Antonella Di Ielsi [50] und Sara Di Vita [15] wurden ermordet – VIDEO

Keine Lebensmittelintoxikation: Mutter und Tochter mit Rizin vergiftet

Mittwoch, 01. April 2026 | 07:01 Uhr

Von: ka

Pietracatella/Campobasso – Im traurigen Fall des Todes von Antonella Di Ielsi und ihrer Tochter Sara Di Vita, die drei Tage nach dem Weihnachtsessen im Krankenhaus gestorben waren, kam es zu einer dramatischen Wende. Zunächst ging man davon aus, dass die 50-Jährige und die 15-Jährige Opfer einer Lebensmittelvergiftung oder des versehentlichen Konsums von mit Rattengift kontaminiertem Mehl geworden waren.

Nach dem Nachweis des gefährlichen Giftes Rizin stand jedoch fest, dass Mutter und Tochter ermordet worden waren. Einziger Überlebender des Weihnachtsessens war Gianni Di Vita, der Ehemann von Antonella und Vater von Sara. Auch er war wegen einer beginnenden Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Mordermittlungen wurden gegen unbekannt eröffnet. Da Rizin jedoch nicht einfach zu beschaffen ist, sind die Ermittler zuversichtlich, dem Täter oder der Täterin bald auf die Spur zu kommen. Ermittelt wird dabei nicht nur im familiären Umfeld, sondern auch in Pietracatella, wo Gianni Di Vita Bürgermeister war.

Was zunächst wie ein Fall von Lebensmittelvergiftung aussah, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Doppelmord. Die 15-jährige Sara Di Vita und ihre 50-jährige Mutter Antonella Di Ielsi starben nicht an einem Weihnachtsessen, bei dem sie sich durch bestimmte Speisen vergiftet hatten. Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sollen die 50-Jährige und die 15-Jährige aus Pietracatella mit Rizin vergiftet worden sein. Blutuntersuchungen, die sowohl in Italien als auch im Ausland durchgeführt und bei denen Spuren des Giftes nachgewiesen wurden, bestätigten dies.

Facebook/Antonella Di Ielsi

Im Lichte der neuen Erkenntnisse hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen zweifachen vorsätzlichen Mordes eingeleitet – vorerst gegen Unbekannt. Dies stellt eine radikale Kehrtwende zur ursprünglichen Vermutung dar, wonach die beiden Frauen durch eine fatale Lebensmittelintoxikation gestorben sind. Der Schwerpunkt der Ermittlungen liegt nun auf der Identifizierung der Person, die das Gift verabreicht haben soll.

Die beiden Opfer sowie Gianni Di Vita, der Vater der Jugendlichen und Ehemann der Frau, hatten sich am Nachmittag des 25. Dezembers unwohl gefühlt. Nachdem sie zunächst den Bereitschaftsarzt und dann die Notaufnahme aufgesucht hatten, wurden sie mit der Diagnose einer einfachen Lebensmittelvergiftung bzw. Gastroenteritis nach Hause geschickt. Als sie sich am Morgen des darauffolgenden Tages wegen anhaltender Beschwerden erneut in die Notaufnahme begaben, wurden sie nach der Visite erneut entlassen. Am 27. Dezember wurde Sara ein weiteres Mal ins Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand war sehr ernst, denn sie wurde bald auf die Intensivstation verlegt. Doch alle Bemühungen, das Leben der Jugendlichen zu retten, blieben erfolglos. Sara Di Vita starb am Abend desselben Tages. Am selben Abend wurde auch ihre Mutter ins Krankenhaus eingeliefert. Doch wie bei ihrer Tochter kam auch bei ihr jede Hilfe zu spät. Sie starb am folgenden Vormittag, wenige Stunden nach der 15-Jährigen.

