Von: ka
Perugia/Rom – Nach wochenlangen Ermittlungen rückte die Sondereinheit ROS der Carabinieri am Montagmorgen aus und nahm einen 17-Jährigen fest, der einen Amoklauf an seiner Schule plante, der dem Columbine-Massaker nachempfunden sein sollte. „Ich werde eine Schießerei verüben und mich dann umbringen“, hatte der rechtsextreme Jugendliche zuvor auf Telegram geschrieben.
In seiner Wohnung stellten die Carabinieri neben umfangreichem Propagandamaterial verschiedene Waffen und den Sprengstoff „Mutter Satans“ sicher. Dem Jugendlichen, der mit der Neonazi-Gruppe „Werwolf Division“ in Kontakt stand, wird zudem Anstiftung zum Rassenhass vorgeworfen. In den Provinzen Teramo, Perugia, Pescara, Bologna und Arezzo wurden bei Minderjährigen Hausdurchsuchungen durchgeführt.
Ein 17-jähriger Jugendlicher aus Pescara mit Wohnsitz in der Provinz Perugia plante ein Massaker an seiner Schule, wie es am 20. April 1999 an der Columbine High School stattgefunden hatte, und wollte es mit seinem Suizid beenden. Nachdem der Ermittlungsrichter des Jugendgerichts von L’Aquila auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine entsprechende Anordnung erlassen hatte, rückten am Montagmorgen die Carabinieri der Sondereinheit ROS aus und nahmen den Jugendlichen fest. Der Jugendliche, der sich seit seiner Verhaftung in einer Jugendstrafanstalt befindet, wird des Terrorismus beschuldigt. Zudem wird er der Propaganda und Anstiftung zu Straftaten aus Gründen der rassistischen, ethnischen und religiösen Diskriminierung beschuldigt. Hinzu kommt der Besitz von Material für terroristische Zwecke.
Die von der Jugendstaatsanwaltschaft in L’Aquila koordinierten Ermittlungen ermöglichten es, dem Jugendlichen den Besitz und die Verbreitung von Handbüchern mit detaillierten Anleitungen zur Herstellung von Kriegs- und Schusswaffen zur Last zu legen. Zu dem beschlagnahmten Material gehören Dokumente mit technischen Angaben zu gefährlichen chemischen und bakteriologischen Substanzen sowie Leitfäden zur Sabotage wesentlicher öffentlicher Dienste. All dies steht eindeutig in einem terroristischen Zusammenhang.

In einer Mitteilung des ROS heißt es konkret, dass die Indizien über die Beschaffung von Waffen, deren Herstellung mittels 3D-Technologie sowie die Herstellung von TATP (Acetonperoxid) als äußerst schwerwiegend einzustufen sind. TATP – ein hochexplosiver Stoff – ist für seine extrem einfache Herstellung bekannt und wurde bereits bei den Anschlägen in Brüssel und Paris eingesetzt. Deshalb wird diese Substanz auch als „Mutter Satans“ bezeichnet.
Die Ermittlungen brachten zudem Kontakte des Minderjährigen zur Führung der Telegram-Gruppe „Werwolf Division“ zutage. Deren Inhalte und Narrative verherrlichen die angebliche Überlegenheit der „arischen Rasse“ und stellen Amokläufer wie Brenton Tarrant, den Urheber der Anschläge auf die Moscheen in Christchurch am 15.03.2019, und Anders Behring Breivik, den Urheber der Anschläge in Oslo und auf Utøya am 22.07.2011, als „Heilige“ dar, um Nachahmungstaten anzuregen.

Im Rahmen der Operation der Carabinieri wurden zudem sieben Haus-, Personen- und Computerdurchsuchungen bei ebenso vielen Minderjährigen in den Provinzen Teramo, Perugia, Pescara, Bologna und Arezzo durchgeführt. Die Jugendlichen stehen im Verdacht, Handlungen begangen zu haben, die als Propaganda und Anstiftung zu Straftaten aus Gründen der rassistischen, ethnischen, nationalen oder religiösen Diskriminierung einzustufen sind.
Alle Minderjährigen scheinen Teil eines transnationalen, virtuellen, rechtsextremen Netzwerks zu sein. Dieses besteht aus Gruppen und sozialen Kanälen mit neonazistischer, antikapitalistischer und weißsuprematistischer Ausrichtung. Sie sind besonders empfänglich für die aufwieglerische Wirkung des geteilten ideologischen Materials sowie für die Faszination durch Gewalt und Extremismus.
Die im Oktober 2025 von der Kriminalpolizei in L’Aquila aufgenommenen Ermittlungen gingen auf frühere, zur Terrorismusbekämpfung durchgeführte polizeiliche Maßnahmen (Ermittlungsverfahren „IMPERIUM”) zurück. Dieses wurde im Juli 2025 von den Carabinieri in Brescia abgeschlossen und von der dortigen Bezirksdirektion für Mafia- und Terrorismusbekämpfung koordiniert. Damals wurde auch jener Minderjährige einer Hausdurchsuchung unterzogen, der am Montag verhaftet und in eine Jugendstrafanstalt gebracht wurde.
Auch Bildungsminister Giuseppe Valditara äußerte sich zum Fall des festgenommenen minderjährigen Rechtsextremisten, der laut den Carabinieri des ROS ein Massaker in der Schule geplant haben soll. „Dieser Fall bestätigt, dass wir das Thema der sozialen Medien mit großer Aufmerksamkeit betrachten müssen – wahrscheinlich auch in Zusammenarbeit mit den großen Unternehmen und den verschiedenen Betreibern dieser Netzwerke –, um gemeinsam Lösungen zu finden. Es gibt schließlich nicht nur das Verbot für Minderjährige“, erklärte der Bildungsminister.
„Auch dieser Junge stand in Verbindung mit den sozialen Netzwerken und nutzte Informationen, um sich Waffen, Sprengstoff und was auch immer zu beschaffen“, fügte Valditara am Rande einer Tagung über Schule und Bildungsaussichten hinzu. „Es ist eine große Herausforderung. Leider ist es das Thema der Stunde, und es ist ein sehr dramatisches Thema“, so Valditara. Er glaubt, dass die Schule vor der großen Herausforderung steht, Kinder und Jugendliche aus der mitunter gefährlichen virtuellen Welt in die Realität „zurückzuholen“.





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