Von: ka
St. Ulrich/Canazei – Es sind nicht „nur“ die Motorrad- und Sportwagenlenker, die die Dolomitenpässe mit Rennpisten verwechseln. Auch unter den Rennradfahrern soll es einige geben, die den Rekord der schnellsten Abfahrt von diesem oder jenem Pass aufstellen wollen. Andere hingegen möchten vor allem ein schönes und schnelles Video aufnehmen und es ins Netz stellen. Besonders aufsehenerregend war zuletzt die Abfahrt des südafrikanischen Rennrad-Influencers Safa Brian vom Sellajoch.

Vor wenigen Tagen fuhr er mit über 80 Kilometern pro Stunde auf waghalsige Art und Weise die Kurven und Kehren hinunter. Safas Abfahrt stößt jedoch auf heftige Kritik. „Es ist keine sportliche Leistung, sondern einfach nur extrem gefährlich“, lautet der Tenor vieler Kommentare in den sozialen Medien. Auch ein Trentiner Landesabgeordneter, der Ladiner Luca Guglielmi, meldete sich zu Wort. „Weder persönliche Erfahrung noch technisches Können ein solches Verhalten rechtfertigen!”

Eine waghalsige Abfahrt durch die Kurven des Sellajochs für den südafrikanischen Radfahrer, Filmemacher und Content-Creator Safa Brian, der sich damit in einem spektakulären Video präsentiert, das viele Menschen begeistert – aber auch für heftige Kritik sorgt.
Safa Brian ist weltweit als einer der schnellsten und wagemutigsten Amateur-Downhill-Fahrer bekannt. Sein YouTube-Kanal hat Hunderte Millionen Aufrufe gesammelt und neu definiert, wie Radsport bei hohen Geschwindigkeiten gefilmt wird. Oft erreicht Brian auf seinem Rennrad Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde.

In den letzten Tagen hat Brian, dessen richtiger Name Brian Wagner ist, ein Video veröffentlicht, das viral ging. Es wurde von einer Drohne aufgenommen, die die gesamte Abfahrt festhielt. Darin ist zu sehen, wie er mit über 80 Kilometern pro Stunde den Sella hinunterfährt, dabei die Kurven schneidet und den entgegenkommenden Autos nur knapp ausweicht. „Mein Lieblingspass in den Dolomiten“, schrieb er auf Instagram als Kommentar zu seinem neuen Abenteuer. „Das ist der einzige Pass, den ich mit voller Geschwindigkeit befahren habe, weil mir die Bedingungen richtig erschienen.“ Wie Videos und Bilder zeigen, scheint er vom Grödnerjoch ebenfalls begeistert zu sein.
Für ihn war es eine gelungene persönliche Herausforderung. In der Flut von Kommentaren loben ihn viele als „Champion“, „Rakete“ oder „verrücktes Genie“ und sagen, es sehe aus wie ein Videospiel. Doch viele haben ihn auch getadelt. Es fehlte nicht an Beleidigungen wie „Krimineller“ oder „Hör bitte auf, das in den Dolomiten zu tun! Das ist gefährlich für dich und eine Qual für uns.“ Oder: „Eine für den Verkehr freigegebene Straße ist keine Rennstrecke. Wir alle haben Spaß daran, schnell zu fahren, aber wir müssen uns an die Regeln halten!”

„Ein einziger Versuch für eine Fahrt mit voller Geschwindigkeit, bei der ich Autos und Lieferwagen überholen musste, wobei in vielen Kurven nur die Hälfte der Strecke zur Verfügung stand – und trotzdem habe ich die zweitschnellste Zeit erzielt“, betonte Safa Brian in seinem Beitrag und fügte hinzu: „Das ist das einzige Ergebnis, das an die Top Ten heranreicht und nicht in einem Rennen auf für den Verkehr gesperrten Straßen erzielt wurde. Ich spreche fast nie über Zeiten, weil das ein bisschen hart ist. Ich sage das alles, um zu betonen, dass das, was ich geleistet habe, das Ergebnis jahrelangen Trainings auf hohem Niveau ist. Einige von euch denken vielleicht, dass ich mich einfach rücksichtslos die Abfahrten hinunterstürze und hoffe, dass hinter jeder Kurve alles gutgeht. In Wirklichkeit waren jedoch die letzten 22 Jahre, die ich mit Radfahren verbracht habe, nötig, um das zu erreichen, was ihr hier seht!“

Zu den Kritikern gehört auch der Trentiner Landesabgeordnete Luca Guglielmi. Er verurteilte die waghalsige Aktion des Influencer-Radfahrers als „gefährlich“. In einem ausführlichen Kommentar zu dem Vorfall betonte er, dass es äußerst schwerwiegend sei, wenn solche Verhaltensweisen nicht nur an den Tag gelegt, sondern auch öffentlich als sportliche Leistung oder als etwas, das man mit Stolz feiern sollte, dargestellt und verbreitet werden. „Keine persönliche Erfahrung, keine technische Fähigkeit und keine Vorbereitung ‚aus 22 Jahren Radfahren‘ kann ein solches Verhalten rechtfertigen, das nicht nur denjenigen, der es ausführt, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer hohen Risiken aussetzt“, so Guglielmi.

Besonders besorgniserregend sei für ihn „der mögliche Nachahmungseffekt, den Inhalte dieser Art auf Jugendliche und Radsportbegeisterte ausüben können, da sie dazu verleitet werden könnten, die tatsächlichen Gefahren solcher Verhaltensweisen zu unterschätzen“.
Er mahnte zur Vorsicht: „Unsere Bergstraßen sind eine von Anwohnern, Berufstätigen, Touristen, Radfahrern und Motorradfahrern gemeinsam genutzte öffentliche Infrastruktur, die von allen die strikte Einhaltung der Regeln und Sicherheitsvorschriften erfordert.“ Die wahre und gesunde Leidenschaft für den Radsport und die Berge speise sich aus Entschlossenheit, Opferbereitschaft, dem Respekt vor den eigenen Grenzen und denen anderer, dem Bewusstsein für Risiken und der Verantwortung für die eigene Sicherheit und die der anderen, so der Abgeordnete.









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