Von: mk
Bozen – Der meteorologische Sommer hat Halbzeit und die bisherige Bilanz fällt deutlich aus: In Bozen war die erste Sommerhälfte die drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1850. Das teilte Landesmeteorologe Dieter Peterlin auf “X” mit.
Noch heißer waren in den vergangenen 176 Jahren lediglich die Sommer 2022 und 2003. Dass heuer kein neuer Rekord aufgestellt wurde, ist laut Peterlin vor allem auf die vergleichsweise gemäßigten Temperaturen in den ersten beiden Juniwochen zurückzuführen.
Landwirtschaft leidet
Die anhaltenden Hitzewellen machen inzwischen auch der Landwirtschaft zu schaffen. Wie aus dem benachbarten Trentino berichtet wird, leiden insbesondere die Apfelanlagen unter den außergewöhnlich hohen Temperaturen. Die Hitze beschleunigt die Reifung der Früchte, erhöht das Risiko von Sonnenbrand an den Äpfeln und begünstigt zudem den Befall durch Pilzkrankheiten und Schädlinge.
Positiv ist aus Sicht der Landwirte, dass die Böden derzeit noch über ausreichende Wasserreserven verfügen. Sollten die hohen Temperaturen jedoch weiter anhalten und Niederschläge ausbleiben, könnte sich die Situation in den Obstanlagen in den kommenden Wochen weiter verschärfen.
Auch die Almwirtschaft in Südtirol kämpft mit den hohen Temperaturen und bislang geringfügigen Niederschlägen. Den Tieren geht laut dem Landtagsabgeordneten Franz Locher wegen der Trockenheit das Futter und das Wasser aus. Es drohten vorzeitige Almabtriebe und dann nötige Futterankäufe. Die Preise für Futter würden in der Folge steigen.
Wasser wird knapp
Im Einzugsgebiet der Etsch wird das Wasser unterdessen knapper. Deshalb hat die Ständige Beobachtungsstelle zur Nutzung der Wasserressourcen in den Ostalpen heute die Warnstufe von niedrig auf mittel angehoben.
Mehrere Faktoren verschärfen die Lage. Die Temperaturen sind sehr hoch, es gibt wenig Regen und die Schneereserven sind inzwischen vollständig aufgebraucht. Gleichzeitig brauchen die Menschen im Einzugsgebiet der Etsch viel Wasser. Die Beobachtungsstelle hat deshalb die Warnstufe angehoben. Damit soll verhindert werden, dass die Trinkwasserversorgung im Unterlauf der Etsch gefährdet wird.
Die Beobachtungsstelle hat auch beschlossen, dass das Land Südtirol, die Provinz Trient und die Region Veneto Maßnahmen ergreifen sollen, um Wasser zu sparen.
Messdaten zeigen keine Verbesserungen – Nicht genug Wasser für alle Bedürfnisse
Für die Bewertung der Lage ist der Abfluss der Etsch an der Messstelle Boara Pisani unterhalb von Rovigo besonders wichtig. Dort müssen mindestens 80 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abfließen. Nur so lässt sich verhindern, dass Salzwasser aus dem Meer in den Fluss zurückströmt. Dringt Salzwasser ein, kann es die Brunnen in diesem Gebiet beeinträchtigen. Das Wasser aus diesen Brunnen wäre dann nicht mehr als Trinkwasser nutzbar.
In den vergangenen Tagen und besonders an den Wochenenden ist laut Messdaten der Abfluss deutlich unter 80 Kubikmeter pro Sekunde gesunken. Damit hast sich die Lage weiter verschärft und die Beobachtungsstelle hat deshalb die Warnstufe für Wasserknappheit von niedrig auf mittel angehoben. Derzeit steht nicht genug Wasser bereit, um alle Bedürfnisse vollständig zu decken.
Auch die Gewitter und Unwetter am Dienstagabend haben die Lage nicht spürbar verbessert. Dafür müsste es mehrere Tage lang ergiebig regnen. Zudem müssten die Temperaturen deutlich sinken.
Am morgigen Donnerstag tritt das Wassernotstandskomitee des Landes zusammen. Es berät über geeignete Maßnahmen, um die aktuelle Situation zu bewältigen.




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