Italien wirbt für eigene Küche

Pasta soll auch das Weltall erobern

Samstag, 13. Januar 2024 | 09:40 Uhr

Auf kaum etwas sind Italiener so stolz wie auf ihre kulinarische Tradition. Die italienische Küche gilt als Inbegriff von Tradition und Genuss – und ist weltweit Verkaufsschlager. Nun soll erstmals sogar im Weltall “cucina italiana” serviert werden: Zu Italiens aktueller Bewerbung um die Anerkennung der nationalen Küche als immaterielles Unesco-Weltkulturerbe gehört, dass auch die Astronauten der neuen Mission der Internationalen Raumstation (ISS) Pasta bekommen.

Passenderweise ist einer der Raumfahrer Italiener, Luftwaffenoberst Walter Villadei. Die Raumfahrer treten an diesem Mittwoch (17. Jänner) aus Florida die Reise ins All an. Wie üblich stehen zahlreiche wissenschaftliche Experimente auf dem Programm. Das Sonderprojekt “Italian Space Food” läuft unter der Federführung von Italiens Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida.

Es sieht vor, dass die Astronauten der Axiom Mission 3 (Ax-3) mit fertigen Pasta-Menüs verköstigt werden. Oberst Villadei wird bei seinen drei Mitreisenden vermutlich nicht allzu viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, auch wenn Pasta und Saucen natürlich nur Fertiggerichte sind. In der Quarantäne vorm Abflug bekamen sie bereits einen Vorgeschmack.

Zudem startet der Flug mit Pasta auch noch am “Internationalen Tag der italienischen Küche” – ein Zufall, der der rechten Regierung in Rom gefallen wird. Seit ihrem Amtsantritt vor mehr als einem Jahr rührt die auf Tradition pochende Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Werbetrommel für alles, was “Made in Italy” ist. Da kommen ihr der Welttag der “cucina italiana” und das Allprojekt gerade recht. Meloni zeigte sich erfreut, “exzellente Lebensmittel und ein ikonisches Produkt wie Pasta” in den Weltraum zu bringen.

Am “Internationalen Tag der italienischen Küche” stehen überall auf der Welt Veranstaltungen und Food-Festivals zu Ehren der Küche an. Der Welttag findet am Gedenktag von Antonius dem Großen statt, einem christlichen Mönch, der Schutzpatron der Fleischhauer ist.

Doch wie traditionell ist die italienische Küche wirklich? Seit einiger Zeit sehen Kritiker hinter dem Label “typisch italienisch” im Zusammenhang mit Essen eine kluge Marketingstrategie und – mit Blick auf die Rechtsregierung – auch eine identitätsstiftende Funktion.

Einer der Kritiker ist der Historiker Alberto Grandi, der mit steilen Thesen zur italienischen Küche immer wieder für emotionale Furore in seiner Heimat sorgt. Seine These: Die “cucina italiana” ist gar nicht traditionell, sondern nur einige Jahrzehnte alt und auf gutes Marketing zurückzuführen. “Man kann sagen, dass fast alles, was über die italienische Küche gesagt wird, falsch ist”, sagt Grandi der Deutschen Presse-Agentur. Der 56-Jährige wurde bekannt mit seinem Buch “Denominazione di Origine Inventata (DOI)” (italienisch für: erfundene Herkunftsbezeichnung) – eine Verballhornung des DOP-Siegels für italienische Waren, das für die geschützte Herkunftsbezeichnung steht. Inzwischen macht er unter dem Namen DOI auch einen Podcast.

Von der Pizza hätten die meisten Italiener erst in den 1950er-Jahren gehört, so Grandi. Die Carbonara sei ursprünglich ein amerikanisches Gericht, Tiramisù und Panettone hält er für relativ neue Erfindungen. Der beste Parmesan – benannt nach der Region rund um Parma in Norditalien – werde eigentlich im US-Staat Wisconsin produziert. Die beliebten Pachino-Paradeiser – nach Pachino im Süden Siziliens benannt – seien von Forschern in Israel gezüchtet worden.

Die Italiener wollen, so Grandi, die Weiterentwicklung ihrer Küche aufhalten. Dabei zeige die Geschichte, dass die Gerichte, die heute als hundertprozentig italienisch angesehen werden, in Wirklichkeit das Ergebnis von Kreuzungen, Vertauschungen und Nachahmungen seien. “Die Italiener haben der Welt nicht beigebracht, wie man kocht, sondern sie haben das als Migranten in den Ländern gelernt, in denen sie gearbeitet haben.”

Mit seinen Thesen eckt er in Italien an. Ein Interview in der britischen Zeitung “Financial Times” im vergangenen Jahr rief sogar die Regierung in Rom auf den Plan. “Ich glaube, dass die Küche heute das letzte Element der Identität ist, das den Italienern geblieben ist. Deshalb werden sie sehr wütend, wenn die Geschichte unserer Rezepte in Frage gestellt wird”, so Grandi. “Italien möchte die Zeit anhalten, in einer ewigen Gegenwart leben, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Aber genau diese Haltung wird unser Image zerstören.”

Der Historiker bezweifelt auch, dass ein Welttag sowie Pasta im Weltall der traditionellen Kochkunst einen Gefallen tun. Der Internationale Tag der italienischen Küche sei einfach eine weitere Werbeinitiative. Das Pasta-Projekt im Weltall sei ähnlich. Diese PR-Clous sind Grandi zufolge allerdings keine Spezialität von Melonis Rechtsregierung. “Tradition und Küche sind Querschnittsthemen, auf denen selbst die Linke in gewissem Maße herumreitet.” Es bleibt abzuwarten, ob die fertigen Menüs den ISS-Astronauten schmecken – und ob die Initiative Italien einen Schritt näher an das Unesco-Weltkulturerbe bringt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Pasta soll auch das Weltall erobern"


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Faktenchecker
1 Monat 20 Tage

Haben wir schon eine Südtiroler Speckhamme zum Mond geschossen?

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Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Wüsste noch ganz viel anderes Südtirolisches, das man auf den Mond schießen könnte…

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Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Am besten fliegt der Minister gleich mit ins All, um seine Fertigprodukte zu promoten. Wenn er auch noch seine Schwägerin, il presidente, mitnimmt, kann er das Ganze auch noch als “cibo tradizionale in famiglia” vermarkten. Go, Cesco, go!

oldenauer
oldenauer
Superredner
1 Monat 20 Tage

@info N. G. Zum Beispiel, grins😂😂😂😂

Faktenchecker
1 Monat 20 Tage

Bin für Schützenpiloten. 🚀🚀

Zenzi65
Zenzi65
Tratscher
1 Monat 20 Tage

bitte nicht…..die Schwarte kannst du gerne richtung Mond schießen!

Hustinettenbaer
1 Monat 20 Tage

Hmm, Schwarte. Bitte nicht zum Mond !
Kubanisches Rezept:
https://mybbq.net/viewtopic.php?t=41548

Blasius
Blasius
Superredner
1 Monat 20 Tage

Wie schon erwähnt: Auf nach DE. Noch mehr Italien als dort schon vorhanden. Der Weg ist ist kürzer und rentabler.

Zenzi65
Zenzi65
Tratscher
1 Monat 20 Tage

Das wird sicher eine Sauerei werden!

redbull
redbull
Tratscher
1 Monat 19 Tage

Pasta kann das Weltall nicht Erobern. es hat es erschaffen – in Form des Fliegendem Spaghettimonsters, Arr!

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