Von: mk
Bozen – Tausende Menschen stehen im Pustertal ohne Hausarzt da. Darauf macht die Landtagsabgeordnete Maria Elisabeth Rieder vom Team K aufmerksam. Sie fordert Klarheit für die Betroffenen.
„Was macht ein 80-jähriger Mensch, der allein lebt, regelmäßig Medikamente einnehmen muss und plötzlich keinen Hausarzt mehr hat? Wer stellt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Krankmeldung aus? Wer verschreibt chronisch kranken Menschen die notwendigen Rezepte? Und an wen wenden sich Familien, wenn ihre Kinder krank sind?“, fragt Rieder.
Diese Fragen würden derzeit tausende Menschen im Pustertal beschäftigen, genau diese Sorgen würden derzeit täglich von Bürgerinnen und Bürgern geschildert. „Allein in den kommenden Wochen werden rund 9.000 Menschen im Pustertal ohne Hausarzt sein“, warnt die Landtagsabgeordnete.
Trotzdem erhielten die Betroffenen bis heute keine klaren Informationen darüber, wie ihre medizinische Grundversorgung in Zukunft sichergestellt werde. „Die Menschen wollen keine allgemeinen Aussagen hören. Sie wollen wissen: An wen kann ich mich morgen wenden, wenn ich ärztliche Hilfe benötige? Wo bekomme ich meine Medikamente? Wer stellt notwendige Rezepte oder Krankmeldungen aus? Diese Antworten fehlen bis heute“, so Maria Elisabeth Rieder.
In einer Stellungnahme des Südtiroler Sanitätsbetriebes werde zwar darauf hingewiesen, dass an Übergangslösungen gearbeitet werde. Wie diese konkret aussehen, bleibe aber offen. Betroffene werden auf Krankenhäuser oder Gemeinschaftshäuser verwiesen.
Doch genau das wirft für Maria Elisabeth Rieder Fragen auf: „Es kann nicht die Lösung sein, dass ältere Menschen oder chronisch Kranke für ein Rezept weite Strecken zurücklegen müssen. Genauso wenig kann es Aufgabe der Notaufnahmen sein, Patientinnen und Patienten zu versorgen, die eigentlich einen Hausarzt benötigen. Die Notaufnahmen sind für medizinische Notfälle da und arbeiten nach einem Triage-System, bei dem akute Fälle Vorrang haben. Wer mit einer Grippe, wegen einer Medikamentenverschreibung oder für eine Krankmeldung dort Hilfe sucht, muss mit langen Wartezeiten rechnen und bindet gleichzeitig Ressourcen, die für echte Notfälle benötigt werden – besonders jetzt in der touristischen Hochsaison. Das belastet nicht nur die Patientinnen und Patienten, sondern erhöht auch den Druck auf das Krankenhauspersonal. Dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr bemühen, die Versorgung der Bevölkerung bestmöglich sicherzustellen, steht dabei außer Frage. Was den Menschen aber bis heute niemand erklärt, ist der konkrete Ablauf: Gibt es für diese Patientinnen und Patienten eine eigene Anlaufstelle oder einen Schalter? Gibt es zusätzliches Personal? Gibt es eine Vorzugsschiene für Menschen, die keinen Hausarzt mehr haben? Müssen sie sich regulär über die Triage anmelden? Sind die Mitarbeitenden in den Krankenhäusern und Gemeinschaftshäusern entsprechend informiert und auf diese zusätzliche Aufgabe vorbereitet? Genau diese Informationen fehlen – und genau deshalb herrscht bei den Betroffenen große Verunsicherung.“
Die derzeitige Situation sei weder für die Bevölkerung noch für das Gesundheitswesen tragbar. „Notaufnahmen werden mit Fällen belastet, die eigentlich in eine Hausarztpraxis gehören, während gleichzeitig tausende Menschen keinen Zugang zu einer wohnortnahen hausärztlichen Versorgung haben. Vor allem aber bleiben viele Fragen unbeantwortet. Die Bevölkerung weiß nicht, wie die Versorgung in den kommenden Wochen und Monaten organisiert wird“, so das Team K.
Viele Betroffene würden sich allein gelassen fühlen. Es reiche nicht aus, auf eine „provisorische Versorgung“ zu verweisen. Wer Beiträge in das öffentliche Gesundheitssystem einzahlt, habe Anspruch auf eine verlässliche medizinische Grundversorgung und auf transparente Informationen. Die Team K Angeordnete weist darauf hin, dass diese Entwicklung keineswegs überraschend kommt: „Dass mehrere Hausärztinnen und Hausärzte ihre Tätigkeit beenden würden, war seit Langem bekannt. Diese Entwicklung kommt nicht von heute auf morgen. Umso unverständlicher ist es, dass viele Bürgerinnen und Bürger heute noch immer nicht wissen, wie ihre Versorgung in den nächsten Wochen und Monaten aussehen wird.“
Das Team K fordert von Gesundheitslandesrat Hubert Messner eine sofortige und transparente Informationsoffensive. Jede und jeder müsse wissen, welche Anlaufstelle zuständig ist, welche Leistungen dort tatsächlich angeboten werden und wie die medizinische Versorgung sichergestellt wird. Darüber hinaus brauche es rasch umsetzbare Entlastungsmaßnahmen, beispielsweise bei Wiederholungsrezepten für chronisch kranke Menschen sowie unbürokratische Lösungen bei Ausstellung von Krankmeldungen.
„Die Menschen erwarten jetzt konkrete Antworten. Wohin können sich Betroffene wenden? Wer verschreibt künftig die notwendigen Medikamente? Wer stellt Krankmeldungen aus? An wen wenden sich ältere oder chronisch kranke Menschen ohne Hausarzt? Und wie wird die Versorgung von rund 9.000 Betroffenen im Pustertal in Zukunft sichergestellt? Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, ist die derzeitige Situation schlicht untragbar“, so Maria Elisabeth Rieder.




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