Schwächstes Wachstum, höchste Schuldenquote

EU-Kommission zeichnet düsteres Bild für Italien

Sonntag, 24. Mai 2026 | 12:19 Uhr

Von: luk

Rom/Brüssel – Die Europäische Kommission schlägt Alarm: Italien droht wirtschaftlich weiter zurückzufallen. In ihrer aktuellen Frühjahrsprognose zeichnet die EU ein äußerst kritisches Bild der italienischen Wirtschaft – geprägt von schwachem Wachstum, steigender Inflation und einer Schuldenquote, die laut Brüssel sogar jene von Griechenland übertreffen könnte.

Während ganz Europa unter den Folgen der neuen Energiekrise infolge des Nahost-Konflikts leidet, gilt Italien laut den Prognosen als besonders anfällig. Für 2026 rechnet die EU-Kommission nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent, 2027 soll das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,6 Prozent zulegen. Damit landet Italien am unteren Ende der Wachstumsskala in der Europäischen Union und deutlich unter dem Durchschnitt der Eurozone.

Gleichzeitig dürfte die Inflation wieder deutlich anziehen. Für das kommende Jahr erwartet Brüssel in Italien eine Teuerungsrate von 3,2 Prozent. Das wäre beinahe doppelt so hoch wie noch 2025.

Besonders kritisch bewertet die EU die Entwicklung der Staatsfinanzen. Zwar soll das Haushaltsdefizit bereits 2026 wieder unter die Maastricht-Grenze von drei Prozent sinken und bei 2,9 Prozent des BIP liegen. Dennoch wächst der Schuldenberg weiter: Bis 2027 könnte Italiens Staatsverschuldung laut Kommission auf 139,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Damit würde Italien Griechenland überholen und wieder das Land mit der höchsten Schuldenquote in der gesamten EU werden.

Auch für Europa insgesamt verschlechtern sich die Aussichten. Die Eurozone soll 2026 nur noch um 0,9 Prozent wachsen, die gesamte EU um 1,1 Prozent. Gleichzeitig steigt der Inflationsdruck erneut an. Hauptursachen seien laut Brüssel die stark gestiegenen Energiepreise, sinkendes Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten sowie schwächelnde Investitionen.

EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Der Konflikt im Nahen Osten habe einen neuen Energieschock ausgelöst, dessen Folgen die europäische Wirtschaft noch lange belasten würden. Öl- und Gaspreise würden laut Kommission selbst 2027 noch deutlich über dem Niveau vor der Krise liegen.

Brüssel schließt zudem ein noch negativeres Szenario nicht aus. Sollte sich die Energiekrise weiter verschärfen und die Preise für Öl und Gas bis Ende 2026 weiter steigen, könnte sich das europäische Wachstum nahezu halbieren. Gleichzeitig würde die Inflation auf hohem Niveau verharren. In diesem Fall sei laut Dombrovskis auch 2027 keine echte wirtschaftliche Erholung mehr zu erwarten.

Zusätzlichen Druck auf die öffentlichen Haushalte erzeugen steigende Verteidigungsausgaben. Laut EU-Kommission werden diese bis 2027 durchschnittlich auf zwei Prozent des BIP steigen. Mehrere EU-Staaten haben bereits Sonderregelungen im Stabilitätspakt aktiviert, um höhere Militärausgaben finanzieren zu können. Italien fordert nun ähnliche Flexibilität auch für Maßnahmen gegen die hohen Energiepreise.

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