Papst besucht Friedhof der Namenlosen auf Lampedusa

Leo XIV. wandelt auf den Spuren seines Vorgängers

Samstag, 04. Juli 2026 | 14:48 Uhr

Von: apa

Papst Leo XIV. ist am Samstag mit einem Flugzeug auf Lampedusa eingetroffen. Bei seiner Ankunft auf der Mittelmeerinsel wurde er vom italienischen Staatssekretär Alfredo Mantovano, Siziliens Regionalpräsident Renato Schifani sowie von Lampedusas Bürgermeister Filippo Mannino empfangen. Anschließend fuhr der Papst zum Friedhof der Insel, wo er Blumen an den Gräbern mehrerer im Mittelmeer ums Leben gekommener Migranten niederlegte.

Dort verharrte der Papst im sogenannten Friedhof der Namenlosen in Cala Pisana in stillem Gebet. Die Gräber sind mit Kreuzen gekennzeichnet, die aus dem Holz gesunkener Flüchtlingsboote angefertigt wurden. Anschließend besuchte Leo XIV. die Gräber von Kindern, darunter auch das des sechs Monate alten Youssef Ali Kanneh, der 2020 bei einem Unglück im Mittelmeer ums Leben kam. Alljährlich wird in diesem Friedhof der Opfer des besonders tragischen Schiffsunglücks vom 3. Oktober 2013 gedacht, bei dem mindestens 368 Menschen starben. Die kleine Insel südlich von Sizilien gilt seit langer Zeit als einer der Brennpunkte der Migrationsbewegung aus Afrika nach Europa.

Leo XIV. wandelt auf den Spuren seines Vorgängers Franziskus

Der Papst stoppte danach an der “Porta d’Europa” (Tor Europas). Das Monument aus Keramik und Eisen gilt als Symbol für die Ankunft von Migranten in Europa. Der Papst begrüßte dort kurz eine Migrantenfamilie und schritt anschließend durch das Tor. Dabei legte er eine Hand an das Denkmal und blickte auf das Meer hinaus, wo in der Ferne ein Militärschiff zu sehen war. Anschließend ging Leo XIV. allein auf die Felsen an der Küste. Trotz starken Windes verharrte der Papst längere Zeit schweigend und blickte auf das Mittelmeer hinaus.

Im Anschluss fuhr der Papst in einem geschlossenen Fahrzeug weiter zum Hafen, wo er eine Gedenktafel zu Ehren seines Vorgängers Papst Franziskus segnete. Dieser hatte Lampedusa 2013 als erste Reise seines Pontifikats besucht und die Opfer von Flucht und Migration ins Zentrum gerückt. Leo XIV. traf dort eine Gruppe von 15 Migranten, die sich in dem vom Roten Kreuz verwalteten Hotspot der Insel aufhalten. Jedem von ihnen schüttelte der Papst die Hand. In einer Ansprache rief Leo XIV. zu mehr Menschlichkeit und Solidarität mit Migranten auf. Er dankte zudem Bürgermeister Lampedusas für die Begrüßung sowie den Einwohnern der Insel für den Empfang. “Heute bin ich hier, um Ihnen zu sagen: Der Papst steht Ihnen weiterhin nahe, unterstützt Sie und ermutigt Sie”, sagte Leo XIV.

Ein Flüchtlingskind erzählte bei dem Treffen mit Leo XIV. von seinem Schicksal. “Vor zehn Jahren hat meine Geschichte hier in Lampedusa begonnen. Ich war allein und hatte alles verloren – besonders meine Mama”, so der Bub bei dem Treffen mit dem Papst. Nach seiner Ankunft auf Lampedusa habe er geweint und erst aufgehört, als man ihm einen Ball aus Papier gab. “Seitdem ist der Ball in meinem Herzen geblieben und ich habe nie wieder aufgehört zu spielen.” Der Bub hatte seine Worte auch in einem Brief niedergeschrieben und den Ball auf das Papier gemalt. “Ich hoffe so sehr, dass dieser Ball, den ich dir jetzt schenke, ein anderes Kind erreicht und es genauso glücklich macht wie mich”, schrieb er.

Messe aus Fußballplatz der Insel

Danach zelebrierte der Papst auf einem Fußballplatz der Insel die Messe. “Ich grüße die Migranten, die hier sind: Sie selbst haben auf ihrem Weg nicht nur Solidarität erlebt, sondern sie oft auch selbst gepflegt, als Arme, die den noch Ärmeren helfen. Danke, Brüder und Schwestern, denn es ist keineswegs selbstverständlich, dass ihr euch dem Nächsten zuwendet – das geschieht nicht automatisch”, so der Papst.

Der Pontifex bezeichnete das Phänomen der Migration als “historische Herausforderung für die europäischen Gesellschaften”. “Auch in dieser Hinsicht – ebenso wie beim ökologischen Wandel und bei der Förderung des Friedens – verfügt Europa über ein einzigartiges Potenzial, das sich aus seiner Geschichte und Kultur ergibt, und trägt somit eine entsprechende Verantwortung. Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner institutionellen Rahmenbedingungen ist Europa in der Lage, die Krise in diesem Bereich ganzheitlich anzugehen, indem es Nothilfe mit einem langfristigen strategischen Plan verbindet, der in der Lage ist, Migranten aufzunehmen, zu schützen, zu fördern, zu integrieren und der zugleich Entwicklung begünstigt, damit niemand zur Auswanderung gezwungen ist”,so der Papst.

Dabei müsse stets darauf geachtet werden, dass die Würde jedes Einzelnen gewahrt bleibe, mahnte der Papst. Das sei eine Aufgabe der öffentlichen Institutionen, aber auch der gesamten Zivilgesellschaft und der Kirche.

Der erste Papst aus den USA besuchte Lampedusa am 250. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika. Immer wieder erinnert Leo – in Chicago als Robert Francis Prevost aufgewachsen – an das Schicksal von Migranten. Zuletzt besuchte er die Kanaren und machte sich dort für deren Würde stark.

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