Vier Jahre nach der tödlichen Eislawine

Tragödie vereiteln: Marmolata-Gletscher wird mit Drohnen und Georadar überwacht

Samstag, 11. April 2026 | 17:01 Uhr

Von: luk

Marmolata – Vier Jahre nach der tödlichen Eislawine auf der Marmolata in den Dolomiten intensivieren Wissenschaftler die Überwachung des Gletschers. Im Zentrum der neuen Untersuchungen steht diesmal die Zone rund um Punta Penia, wo mögliche Instabilitäten frühzeitig erkannt werden sollen.

Am 3. Juli 2022 hatte sich unterhalb der Punta Rocca ein gewaltiger Gletscherabbruch ereignet, bei dem elf Menschen ums Leben kamen. Nun untersuchen Forscher der Universitäten Padua und Parma gemeinsam mit dem “Istituto Nazionale di Oceanografia e Geofisica Sperimentale” die verbliebenen Eismassen genauer.

Zum Einsatz kommen moderne Technologien wie Drohnen und Georadar. Damit wollen die Experten erstmals die innere Struktur des Gletschers mit bislang unerreichter Genauigkeit sichtbar machen. Auf Basis der gesammelten Daten sollen Modelle entstehen, die mögliche Gefahren – etwa durch weitere Abbrüche – besser einschätzen.

“Es handelt sich nicht um Alarmismus, sondern um eine notwendige Untersuchung”, betonen die beteiligten Wissenschaftler. Ziel sei es, ähnliche Katastrophen künftig zu verhindern.

Klimawandel beschleunigt Risiken in den Alpen

Hintergrund der Untersuchungen ist der rasche Wandel im Hochgebirge. Steigende Temperaturen destabilisieren Gletscher, tauen den Permafrost auf und erhöhen damit das Risiko für Felsstürze, Gletscherabbrüche und plötzliche Flutwellen durch Gletscherseen.

Die Prozesse hängen eng zusammen: Schmelzendes Eis legt Felswände frei, tauender Permafrost schwächt deren Stabilität, und Hitzeperioden beschleunigen beide Entwicklungen gleichzeitig. Experten warnen, dass sich diese Gefahren gegenseitig verstärken.

Die neuen Messmethoden sollen helfen, diese Dynamik besser zu verstehen und Risiken früher zu erkennen. Das Vorgehen auf der Marmolata gilt dabei als Modell. Ähnliche Untersuchungen sind auch am Adamello im Trentino geplant, dem größten Gletscher Italiens.

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