Stundenlanges Warten vor russischen Tankstellen - VIDEO

Benzinmangel führt zu Gewalt und weckt Zorn auf Putin

Donnerstag, 09. Juli 2026 | 07:09 Uhr

Von: mk

Moskau – Russland ist einer der weltweit größten Ölproduzenten. Dennoch kommt es seit Wochen in mehreren Regionen des Landes zu Engpässen bei der Kraftstoffversorgung, nachdem die Ukraine zuletzt vermehrt die Ölinfrastruktur des Landes angegriffen hat. Autofahrer, die Benzin benötigen müssen teilweise bis zu 39 Stunden vor Tankstellen in der Schlange warten. Das geht an der russischen Zivilbevölkerung nicht spurlos vorbei.

Erst kürzlich hat der ukrainische Generalstab gemeldet, zwei wichtige Ölanlagen in der russischen Region Tatarstan getroffen zu haben. In der TAIF-NK-Raffinerie in der Stadt Nischnekamsk seien Brände ausgebrochen. Zudem hätten Drohnen den Ölkomplex Taneco in Nischnekamsk getroffen und ein Feuer ausgelöst. Über dem Industriekomplex östlich von Moskau waren die Rauchwolken kilometerweit zu sehen. In der Nacht auf Dienstag stoppten ukrainische Drohneneinheiten im Schwarzen Meer unterdessen acht Schiffe der russischen Schattenflotte, die die Krim mit Benzin versorgen sollten.

Weil ukrainische Drohnen immer häufiger in russisches Kernland vordringen und Raffinerien beschädigen, sind Schlangen vor Tankstellen keine Seltenheit. Dadurch steigt die Reizbarkeit unter den Bürgern, die Treibstoff benötigen und immer öfter auch handgreiflich werden. So berichtete das russische Exilmedium “Meduza” über einen Zwischenfall an einer Tankstelle in St. Petersburg, wo sich ein Taxifahrer mit einem anderen Autolenker mit Messer und Pistole duellierte. In der russischen Exklave Kaliningrad kam es Anfang Juli an einer Tankstelle zu einer Rauferei zwischen zwei Frauen, weil sich eine der beiden angeblich vorgedrängelt hat.

 

Der Kreml versucht unterdessen der Bevölkerung mithilfe seiner Schergen zu beschwichtigen. Margarita Simonjan, Chefredakteurin des Medienunternehmens Rossija Sewodnja, die als zentrale Figur der russischen Propaganda gilt und seit Februar 2022 auf EU-Sanktionsliste steht, rief die Menschen dazu auf, ruhig zu bleiben. „Kein Treibstoff? Na ja, damals hatten wir Lebensmittelrationierungskarten. Das kriegen wir auch diesmal hin. Ja, es ist hart, aber wir sind das gewohnt“, erklärte die Reporterin einer Talkshow.

Das Vertrauen in Kreml-Despot Wladimir Putin, der den Angriff auf die Ukraine befohlen hat, scheint bei manchen zumindest dennoch ins Wanken zu geraten. Ein Video, das in sozialen Netzwerken kursiert, zeigt einen Russen, der sich direkt an Putin wendet. „Wo ist das Geld und das Benzin, Vova (russische Koseform für Wladimir, Anm.)? Alles für Yachten und Paläste ausgegeben?“, meint der Mann, während er verbittert in die Kamera lächelt.

Wie könne es sein, dass Drohnen und Raketen in russisches Territorium eindringen, um Ölraffinerien und Treibstofflager zu zerstören, fragt der Mann weiter. „Hat in 25 Jahren niemand darauf geachtet, eine ordentliche Luftabwehr aufzubauen?“ Und er fügt hinzu: „Was sollen wir jetzt tun? In der Nacht auf Benzin warten, während wir tagsüber arbeiten?“

Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, der das Video auf X geteilt hat, kommentiert die Aussagen trocken: „Russen, die für Benzin Schlange stehen, fangen an, die richtigen Fragen zu stellen.“

In seiner Rede während des NATO-Gipfels in Ankara macht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterdessen klar, dass sein Land weiter durchhalten werde. Auch die russischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung könnten die Menschen in der Ukraine nicht brechen. Gleichzeitig erklärte er, dass sich der Krieg in der Luft entscheide.

„Stellen Sie sich vor, wie Moskau täglich nicht von Hunderten, sondern Tausenden von Drohnen attackiert wird! Denn so weit wird es kommen“, betonte Selenskyj. Mehrere Militärexperten teilen diese Einschätzung. Drohnen haben diesen Krieg von Anfang an wesentlich mitbestimmt und sind mittlerweile zu einer entscheidenden Größe aufgerückt. Putins Spielraum wird damit immer enger.

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