifel über die Schuld des Angeklagten. „Wir sind völlig außerhalb eines Falles von Selbstverteidigung“, meint der Staatsanwalt.

YouTube/TargatoCnDie Verlautbarung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Matteo Salvini, der dem verurteilten Juwelier seine volle Solidarität ausdrückte, überrascht Biagio Mazzeo nicht. „Der Minister hält seit Jahren an seinem Slogan fest, dass Verteidigung immer legitim sei. Aber hier sind wir, wie ich schon sagte, weit jenseits eines Grenzfalls. Die Schüsse sind erst nach der Tat und außerhalb des Juweliergeschäfts gefallen“, so der Staatsanwalt.

Auch die Tatsache, dass Mario Roggero bereits im Jahr 2015 Opfer eines gewalttätigen Überfalls geworden war, bei dem zwei Räuber ihn verprügelt und die Nasenscheidewand gebrochen hatten, entschuldigt Biagio Mazzeo zufolge nicht die Tat.

„Aus psychologischer Sicht ist es möglich, dass ein Mensch ein gewisses Verlangen nach Rache entwickelt, ich würde das verstehen. Aber es ist natürlich keine Rechtfertigung und ich rechtfertige es nicht. Ich empfinde nie Freude, wenn ein Mensch verurteilt wird, höchstens Befriedigung, wenn unsere Arbeit gut gemacht wurde. Danach bleibt es eine traurige Angelegenheit, daran zu denken, dass eine Person – immer, wenn das Urteil in den nächsten Instanzen bestätigt wird – eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Aber wir müssen das Gesetz anwenden und den emotionalen Aspekt beiseitelassen. Wenn die Staatsanwaltschaft und das Schwurgericht, das auch aus Schöffen besteht, zum selben Urteil gelangen, sollte er sich vielleicht selbst einige Gedanken machen“, schließt Biagio Mazzeo das Interview mit der Turiner Ausgabe es Corriere della Sera.

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Die Meinung des Staatsanwalts dürfte die Polemiken nicht zum Verstummen bringen und ihnen vielleicht sogar neue Nahrung geben, aber Biagio Mazzeo legt klar da, dass der italienische Gesetzgeber Selbstjustiz nicht gelten lässt.

 

Von: ka