Von: luk
Trient/Gardasee/Venetien – Nach einem ungewöhnlich trockenen März verschärft sich die Lage bei den Flüssen in Norditalien. Besonders die Etsch steht derzeit unter Beobachtung: Ihre Wasserführung liegt aktuell rund 40 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Auch andere Gewässer sind betroffen. Sowohl der Sarca (fließt in den Gardasee) als auch der Chiese verzeichnen deutliche Defizite, teils sogar noch stärker. Gleichzeitig bleibt Regen weiterhin aus, und auch die Schneereserven in den Bergen sind unterdurchschnittlich.
Sorge um Bewässerungssaison
Mit Blick auf die beginnende Bewässerungssaison wächst vor allem in der Po-Ebene die Sorge vor Wasserknappheit. Bereits zuletzt wurde vor einer kritischen Situation gewarnt, da niedrige Pegelstände die Wasserqualität gefährden könnten – etwa durch das Vordringen von Salzwasser im Mündungsbereich der Flüsse an der Adria.
Ähnliche Lage in Venetien
Auch in Venetien zeigt sich ein vergleichbares Bild: Die Niederschläge im März lagen deutlich unter dem Schnitt, vielerorts mit Defiziten von bis zu 40 Prozent. Entsprechend führen auch dort viele Flüsse weniger Wasser als üblich.
Zusätzlich bereiten sinkende Grundwasserstände Sorgen.
Speicher dämpfen die Lage
Etwas Entlastung kommt von den großen Stauseen in Trentino und Venetien. Deren Füllstände bewegen sich derzeit weitgehend im Bereich der langjährigen Durchschnittswerte, teils sogar darüber.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein strukturelles Problem: Die in den Bergen gespeicherten Wassermengen in Form von Schnee liegen deutlich unter dem langjährigen Mittel. In einigen Einzugsgebieten beträgt das Defizit bis zu 50 Prozent. Die zuletzt gestiegenen Temperaturen haben zwar kurzfristig für mehr Schmelzwasser gesorgt, dieses reicht bislang aber lediglich aus, um die niedrigen Pegelstände zu stabilisieren – nicht, um sie nachhaltig zu erhöhen.
Droht erneut Druck auf den Gardasee?
Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage, ob der Gardasee erneut stärker zur Stabilisierung der Abflüsse herangezogen werden muss. Bereits in den Dürrejahren 2022 und 2023 war der See verstärkt zur Regulierung genutzt worden, um insbesondere den Wasserbedarf in der Po-Ebene zu decken.
Damals führte dies zu deutlich sinkenden Pegelständen, teils auf historische Tiefstwerte, mit sichtbaren Folgen für Schifffahrt, Tourismus und Ökosystem. Ob sich ein ähnliches Szenario in diesem Jahr wiederholt, hängt maßgeblich von den Niederschlägen in den kommenden Wochen und der weiteren Entwicklung der Schneeschmelze ab. Experten sehen aktuell noch keine akute Notlage – warnen aber vor einer möglichen Zuspitzung bei anhaltender Trockenheit.




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