Die Wut der Eltern über das beantragte Gutachten

Tod nach Flucht vor Vergewaltigern: 20-Jährige hat „Mitschuld“

Sonntag, 14. Januar 2024 | 15:56 Uhr

Arezzo/Genua – Eine 20-jährige Studentin aus Genua ist am 3. August 2011 in Spanien vom Balkon eines Hotels im sechsten Stock gestürzt. Der Grund: Zwei junge Männer waren hinter ihr her, die sie vergewaltigen wollten. Nachdem die beiden verurteilt wurden, haben sie nun über ihre Anwälte vor dem Zivilgericht in Arezzo ein Gutachten zur genauen Unfalldynamik beantragt. Dabei unterstellten sie der 20-Jährigen eine „Mitschuld“. Die Eltern der Studentin finden das nahezu unerträglich.

Das Leben von Martina Rossi endete auf Palma de Mallorca. Dort hatte sie im August 2011 ihren Urlaub mit zwei Freundinnen verbracht. Alessandro Albertoni und Luca Vanneschi, die beide heute 32 Jahre alt sind und aus Castiglion Fibocchi in der Provinz Arezzo stammen, übernachteten im selben Hotel. Im Rahmen des Strafprozesses wurden sie rechtskräftig zu drei Jahren Haft wegen versuchter Vergewaltigung verurteilt. Im Fall des Todes der 20-Jährigen, zu dem es infolge einer anderen Straftat – sprich des Vergewaltigungsversuchs – gekommen ist, griff hingegen die Verjährung.

Über ihre Anwälte haben Albertoni und Vanneschi nun ein Gutachten vor dem Zivilgericht in Arezzo beantragt, das beweisen soll, dass auch die 20-Jährige eine Mitschuld am Geschehen soll. Um einer Vergewaltigung zu entkommen, war die Studentin über das Geländer des Balkons im sechsten Stock geklettert, bevor sie in die Tiefe stürzte. Im Rahmen des Gutachtens soll außerdem festgestellt werden, ob auch das Hotel eine Mitverantwortung trägt, zumal die Balustrade am Balkon zu niedrig gewesen sei.

Bruno Rossi, der Vater der jungen Frau, bezeichnete den Antrag als „abartig“. Die Anwälte der Familie von Martina Rossi stemmten sich gegen ein solches Gutachten. Nun muss der zuständige Richter innerhalb eines Monats entscheiden.

Derzeit läuft vor dem Zivilgericht in Arezzo ein Verfahren, in dessen Rahmen sich Albertoni und Vanneschi verantworten müssen. Die Angehörigen von Martina Rossi verlangen Schadenersatz in Höhe von einer Million Euro. Nach dem Urteil im Strafverfahren dürfen die beiden 32-Jährigen ihre Haftstrafe im offenen Vollzug abbüßen.

Die Familie bekundet, dass sie keinen einzigen Cent der Entschädigung für sich beansprucht. Das Geld soll stattdessen einer Wohltätigkeitsorganisation zugutekommen, die die Angehörigen im Namen von Martina Rossi gegründet haben. Die Vereinigung unterstützt Frauen, die Gewalt erlitten.

„ Es gibt keine Scham“, kommentierte Franca Murialdo, die Mutter von Martina Rossi, den Antrag auf das Gutachten. Die beiden Männer würden sich weiterhin so verhalten, als sei nichts passiert, und sie würden weiterhin Lügen verbreiten, meinte Bruno Rossi gegenüber der Zeitung „La Nazione“.

Von: mk

Kommentare

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9 Kommentare auf "Tod nach Flucht vor Vergewaltigern: 20-Jährige hat „Mitschuld“"


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Holz Michl
Holz Michl
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

Da sieht man wie total bescheuert unsere Gesetze sind… solche Leute wollen noch ein Gutachten um der Frau und dem Hotel die schuld zu geben und die Anwälte der zwei spielen da natürlich noch mit ist ja nich Geld zu machen mit dem tot der jungen Frau. Total zum schämen

rex
rex
Tratscher
1 Monat 16 Tage

Wenn man die letzen Urteile der ital. Justiz betrachtet wird diesen Antrag sicher stattgegeben. Einfach nur zum kotzen.

info
info
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

Zum Beispiel nur zum Spaß ein paar Sekunden lang einer Minderjährigen ins Höschen greifen… Man weiß nicht wer ekliger ist, der alte geile Schuldienersack oder sein Komplize der Richter.

andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

Das der Balkon zu niedrig war ist Eine sache, jedoch hätten sie die Frau in Ruhe gelassen würde sie noch leben. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Ist sowiso absurd darüber zu diskutieren.

Zugspitze947
1 Monat 16 Tage

Echt krank so eine Gesetzgebung !😡 Ausserdem wieso wartet man bis der Vergewaltigungsversuch verjährt ? Einfach zum Kotzen ! 😡👌Die Eltern können einem wirklich leid tun ! 😢👌

Frank
Frank
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

“wieso wartet man bis der Vergewaltigungsversuch verjährt ?”

Weil vermutlich, wie in Deutschland, die Justiz einerseits kaputt gespart wurde und andererseits die Gerichte wegen jedem Kinkerlitzchen belästigt und so überlastet werden, könnte man vermuten.
Selbst Prozesse wegen Gewaltverbrechen verlaufen in Deutschland oft genug im Sand und der Verjährungsfrist, weil die Gerichte die Prozessflut nicht bewältigen können. Daß es in Italien ähnlich läuft, kann man durchaus vermuten, als Exilsüdtiroler solltest Du das besser als ich wissen.

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 16 Tage

Fahlt lei no, dass dei 2 Typm behauptn, dasses die Schuld vo den ormen Madl wor, denn hätte sie “stillkoltn” lebet sie no! Total kronk.

KASPERLE
KASPERLE
Tratscher
1 Monat 16 Tage

Kreative Anwälte…..

Paladin
Paladin
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

Lei mehr ekelhaft diese Gesetzte. Da nutzen Märsche und Bekundungen wenig, wenn es am Endeffekt an der Justiz scheitert. 

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