Wein- und Sektkellereien beklagen 1,4 Milliarden Euro Schaden – VIDEO

Sperrstunde und Lokalschließungen: Feste ohne Prosit

Mittwoch, 02. Dezember 2020 | 08:12 Uhr

Rom – Infolge des stark gesunkenen Tourismus und der verständlicherweise geringen Feierlaune der Italiener war für Italiens Sekt- und Weinwirtschaft das Covid-19-Jahr 2020 bereits bisher sehr schwierig.

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Die von der Regierung angedachten Corona-Einschränkungen, die über alle Feiertage hinweg gelten sollen und drastische Maßnahmen wie ein Verbot des Verlassens der Heimatregion, Sperrstunden und die „Empfehlung“, die Feiern in den eigenen vier Wänden auf den engsten Familienkreis zu beschränken, vorsehen, dürfte viele Betriebe endgültig in schwere Existenznot bringen. Die italienische Landwirtevereinigung „Coldiretti“ schätzt, dass gegenüber dem vergangenen Jahr der Konsum von Wein- und Sektflaschen um rund 40 Prozent einbrechen könnte, was für die Betriebe einen Schaden von 1,4 Milliarden Euro bedeuten würde.

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Angesichts der in vielen Familien herrschenden schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage, zu der sich bei vielen Menschen die Trauer um den Tod von Angehörigen und Freunden gesellt, ist es wenig verwunderlich, dass der übergroßen Mehrheit der Italiener wenig zum Feiern zumute ist. Noch bis vor wenigen Tagen hatten die Wein- und Sektbetriebe aber noch wenigstens die Hoffnung, den bei Weitem umsatzstärksten Monat – den Dezember – retten zu können. Wohlwissend, dass die Italiener zu Weihnachten und Silvester auch ein schwieriges Jahr gedanklich „vergessen“ und die Feiertage trotz aller Widrigkeiten angemessen feiern wollen, rechneten nicht wenige Betriebe mit einem versöhnlichen Jahresausklang.

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Mit den kolportierten drastischen Coronaeinschränkungen, die von der römischen Regierung noch diese Woche verabschiedet werden, dürfte diese leise Hoffnung endgültig verflogen sein. Das bis auf wenige Ausnahmen gültige Verbot, die Wohnsitzregion zu verlassen, das nicht nur den Weihnachtstourismus in die Knie zwingt, sondern auch den Großteil der klassischen großen italienischen Familienfeiern von vornherein verhindert, dürfte allein schon für einen erheblichen Konsumeinbruch sorgen. Die Sperrstunden – selbst am Silvestertag soll um 22.00 Uhr Schluss sein – die Schließung der Bars und Restaurants und die „Empfehlung“, die Feiern in den eigenen vier Wänden auf den engsten Familienkreis zu beschränken, dürfte jeglicher Feierlaune endgültig den Garaus machen.

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Im Jahr 2019 hingegen war für die italienischen Sekt- und Weinbetriebe die Welt noch in Ordnung. Sie konnten sich nicht nur über neue Exportrekorde, sondern auch über die Feierlust der Italiener freuen. Laut einer von „Coldiretti“ beauftragten Umfrage des Instituts „Ixè“ nahmen vor einem Jahr an den Feiertagen des Jahresendes im Schnitt neun Personen an festlichen Mittag- und Abendessen teil. Dabei ließen die Italiener die unglaubliche Anzahl von 74 Millionen Sektkorken knallen.

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Heute sind diese Zahlen ferne Erinnerung. Der italienische Bauernverband „Coldiretti“ schätzt, dass gegenüber dem vergangenen Jahr der Konsum von Wein- und Sektflaschen um rund 40 Prozent einbrechen könnte, was für die Betriebe einen Schaden von 1,4 Milliarden Euro bedeuten würde.

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Da in ganz Europa und in den USA – die Vereinigten Staaten und Deutschland sind die beiden größten ausländischen Abnehmer von italienischen Weinen – eine coronabedingte Krise herrscht und infolgedessen ein geringerer Verkauf von Wein- und Sektflaschen erwartet wird, kann auch von dieser Seite kein Auffangen der italienischen Umsatzeinbrüche erwartet werden.

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Diese Verluste – so „Coldiretti“ – könnten besonders für viele kleine Wein- und Sektkellereien, die meist hochpreisige Flaschen anbieten und kaum die Supermarktketten beliefern, das Aus bedeuten. Experten rechnen damit, dass diese Umstände zusammen mit dem weitgehenden Ausfall der Einkünfte aus dem Tourismus- und Gastronomiesektor viele kleinere Kellereien dazu zwingen wird, sich entweder größeren Betrieben anzuschließen oder aufzugeben.

Italiens Wein- und Sektwirtschaft sieht düsteren Zeiten entgegen. Die Covid-19- und Lockdown-Durststrecke wird aller Voraussicht nach nicht wenigen Kellereien den Kopf kosten.

Von: ka

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