Restaurator soll rechter Sympathisant sein

Meloni als Engel erschienen: Diözese Rom schaltet sich ein

Sonntag, 01. Februar 2026 | 11:55 Uhr

Von: apa

Nachdem die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni als “Engel” in einer römischen Kirche aufgetaucht ist, gibt es in Italien eine lebhafte Diskussion. Nun schaltete sich die zuständige Diözese Rom ein. Das Vikariat habe sich verpflichtet, die Angelegenheit gemeinsam mit dem zuständigen Pfarrer weiter zu vertiefen und mögliche Maßnahmen zu prüfen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Der Engel in der Kapelle der Basilika San Lorenzo in Lucina im Zentrum Roms sieht nach Ansicht mancher Beobachter der Regierungschefin Giorgia Meloni verblüffend ähnlich. Das Fresko des Engels befindet sich neben einer Marmorbüste von Umberto II. von Savoyen, dem letzten König Italiens. Die Engelsfigur hält ein Pergament mit einer Darstellung der Landkarte Italiens in der Hand. Die Zeitung “La Repubblica” hatte die Ähnlichkeit öffentlich gemacht.

Restaurator soll rechter Sympathisant sein

Die Opposition forderte daraufhin eine Überprüfung durch die zuständige Denkmalbehörde. De facto habe der Restaurator, der zugleich in der Basilika als Mesner tätig ist, an einer eigenen Arbeit eingegriffen, die er selbst vor rund 25 Jahren ausgeführt hatte. Laut Medien soll der für den Eingriff verantwortliche Mesner früher eine Nähe zu Rechtskreisen gehabt haben. Ein Abgeordneter von Melonis rechten Regierungspartei Fratelli d’Italia (FdI – Brüder Italiens) stellte jedoch klar, der Mann sei niemals Mitglied von FdI gewesen.

Am Samstagabend meldete sich Kardinal Baldo Reina, der päpstliche Vikar für die Diözese Rom, zu Wort und mahnte eindringlich, sakrale Kunst nicht zu instrumentalisieren. Bilder der christlichen Tradition dürften nicht für unangebrachte Zwecke oder politische Deutungen missbraucht werden, da sie ausschließlich der Liturgie sowie dem persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet dienten, erklärte er.

Meloni: “Ich sehe definitiv nicht aus wie ein Engel”

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte sich ironisch zu der Debatte: “Nein, ich sehe definitiv nicht aus wie ein Engel”, schrieb sie. Die oppositionelle Demokratische Partei (PD), Italiens stärkste Oppositionskraft, reagierte hingegen scharf. Die kulturpolitische Sprecherin der PD-Fraktion in der Abgeordnetenkammer, Irene Manzi, forderte Kulturminister Alessandro Giuli auf, unverzüglich die römische Denkmalbehörde einzuschalten. Der Verdacht, dass ein Restaurierungseingriff an einem geschützten Kulturgut zu einer Darstellung mit zeitgenössischen Gesichtszügen geführt habe, stelle eine potenziell schwere Verletzung des Denkmalschutzgesetzes dar, das willkürliche Veränderungen und Personalisierungen untersagt.

Unterdessen herrschte in der traditionsreichen Kirche, die in der Vergangenheit auch von prominenten Politikern der Ersten Republik wie Giulio Andreotti frequentiert wurde, den ganzen Tag über reger Besucherandrang. Viele Menschen suchten nach dem Bild.

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