Mord an Studentin erschüttert Italien

Filippo wollte Giulia von ihren Freundinnen und ihrer Familie fernhalten

Donnerstag, 30. November 2023 | 17:48 Uhr
Update

Verona – Ein psychiatrisches Gutachten, um die Zurechnungsfähigkeit von Filippo Turetta zu bestimmen, scheint vorerst vom Tisch zu sein. Die Verteidigung hat keinen entsprechenden Antrag gestellt. Der 22-jährige Student sitzt derzeit bekanntlich wegen des Mordes an seiner gleichaltrigen Ex-Freundin Giulia Cecchettin am 11. November im Gefängnis. Er hat die Tat gestanden.

Derzeit steckt das Verfahren noch mitten in der Untersuchungsphase. In der Vergangenheit ist bei dem Angeklagten nie ein mentales Problem diagnostiziert worden und auch aufgrund erster psychiatrischer Einschätzungen im Gefängnis gilt es als unwahrscheinlich, dass ein derartiges Gutachten beantragt wird.

Der Verteidigung bleibt eventuell die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt ein Parteigutachten erstellen zu lassen und vorzulegen. Der Mord an der Studentin der Biomedizintechnik an der Universität Padua hat ganz Italien erschüttert.

Einerseits stammen sowohl Täter als auch Opfer aus gutbürgerlichem Milieu, andererseits sind in Italien heuer bereits über 100 Frauen ermordet worden. Zunächst bestand die Vermutung, dass die beiden Studenten gemeinsam ausgerissen sind. Turetta befand sich über eine Woche lang auf der Flucht und fuhr in seinem Pkw auch durch Südtirol, wie Bilder von Überwachungskameras zeigten.

Den Leichnam der 22-Jährigen entsorgte er in der Nähe vom Barcis-See im Friaul und floh anschließend nach Deutschland. Auf der Autobahn bei Bad Dürrenberg in Sachsen-Anhalt wurde er vorläufig festgenommen, nachdem er wegen Benzinmangels auf dem Pannenstreifen liegen geblieben war.

Vor dem Untersuchungsrichter hat Turetta im Rahmen einer spontanen Erklärung ein Geständnis abgelegt. Er sei am Boden zerstört und bereit, für aufgrund seiner Verantwortung für seine Tat zu „bezahlen“.

Während die Staatsanwaltschaft von Venedig aufgrund mehrerer Indizien davon ausgeht, dass der Mord geplant war, versucht die Verteidigung diesen Erschwernisgrund zu entkräften. Ob sich der Angeklagte den Fragen des Staatsanwalts vorab stellt, ist unterdessen noch unklar. Am Freitag soll er vom Staatsanwalt einvernommen werden. Gleichzeitig wird am Freitag die Autopsie des Leichnams angesetzt.

Wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt, haben die Anwälte der Familienangehörigen von Giulia Cecchettin mehre Audio-Nachrichten sichergestellt. Aus denen gehe hervor, dass der der Angeklagte immer mehr versucht habe, die 22-Jährige sowohl von ihren Freudinnen als auch von ihrer Familie fernzuhalten. Ausschlaggebend seien sein eifersüchtiges und besitzergreifendes Verhalten gewesen, das auch nach Abbruch der Beziehung zum Vorschein gekommen sei.

Nur wenige Wochen vor ihrem Tod soll sich Giulia Cecchettin zunehmend besorgt und verängstigt gezeigt haben. Außerdem habe sie die Befürchtung geäußert, ihr könne etwas zustoßen.

Von: mk