Inna Schewtschenko protestiert vor dem Russland-Pavillon

Lautstarke Proteste vor dem russischen Biennale-Pavillon

Donnerstag, 07. Mai 2026 | 09:12 Uhr

Von: APA/AFP/dpa

Aktivistinnen der feministischen Organisation Femen und Mitglieder der russischen Protestgruppe Pussy Riot haben kurz vor Beginn der Kunstbiennale Venedig lautstark gegen die erneute Teilnahme Russlands an der international bedeutsamen Kunstausstellung protestiert. Frauen mit entblößten Brüsten und Demonstrierende mit pinkfarbenen Sturmhauben machten am Mittwoch ihrem Ärger vor dem russischen Ausstellungsgebäude lautstark Luft und warfen rosafarbene Rauchbomben.

“Wir sind hier, um daran zu erinnern, dass die einzige russische Kultur, die einzige russische Kunst heutzutage Blut ist”, sagte Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko in Anspielung auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. “Dieser Bau steht auf ukrainischen Massengräbern.” Ihren Angaben zufolge war es das erste Mal, dass die beiden Gruppierungen eine gemeinsame Protestveranstaltung abhielten. Untertags waren auch andere kleine demonstrierende Gruppen durch die Straßen der Lagunenstadt gezogen. Sie skandierten in Anspielung auf den berühmten Thomas-Mann-Roman “Death in Venice, Russia go home!”

Der russische Pavillon ist nur während der Preview zugänglich. In ihm musizieren russische Ensembles, deren Darbietungen aufgezeichnet und später auf Leinwänden im Außenbereich projiziert werden, wenn an den regulären Publikumstagen (bis 22. November) der Pavillon geschlossen bleibt. Auch vor dem Israel-Auftritt im Arsenale kam es zu Protesten. Etwa hundert Demonstranten hielten Banner mit der Aufschrift “No artwashing genocide” (etwa: “Kein Reinwaschen von Völkermord durch Kunst”) hoch.

Buttafuoco: Die Biennale ist kein Gericht

Im März hatten die Veranstalter der Biennale mitgeteilt, Russland erstmals seit Beginn des Kriegs in der Ukraine 2022 wieder an der Kunstausstellung teilnehmen zu lassen – was zu heftigen politischen Protesten auch auf EU-Ebene führte. Ende April gab die international besetzte Jury ihren Rücktritt bekannt, nachdem sie zuvor erklärt hatte, keine Preise an Länder zu verleihen, gegen deren Staats- und Regierungschefs der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehle wegen Kriegsverbrechen erlassen habe. Damit waren Russland und Israel gemeint.

Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco verteidigte die Einladungspolitik der Kunstschau vor Journalisten: “Wenn die Biennale anfangen würde, nicht Werke, sondern Zugehörigkeiten auszuwählen, nicht Visionen, sondern Pässe, würde sie aufhören, das zu sein, was sie immer war: der Ort, an dem die Welt zusammenkommt – umso mehr, wenn die Welt auseinandergerissen wird”, so der 62-jährige Journalist und Schriftsteller, der seit März 2024 an der Spitze der Biennale steht. “Wir schüren hier keine Polemiken, wir geben keine Antworten, wir eröffnen Diskussionen.” Die Biennale sei kein Gericht. “Dies ist ein Garten des Friedens, ein Ort, an dem ausgestellt wird, ein Ort, an dem diskutiert wird, ein Ort, wo man sich zuhört.”

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