Von: Matthias Knapp
Trient – Ein Landwirt im Trentino und fünf seiner Familienangehörigen sollen über mehrere Jahre hinweg 84 ausländische Arbeiter systematisch ausgebeutet und um ihren Lohn gebracht haben. Nun griff die Finanzpolizei durch.
Die Finanzpolizei von Trient hat aufgrund eines Vollstreckungsbefehls auf Antrag der Staatsanwaltschaft 790.514 Euro beschlagnahmt. Der Verdacht gegen einen Trentiner Agrarunternehmer sowie gegen fünf weitere Personen wiegt schwer: Ihnen werden Bildung einer kriminellen Vereinigung, gewerbsmäßige Ausbeutung von Arbeitskräften und schwerer Betrug vorgeworfen.
Wie die Ermittlungen der Finanzpolizei und des Arbeitsamts ergaben, soll die Gruppe zwischen 2018 und 2024 mindestens 84 Erntehelfer aus Marokko, Rumänien, Indien, Nigeria, Pakistan und Kamerun ausgenutzt haben. Die Arbeiter waren im Rahmen des staatlichen Kontingents für ausländische Arbeitskräfte für die Beerenobsternte nach Italien gekommen.
Die Betroffenen, die als saisonale Hilfsarbeiter angestellt wurden, mussten teils bis zu 250 Stunden pro Monat mehr arbeiten, als es gesetzlich zulässig ist. Der Stundenlohn für reguläre wie für Überstunden lag weit unter dem Kollektivvertrag.
Von den ohnehin geringen Löhnen wurden dazu noch Beträge abgezogen, um wesentliche Grundbedürfnisse zu stillen: So wurden etwa drei Euro pro Nacht für die Unterkunft verlangt. Außerdem mussten die Arbeiter eine einmalige „Gebühr“ in der Höhe von 100 Euro für eine Decke und ein Kissen sowie für Euro Spritgeld pro Einkaufsfahrt im Auto der Tatverdächtigen bezahlen.
Die Arbeiter wurden in baufälligen, völlig überbelegten Unterkünften ohne minimale hygienische Standards untergebracht. Ihre finanzielle Not, mangelnde Arbeitsalternativen und fehlende Italienischkenntnisse nutzten die Beschuldigten laut den Ermittlern gezielt aus.
Der Unternehmer, dem zwei Landwirtschaftsbetriebe zugeordnet werden, sicherte sich durch die Dumpinglöhne und das Einsparen von Sozialbeiträgen laut Finanzpolizei 753.014 Euro.
Arbeiter um Geld betrogen
Neben der Ausbeutung von Arbeitskräften deckten die Ermittler auch einen mutmaßlichen Betrug auf: Mindestens neun marokkanischen Arbeitern wurden Beträge zwischen 4.000 und 5.000 Euro (insgesamt 37.500 Euro) abgeknöpft. Den Männern wurde vorgespiegelt, dieses Geld sei nötig, um ihre befristete Aufenthaltserlaubnis als saisonale Hilfskräfte in eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung umzuwandeln – eine Prozedur, die im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten eigentlich kostenlos ist. Wer nicht zahlte, dem wurde mit dem Verlust von Arbeit, Unterkunft und Aufenthaltsrecht gedroht.
Der Trientner Ermittlungsrichter ordnete daraufhin die präventive Beschlagnahme von Vermögenswerten im Wert des mutmaßlich unrechtmäßig erlangten Gewinns von rund 790.000 Euro an.




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