In Valle Castellana kostet jeder Liter mehr als 20 Cent weniger – VIDEO

Günstig tanken: Kleine Gemeinde in den Abruzzen bietet „Bürgermeister-Benzin“ an

Donnerstag, 27. August 2026 | 07:11 Uhr

Von: Martin Geier

Valle Castellana – Seit Diesel und Benzin in ganz Italien immer teurer werden und sowohl Bürger als auch Gewerbetreibende unter den hohen Treibstoffpreisen stöhnen, fällt der Blick – und auch der Neid – immer öfter auf eine kleine Gemeinde in den Abruzzen, denn dort sind die Preiserhöhungen deutlich weniger zu spüren.

Es handelt sich um Valle Castellana, ein 800-Seelen-Dorf in der Provinz Teramo. Die einzige Tankstelle des Ortes wird direkt von der Gemeinde betrieben. In den sozialen Netzwerken wird sie bereits als „Bürgermeister-Tankstelle“ bezeichnet, denn Autofahrer können dort mehr als 20 Cent pro Liter sparen.

Die Idee dazu entstand allerdings schon lange vor den jüngsten Preiserhöhungen. Das Ziel war es, die einzige Tankstelle der Gegend zu retten und der Abwanderung somit etwas entgegenzusetzen. Heute nehmen Autofahrer Umwege in Kauf, um das günstige „Bürgermeister-Benzin“ und „Bürgermeister-Diesel“ zu tanken. Ursprünglich wollte der Bürgermeister von Valle Castellana, Camillo D’Angelo, mit der Übernahme der Tankstelle der Entvölkerung entgegenwirken. Das Ergebnis ist, dass es in seiner Gemeinde heute den günstigsten Treibstoff Italiens gibt und das kleine Valle Castellana zu den bekanntesten Orten des Landes zählt.

Facebook/Comune di Valle Castellana

Es gibt eine Tankstelle, die derzeit von Autofahrern regelrecht gestürmt wird. Der Grund: Dort werden Diesel und Benzin zu Spottpreisen verkauft – 1,99 Euro für Diesel und 1,75 Euro für Benzin. Die Rede ist von Valle Castellana, einer kleinen Gemeinde in der Provinz Teramo in den Abruzzen, an der Grenze zu den Marken. Vor einigen Jahren, im Frühjahr 2022, beschloss der damalige Bürgermeister Camillo D’Angelo, die einzige Tankstelle des Ortes zu erwerben und selbst zu betreiben.

Ein Schritt, der es der Gemeinde ermöglicht, Kraftstoff zu äußerst günstigen Preisen anzubieten. Die von der Gemeinde angebotenen Preise liegen weit unter den italienweiten Durchschnittspreisen von heute über zwei Euro pro Liter für Benzin und noch mehr für Diesel. Der Preisunterschied von über zwanzig Cent hat die Tankstelle in den letzten Monaten zum bevorzugten Ziel zahlreicher Autofahrer gemacht, die nach Einsparmöglichkeiten suchen.

Facebook/Daniele Felli

Doch warum hat die Gemeinde die Tankstelle gekauft? Ein Grund dafür ist die Entvölkerung der Binnengebiete – ein Phänomen, das seit Langem verschiedene Regionen Italiens heimsucht, insbesondere die Bergregionen der Alpen und des Apennin fern der großen Städte.

Die Gemeinde Valle Castellana hat etwas mehr als 800 Einwohner auf einer Fläche von 134 Quadratkilometern. Die rund eine Autostunde von der Adria entfernte Gemeinde hat mit dem 2.400 Meter hohen Monti della Laga, seinen Wäldern und Sehenswürdigkeiten wie der aussichtsreichen Ruine Castel Manfrino auch touristisch einiges zu bieten. Wie einige bereits verlassene Weiler der weitläufigen Berggemeinde jedoch beweisen, muss der Entvölkerung mit mutigen Schritten entschlossen entgegengetreten werden.

Um die ortsansässigen Betriebe zu unterstützen und der Abwanderung der Einwohner entgegenzuwirken, wurde beschlossen, die einzige Tankstelle vor Ort vor der Schließung zu bewahren. Zu diesem Zweck erwarb die Gemeinde die Tankstelle und legt seitdem die Preise selbst fest. Sie kauft den Kraftstoff zu einem bestimmten Preis ein und verkauft ihn zum gleichen Preis weiter. Das bedeutet, dass sie praktisch keine Gewinnspanne hat. Der vom Autofahrer zu zahlende Endpreis setzt sich somit nur aus der Mehrwert- und der Verbrauchsteuer sowie einem kleinen Aufschlag zur Deckung der Betriebskosten zusammen.

Facebook/Comune di Valle Castellana/Bürgermeister Camillo D’Angelo

Um unnötige Nebenkosten gar nicht erst entstehen zu lassen, gibt es an der Tankstelle in Valle Castellana ausschließlich Selbstbedienung. Zudem ist ausschließlich Barzahlung möglich. Laut dem Bürgermeister liegen die Gründe dafür in Verwaltungsproblemen im Zusammenhang mit der Kassenführung sowie in Schwierigkeiten, eine Einigung mit dem Lieferanten zu erzielen. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich jedoch ein Geldautomat.

Unabhängig von den technischen Aspekten ist die Geschichte des „Bürgermeister-Benzins” dieser kleinen Gemeinde einzigartig. Eine ähnliche Initiative hat es in Italien noch nie gegeben. Dies hat den Kaufprozess aus bürokratischer Sicht besonders komplex gemacht. Die ersten Schritte gehen auf das Jahr 2019 zurück, doch das Verfahren konnte erst 2022 erfolgreich abgeschlossen werden. Heute funktioniert die Tankstelle einwandfrei – angesichts der aktuellen Rekordpreise war die ursprünglich einem anderen Zweck dienende Initiative sehr erfolgreich.

Viele Südtirolerinnen und Südtiroler fragen sich, warum ihre Heimatgemeinde nicht imstande ist, eine ähnliche Initiative umzusetzen und eine Tankstelle in Eigenregie zu betreiben, um den Einwohnerinnen und Einwohnern „Bürgermeister-Benzin” und „Bürgermeister-Diesel” anzubieten. Die Abruzzen sind jedoch keine autonome Region und Valle Castellana ist eine von vielen Berggemeinden in Italien. Dank seiner Beharrlichkeit hat es Bürgermeister Camillo D’Angelo trotz der vielfältigen bürokratischen Hindernisse geschafft, dass seine Gemeinde eine Tankstelle übernehmen kann. Mal sehen, ob er – vielleicht auch hierzulande – Nachahmer findet.

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