Irrfahrt mit den Mädchen durch die halbe Nacht – VIDEO

Schrecklicher Femizid: Ex vor Zwillingstöchtern ermordet

Montag, 17. Februar 2020 | 08:22 Uhr

Sorso – Sorso, eine Ortschaft im Hinterland von Sassari auf Sardinien, war am Samstagabend Schauplatz eines schrecklichen Femizids. Die 41-jährige, ursprünglich aus der Tschechei stammende Zdenka Krejikova wurde vor den Augen ihrer elfjährigen Zwillingstöchter von ihrem ehemaligen Lebensgefährten mit einer Vielzahl von Messerstichen ermordet. Anschließend befand sich Mörder mit den Mädchen im Auto die halbe Nacht auf der Flucht. Am frühen Sonntagmorgen konnte er gefasst werden. Die Kinder sind wohlauf.

Aufgrund vergangener Gewalttätigkeiten war es dem 45-jährigen Italiener Francesco Baingio Douglas Fadda, der auch unter dem Spitznamen „Big Jim“ bekannt ist, richterlich verboten worden, sich dem Wohnort seiner Frau in Sorso zu nähern. Aber „Big Jim“, der eine Vielzahl von Vorstrafen wegen Betrugs und Kreditkartenfälschung aufweist, scherte sich nicht um die richterliche Verfügung.

Vermutlich unter einem Vorwand suchte Francesco Fadda am Samstagabend gegen 20.00 Uhr die 41-Jährige in ihrer Wohnung auf. Dort geriet er mit Zdenka Krejikova sofort in Streit, in dessen Verlauf er ein Küchenmesser ergriff und vor den Augen ihrer Zwillingstöchter ein erstes Mal auf sie einstach. Die schwerverletzte 41-Jährige versuchte noch, ihre Mädchen an die Hand zu nehmen und sich über die Stiege hinunterzuschleppen, um in einer nahen Bar Zuflucht zu suchen. Aber Francesco Fadda holte sie ein und stach weitere Male zu.

Noch bevor die vom Inhaber der Bar alarmierten Carabinieri eingreifen konnten, ergriff der 45-Jährige mit der sterbenden Frau und den beiden Mädchen mit seinem BMW die Flucht. Er fuhr in den Nachbarort Ossi, wo er die sterbende oder vermutlich bereits tote Zdenka Krejikova vor der Wohnung eines Freundes auslud. Da er seinen Freund nicht antraf, trat er eine Tür ein und ließ die Frau im Wohnzimmer des nichts ahnenden 88-jährigen Vaters seines Freundes liegen. Da sich im gleichen Gebäude im Erdgeschoss das Ambulatorium eines ärztlichen Bereitschaftsdienstes befindet, wird vermutet, dass er ihr Hilfe leisten wollte. Allerdings war das Ambulatorium zu diesem Zeitpunkt geschlossen. Die über die Notrufnummer 118 verständigten Rettungskräfte versuchten vergeblich, die 41-Jährige wiederzubeleben. Dem Notarzt blieb nur mehr die traurige Aufgabe, den Tod der Tschechin festzustellen.

Unterdes befand sich Francesco Fadda mit dem BMW und den beiden Zwillingen weiterhin auf der Flucht. Kurz nach 21.00 Uhr wurden Fadda und die Mädchen in Usini, einem anderen Nachbardorf, gesichtet. Fadda hatte mit einem der Mädchen an der Hand von einem Barbesitzer verlangt, ihm für die Reparatur einer Bankomatkarte – sie hatte vermutlich seinem Opfer gehört – einen Klebestreifen auszuhändigen. Als die Carabinieri eintrafen, hatte der 45-Jährige den Ort wieder verlassen. Inzwischen jagten mehrere Streifen der Polizei und der Carabinieri den flüchtigen Lenker des PKW.

Am frühen Sonntagmorgen gegen 3.00 Uhr konnte Francesco Fadda in Sassari gestellt werden. Nachdem er – von den Carabinieri verfolgt – seinen Wagen stehen lassen hatte, setzte er seine Flucht zu Fuß fort. Er wurde aber innerhalb kürzester Zeit von den Carabinieri festgenommen. Die beiden im Auto gebliebenen, verängstigten Mädchen blieben zum Glück vollkommen unverletzt. „Big Jim“, der eine schillernde „Karriere“ als Kreditkartenbetrüger aufweist und mehrfach vorbestraft ist, wurde hingegen nach einem ersten Verhör in eine Haftanstalt überstellt.

Der Femizid von Sorso löste gerade auch wegen seiner besonderen Umstände in der italienischen Öffentlichkeit Abscheu und Entsetzen aus. Viele Italiener haben die Hoffnung bereits aufgegeben, dem traurigen Phänomen mit mehr Prävention und höheren Strafen beizukommen. Es braucht so etwas wie eine „kulturelle Revolution“, glauben inzwischen viele Bürger.

Von: ka

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