Serie-A-Spieler und Prominente: Riesiger Prostitutionsskandal erschüttert italienischen Fußball – VIDEO

“Im Super-Privé stehen 90 Mädchen bereit, es fließt Champagner in Strömen”

Donnerstag, 23. April 2026 | 07:07 Uhr

Von: ka

Mailand – Die von der Staatsanwaltschaft koordinierten Ermittlungen gegen Luxus-Escorts, die am Montag zur Zerschlagung eines elitären Prostitutionsrings in den Nachtlokalen Mailands, zur Festnahme seiner „Organisatoren” und zur Beschlagnahme von nicht weniger als 1,2 Millionen Euro führten, lösten im italienischen Fußball ein Erdbeben aus.

Dies ist nicht verwunderlich, denn in den Prostitutionsskandal sind rund 70 Serie-A-Fußballer verwickelt – vom ehemaligen Inter-Star bis hin zu vielen jungen Spielern. Allesamt nahmen die „Dienste” der Eventagentur Ma.De Milano von Deborah Ronchi und Emanuele Buttini in Anspruch.

Die Agentur organisierte für ihre wohlhabenden Kunden in Mailand – und im Sommer auf Mykonos – ausschweifende Abende mit Luxus-Escorts. Dabei ging es hoch her. „Im Super-Privé stehen 90 Mädchen bereit. Es fließt Champagner in Strömen, ein Spieler hat 3.000 Euro ausgegeben“, so einer der Festgenommenen in einem von den Beamten der Finanzpolizei mitgeschnittenen Gespräch. Deborah Ronchi, Emanuele Buttini und zwei ihrer „Helfer” befinden sich nun im Hausarrest – und Italiens Fußballwelt hat ihren perfekten Skandal.

Instagram/Emanuele Made

Die normalen Gäste betraten den Mailänder Nachtclub durch den „einfachen“ Eingang. Den reichen Fußballern, die Tausende von Euro für Cocktails und die teuersten Champagnerflaschen auszugeben bereit waren, war hingegen der Zugang zum Privé-Bereich vorbehalten. „Such dir einfach einen dieser Tische aus, um mit der Escortdame zu ‚flirten‘“: So lauten die Anweisungen auf Instagram, wie man sich in dem exklusiven Bereich des Lokals zu verhalten hat. Am häufigsten wurde dieser von der „Eventagentur“ genutzt, der vorgeworfen wird, für ihre wohlhabenden Kunden „ganz spezielle Abende“ organisiert zu haben. An diesen waren etwa siebzig prominente Profisportler, vor allem Fußballer der Serie A, sowie etwa hundert sehr junge Mädchen beteiligt.

Der bekannteste Kunde ist jedoch ein ehemaliger Star von Inter Mailand aus den frühen 2000er Jahren, der heute eine bedeutende Mannschaft in Osteuropa trainiert. Wenn er nach Mailand zurückkehrte, nutzte er gerne den „All-inclusive“-Service von Ma.De. Milano. Zunächst ging er in ein angesagtes Lokal, in dem er inmitten von Hostessen teure Champagnerflaschen entkorkte. Anschließend suchte er in Begleitung einer jungen Escortdame ein Hotelzimmer auf.

Weitaus jünger sind die rund siebzig Fußballspieler, größtenteils aus der Serie A, die Tausende und Abertausende von Euro ausgaben, um die Gesellschaft derselben Image-Girls und vor allem von Luxus-Escorts zu genießen.

Den Anschuldigungen zufolge wurden diese von der Eventagentur Ma.De. Milano rekrutiert, die im Mittelpunkt der Ermittlungen steht. Dies führte zur Festnahme und anschließenden Verhängung von Hausarrest über die Inhaber Deborah Ronchi und Emanuele Buttini sowie zwei ihrer „Helfer”. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zwecke der Begünstigung und Ausbeutung der Prostitution vorgeworfen.

Instagram/Emanuele Made

Vielleicht könnte ein Soziologe die Frage beantworten, warum so viele junge, reiche und international bekannte Fußballspieler, wie aus den Ermittlungsakten der Mailänder Staatsanwaltschaft hervorgeht, nach einem Spiel im San-Siro-Stadion eine Escortdame bezahlen müssen, um mit ihr zu schlafen.

Fakt ist, dass die 38-jährige Deborah Ronchi, Inhaberin von Ma.De. Milano in Cinisello Balsamo, und ihr 37-jähriger Lebensgefährte Emanuele Buttini, ständig auf der Suche nach Mädchen waren, die sie in ihr Geschäft einbinden konnten. Die Hauptstandorte bildeten 26 Lokale des Mailänder Nachtlebens sowie weitere auf der griechischen Insel Mykonos, wohin die „Organisation” im Sommer umzog. All diese Orte hatten nichts mit dem Prostitutionsmilieu zu tun. Den Mädchen stand, wie üblich, ein Anteil von zehn Prozent der Konsumausgaben der Kunden zu. Für diese gaben die zahlungskräftigen Fußballer bis zu 3.000 Euro pro Abend und mehr aus.