ANSA/NICOLA LANESE

Gianni Di Vita klagte über die gleichen Beschwerden wie seine Frau und seine jüngere Tochter. Er musste mehrere Tage im Krankenhaus verbringen. Anfang Januar war er von den Ermittlern als Zeuge befragt worden und hatte die bis dahin vorliegende Rekonstruktion der Ereignisse bestätigt. Mitte des Monats erschien er erneut auf dem Polizeirevier, um eine freiwillige Aussage zu machen. Dabei lieferte er weitere Einzelheiten zu den Ereignissen in den Tagen vor dem Tod seiner Tochter und seiner Frau.

Nach den beiden Todesfällen wurden die Ärzte, die die Familienmitglieder behandelt hatten, ins Ermittlungsregister eingetragen. Die Untersuchungen ergaben jedoch bald, dass alle ärztlichen Maßnahmen dem für solche Fälle vorgesehenen Protokoll entsprochen hatten. Die folgenden Untersuchungen wurden in Italien und der Schweiz durchgeführt. Die Ermittlungen reichten sogar bis in die Vereinigten Staaten, um nach ähnlichen Vergiftungsfällen zu suchen. Die ersten Untersuchungen der während der Weihnachtsfeiertage verzehrten Lebensmittel ergaben keine Auffälligkeiten, und auch eine Kontamination des Mehls durch Rattengift konnte ausgeschlossen werden. Die hohe Geschwindigkeit, mit der die Frau und der Jugendliche starben, erregte jedoch von Anfang an Verdacht.

Der Durchbruch gelang bei der Auswertung der Blutproben der beiden Opfer, in denen Spuren von Rizin entdeckt wurden. Rizin ist eine giftige Substanz, die aus den Samen des Wunderbaums gewonnen wird. Nach der Einnahme verursacht Rizin zunächst Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Atemnot. Die Vergiftung kann so weit fortschreiten, dass es zu multiplem Organversagen, insbesondere der Nieren, kommt und der Tod eintritt.

Rizin ist ein besonders perfides Gift, da es bereits in sehr kleinen Mengen tödlich ist und nur schwer nachweisbar ist. Die durchschnittliche tödliche Dosis wird auf etwa 0,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht geschätzt. Rizin ist nicht nur ein wiederkehrendes Element in Krimiserien wie „Breaking Bad“ oder „CSI“. Es hat auch eine reale und beunruhigende Geschichte. Der berühmteste Fall stammt aus dem Jahr 1978, als der KGB es einsetzte, um den bulgarischen Dissidenten Georgi Markov in London zu ermorden. Dazu wurde das Gift über die modifizierte Spitze eines Regenschirms in das Bein des Opfers injiziert.

ANSA/NICOLA LANESE/Auf dem Foto, das während der Beerdigung in der Wallfahrtskirche Madonna di Costantinopoli in Pietracatella in der Provinz Campobasso ausgestellt war, sind Antonella Di Ielsi (zweite von rechts) und Sara Di Vita (rechts) – Mutter und Tochter – zusammen mit ihrem Ehemann beziehungsweise ihrem Vater, Gianni Di Vita, und ihrer Tochter beziehungsweise ihrer Schwester, Alice Di Vita, zu sehen.

Die Ermittler setzen ihre Arbeit nun fort, um die Verantwortlichen für die Vergiftung sowie die genauen Umstände, unter denen diese stattfand, zu ermitteln. In dieser Angelegenheit wahren sie strengste Verschwiegenheit. Sie rekonstruieren die letzten Tage der Familie Di Vita und legen dabei besonderes Augenmerk auf die letzten Stunden, die die Frau und ihre Tochter in ihrer Wohnung verbracht haben. Nach Ansicht der Ermittler dürfte dies der Ort sein, an dem das Gift verabreicht wurde. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Ermittlungen sowohl auf die familiären Beziehungen als auch auf mögliche Spannungen in der kleinen Gemeinde Pietracatella, deren Bürgermeister Gianni Di Vita war. Zudem muss geklärt werden, wie die giftige Substanz beschafft wurde. Rizin ist nämlich nicht leicht zu beschaffen und erfordert zudem spezifische Kenntnisse für die Zubereitung.

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