Von: APA/dpa
Ein Film von mehr als zwei Stunden über den Präsidenten des eigenen Landes? Nicht überall auf der Welt würde das Leute dazu bringen, ins Kino zu gehen, wohl auch nicht in Österreich. In Italien aber schon. Der neueste Film des Oscar-Preisträgers Paolo Sorrentino, “La Grazia” (“Die Gnade”), ist dort mit über 750.000 verkauften Karten zum großen Erfolg geworden. Am Donnerstag kommt das 133-Minuten-Epos nun auch in die österreichischen Kinos.
In seinem elften Film stellt Sorrentino (“La Grande Bellezza – Die große Schönheit”), der sich auch schon mehrmals mit Päpsten beschäftigte, einen italienischen Präsidenten namens Mariano de Santis in den Mittelpunkt. Die Figur ist erfunden, aber sie weist enorm viele Parallelen zum amtierenden Staatsoberhaupt Sergio Mattarella auf: ein sehr distinguierter älterer Herr, ausgebildeter Jurist, ehemaliger Verfassungsrichter und gläubiger Katholik. Weil er seit mehreren Jahren verwitwet ist, hat er oft die Tochter an seiner Seite. Alles wie in echt.
Die Übereinstimmungen sind so groß, dass Sorrentino nicht groß darum herumredet, wer Vorbild war. Der Regisseur verweist aber stets darauf, dass der Präsident im Film auch Züge früherer Staatschefs wie Giorgio Napolitano in sich trage. Napolitano (1925-2023), ehemals Kommunist, war ähnlich beliebt wie Mattarella heute. Der 84-jährige Mattarella, der schon seit 2015 im Amt ist, bekommt bei jedem öffentlichen Auftritt zuverlässig Applaus. Bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Mailand konnte man das auch im Ausland mitbekommen.
So staatstragend sah man Sorrentino-Star Toni Servillo noch nie
Die Idee zu “La Grazia” entspringt einer wahren Begebenheit: Tatsächlich begnadigte Mattarella 2018 als Staatsoberhaupt einen Mann, der seine an Alzheimer erkrankte Frau getötet hatte und dafür zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war. Im Film steht De Santis vor ähnlichen Fragen. Die Rolle spielt Toni Servillo, der in Sorrentino-Filmen oft dabei ist. So staatstragend wirkte er aber noch nie. Bei den Filmfestspielen 2025 in Venedig, die mit “La Grazia” eröffnet wurden, bekam er dafür den Preis als bester Hauptdarsteller.
Sorrentino (55) nimmt sich bei aller detailgenauen Schilderung des Daseins eines italienischen Präsidenten aber auch einige künstlerische Freiheiten. Nur so viel sei verraten: Der Papst in seinem Film hat mit dem amtierenden Kirchenoberhaupt Leo XIV. oder auch mit dessen Vorgängern nicht das Geringste zu tun.
(S E R V I C E – www.filmladen.at/film/la-grazia/ )




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