Die von der Finanzpolizei mitgeschnittenen Gespräche lassen kaum Zweifel am „Geschäftsmodell” der Eventagentur aufkommen. „Ich habe nächtliche Besprechungen”, sagt der von seiner Arbeit überforderte Buttini und lässt gegenüber seiner Frau Deborah Ronchi seinem Herzen freien Lauf, während er von den Beamten der Finanzpolizei abgehört wird. „Ein paar Fußballer werden schon dabei sein. Ich brauche jemanden, der sie an Land zieht. Wir müssen uns überlegen, wer sie an Land zieht und wer für uns arbeitet.“

„Wir brauchen aber noch zwei oder drei weitere wache Mädchen“, warnt der 36-jährige Fabio Barbera den 32-jährigen Alessio Salamone. Beide stehen unter Hausarrest, da sie „Kontakte zu international bekannten Fußballern, die Kunden der Agentur waren“, sowie zu den Frauen unterhielten, wie die stellvertretende Staatsanwältin Bruna Albertini schreibt. „Ich bin ständig nervös, weil ich immer wieder Mädchen finden, mit ihnen Freundschaft schließen und sie einladen muss, sonst werden sie sauer …“, beschwert sich die Frau am Telefon.

Instagram/Emanuele Made

Laut Staatsanwältin Bruna Albertini konnten Deborah Ronchi und Emanuele Buttini auf sechs feste Escortdamen und etwa hundert Mädchen im Alter zwischen 19 und 22 Jahren, Italienerinnen und Ausländerinnen, für die Abende in den Lokalen zählen. Das Mädchen hatte auch erfahren, dass die Fußballer während der Partys Lachgas aus Luftballons inhalierten, das von den Beschuldigten bereitgestellt wurde. Lachgas ist eine psychoaktive und betäubende Substanz, die bei Dopingkontrollen nicht nachgewiesen wird und daher bei Sportlern sehr beliebt ist. Es wurde auch Haschisch konsumiert.

Die Fußballspieler waren der „Hauptumsatzbringer“ der Agentur. Von den über 1,2 Millionen Euro, die innerhalb von fast zwei Jahren eingenommen wurden, stammten fast 200.000 Euro aus Überweisungen von Spielern der Vereine AC Mailand, Inter Mailand, Juventus Turin, Sassuolo, Monza und Hellas Verona. Einige Namen werden in den Akten genannt. Darunter befinden sich auch Eishockeyspieler, Unternehmer und sogar ein Formel-1-Pilot.

 

Die Kunden zahlten nicht immer sofort, manchmal musste man ihnen sogar hinterherlaufen. „Ich muss kurz nachsehen, wie viel Geld ich noch eintreiben muss“, sagte Salamone zu Barbera. Dieser antwortete: „Also 1.000 von …, 3.280 von …. Warte, ich sage dir … gleich. Bleib dran. 3.420.“

Es konnte auch zu einem Zwischenfall kommen. Eine Escortdame wandte sich an einen der Verdächtigen. Sie schien nicht besorgt zu sein und sagte: „Ich sag’ dir was, aber erzähl es niemandem. Ich habe gerade den Test gemacht und bin schwanger … seit mehr als drei Wochen.“ Sie nennt den Namen des Fußballspielers, mit dem sie eine bezahlte Nacht verbracht hat. Er ist 26 Jahre alt und spielt in einem kleinen Verein der Serie A.

Die Ermittlungen zur „Movida mit Luxus-Escorts” bezeichneten Veranstaltung – „Movida” ist ein ursprünglich spanischer Begriff, der das ausschweifende und laute Nachtleben junger Leute in den Ausgehvierteln beschreibt – kamen ins Rollen, nachdem eine junge Frau aus Osteuropa Anzeige erstattet hatte.

Sie gab an, dass sich in dem Gebäude, in dem sie wohnte und in dem die Ma.De. Milano ihren Sitz hatte, eine illegale Diskothek befand. In dieser wurden Partys mit Escorts organisiert, die im selben Gebäude wohnten. „Man hat mich mehrmals gebeten, gegen Bezahlung mit den Kunden zu schlafen”, erklärte die Frau und fügte hinzu, dass ihr eine Kolumbianerin anvertraut habe, sie sei gezwungen worden, sich für 1.000 Euro zu prostituieren, wobei die Hälfte an das Ehepaar Buttini-Ronchi zu zahlen sei.

Deborah Ronchi, Emanuele Buttini und zwei ihrer „Helfer” befinden sich nun in Hausarrest – und die italienische Fußballwelt hat ihren perfekten Skandal. In den italienischen Medien werden bereits erste Namen genannt.

 

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