Waldfamilie lenkt ein

“Ja zu Lehrern und Impfungen, aber gebt uns unsere Kinder zurück”

Sonntag, 01. Februar 2026 | 08:08 Uhr

Von: idr

Palmoli/L’Aquila – Zwei Monate nachdem ihnen die drei Kinder weggenommen wurden, deutet sich für Catherine Birmingham und Nathan Trevallion ein Hoffnungsschimmer an. Das anglo-australische Paar, das mit seinen Kindern abgeschieden in einem Waldhaus bei Palmoli in den Abruzzen lebte, traf sich erstmals mit der vom Jugendgericht beauftragten Psychiaterin Simona Ceccoli – ein zweieinhalbständiges Gespräch, das beide Seiten als konstruktiv bezeichnen.

Unterstützt von zwei Dolmetschern erläuterten Nathan und Catherine ihre Lebensphilosophie und emotionalen Bedürfnisse. „Wir lieben es, im Einklang mit der Natur zu leben, aber in erster Linie sind wir eine Familie“, betonten sie. Ihre Kinder, deren Erziehung und tägliche Bedürfnisse stünden im Mittelpunkt all ihrer Entscheidungen. Psychiater Tonino Cantelmi, der das Paar begleitet, zeigte sich zufrieden: „Catherine und Nathan erweisen sich als außergewöhnliche Menschen mit unschätzbarer Erfahrung.“

Bitter nötige Fortschritte

Tatsächlich haben die Trevallions Schritte in Richtung Kooperation unternommen. Sie stellten eine Lehrerin ein, um die erheblichen Bildungslücken der Kinder zu schließen – die Älteste konnte bei ihrer Aufnahme ins Heim gerade ihren Namen schreiben, das Alphabet kannten die Kinder nicht. Auch gesundheitlich haben sich die Kinder verbessert: Die achtjährige Tochter litt bei ihrer Aufnahme an einer unbehandelten akuten Bronchitis, keines der Kinder war je beim Kinderarzt gewesen. Catherine und Nathan erklärten sich zudem bereit, die Impfungen ihrer Kinder nachzuholen.

Doch die Trennung hinterlässt Spuren. Die Eltern berichten von zunehmender Wut und Forderungen seitens der Kinder, die ihren Kummer vor allem dem Vater gegenüber zeigen. Das Paar bat Ceccoli um Eile – die vom Gericht geforderten drei Monate seien zu lang.

Neue Richtlinien könnten Tür öffnen

Das Jugendgericht hatte am 20. November das Sorgerecht vorläufig entzogen, nachdem die Behörden festgestellt hatten, dass die Familie ohne Strom, fließendes Wasser und Sanitäranlagen in einem baufälligen Steinhaus lebte. Neue Richtlinien der Kinderbeauftragten Marina Terragni sehen eine Trennung nur bei schwerer Gefährdung der Kinder vor – ein Kriterium, das bei den Fortschritten der Eltern möglicherweise nicht mehr zutrifft.

Das nächste Treffen steht bereits an. Nach diesem ersten konstruktiven Gespräch könnte sich die Tür für eine baldige Wiedervereinigung öffnen – vorausgesetzt, die Trevallions bleiben kooperativ. Der Fall spaltet Italien weiterhin: Während Unterstützer die Einmischung des Staates kritisieren, verweisen Kritiker auf die erheblichen Versäumnisse bei Bildung und Gesundheit der Kinder.

Kommentare

Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen