Von: luk
Veneto – Mit einem ungewöhnlichen Ansatz soll in Norditalien der Schutz von Weidetieren vor Wolfsangriffen verbessert werden. Im Rahmen eines Pilotprojekts im Veneto erhalten Rinder und Schafe spezielle Anhänger, die synthetisch hergestellte Pheromone freisetzen und so die Anwesenheit eines fremden Wolfsrudels vortäuschen. Ziel ist es, Wölfe von den Herden fernzuhalten.
Das Projekt wird von der Beratungsfirma Agridinamica gemeinsam mit Agronomen, Forstexperten und einen auf Wolfsverhalten spezialisierten Ethologen umgesetzt. Die verwendete Technologie stammt vom Schweizer Unternehmen Agroline. Die Pheromone sollen bei Wölfen territoriales Verhalten auslösen und sie dazu bewegen, das vermeintlich bereits besetzte Gebiet zu meiden.
Die Testphase läuft seit Mitte Juni auf insgesamt sechs Almen – fünf in der Provinz Vicenza und einer im Regionalpark Lessinia nördlich von Verona – und dauert bis Mitte September. Während dieser Zeit tragen die Tiere Anhänger, die die im Labor hergestellten Pheromone über einen Zeitraum von rund sechs Monaten abgeben.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen konnte die Zahl der Wolfsrisse in der Schweiz mit dieser Methode um rund 70 Prozent reduziert werden. Ob sich ähnliche Ergebnisse auch im Veneto erzielen lassen, soll die wissenschaftlich begleitete Erprobung zeigen. Dabei wird auch untersucht, wie wirksam die Pheromone im Zusammenspiel mit weiteren Schutzmaßnahmen wie Hirten, Herdenschutzhunden oder Elektrozäunen sind.
Begleitet wird das Projekt vom Institut für Agrarwissenschaften der Universität Padua sowie von der Gemeinde Enego. Finanziert wird die Erprobung unter anderem aus Mitteln des ländlichen Entwicklungsprogramms der Region Veneto.
In der Hochebene von Asiago stellt der Wolf mittlerweile ein erhebliches Problem für die Almwirtschaft dar. Allein im Jahr 2025 wurden dort laut Bürgermeister Marco Frison rund 50 Wolfsrisse registriert. Die zunehmenden Angriffe erschwerten den Almbetrieb und führten dazu, dass immer weniger Landwirte bereit seien, Almen zu bewirtschaften. Zudem würden Wölfe den Herden auf ihrem Rückweg ins Tal zunehmend bis in die Nähe der Ortschaften folgen.
Die Initiatoren hoffen, mit dem Projekt eine wirksame und zugleich tierfreundliche Möglichkeit zu finden, Weidetiere zu schützen, ohne den Wolf selbst zu gefährden.




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