Venezianer genervt von den wilden Fahrten auf dem Canal Grande – VIDEO

Unglaublich: „Maranza“-Boote rasen nachts mit lauter Musik durch Venedig

Dienstag, 19. Mai 2026 | 07:08 Uhr

Von: ka

Venedig – Offenbar genügt es nicht, dass die Einwohner der vielleicht schönsten Stadt der Welt unter dem immer stärker werdenden „Overtourism“ leiden, denn trotz der Einführung des umstrittenen Gebührensystems für Tagestouristen steigen die Besucherzahlen stetig an. In der Nacht, in der es bisher meistens ruhig war, raubt den Venezianern nun eine neue Plage den Schlaf. „Maranza“ – so werden Jugendliche, oft ausländischer Herkunft, bezeichnet, die in Gruppen auftreten, ein betont halbstarkes oder provokantes Verhalten an den Tag legen und nicht selten zu gewalttätigem und kriminellem Verhalten neigen – rasen nachts, aber manchmal auch am Tag, mit laut hörbarer Musik in ihren getunten Kleinbooten durch die Kanäle der Altstadt und die Lagune.

YouTube/Antenna Tre

Viele Venezianer sind nicht „nur” genervt, sondern fürchten auch um ihre Sicherheit. Eine Gruppe von Anwohnern will die nächtliche Plage nicht länger tatenlos hinnehmen. Über zwei Anwälte fordern sie den künftigen Bürgermeister auf, sich unverzüglich zu verpflichten, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um dem Phänomen Einhalt zu gebieten. Dazu sollen die Kontrollen in den Nachtstunden verstärkt und „drastische” Maßnahmen ergriffen werden, die weit über die im Schifffahrtsgesetz bereits vorgesehenen Vorschriften und Verwaltungsstrafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen und laute Musik hinausgehen.

Die „Maranza“ rasen mit ihren aufgemotzten kleinen Motorbooten, „bewaffnet“ mit Subwoofern, mit Vollgas durch die Kanäle der Altstadt. Sie gefährden nicht nur sich selbst und andere Bootslenker, sondern rauben den Anwohnern auch den Schlaf. Die getunten „Maranza“-Motorboote sind der Grund, warum eine immer größer werdende Gruppe von Venezianern beschlossen hat, sich an die Anwälte Daniele Vianello und Caterina Dal Mas zu wenden.

Sie sollen eine Petition verfassen, die dem neuen Bürgermeister von Venedig vorgelegt werden soll, sobald dieser gewählt ist. „Nach 23.00 Uhr, wenn die Restaurants schließen“, erklären die beiden Anwälte, „rasen die kleinen Boote mit ohrenbetäubender Musik durch die Kanäle und verwandeln die Kanäle der Altstadt in eine Disco. Ein Abendessen im Freien auf den privaten Terrassen wird unmöglich, ebenso wie ein Plausch in den Gassen, geschweige denn der Versuch, zu schlafen.“

Facebook/Comune di Venezia

Die Anwohnergruppe fordert über das Anwaltsduo, dass sich der künftige Bürgermeister Venedigs von Anfang an dazu verpflichtet, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um diesem Phänomen Einhalt zu gebieten. Dazu sollen die Kontrollen in den Nachtstunden verstärkt und „drastische” Maßnahmen ergriffen werden.

„Unser Vorschlag sieht vor, diejenigen, die mit voller Geschwindigkeit und unzumutbarer Lautstärke fahren, beim ersten Verstoß mit einer Geldstrafe von 500 Euro zu belegen und bereits beim zweiten Verstoß das Boot zu beschlagnahmen”, erklärt Vianello. Ziel sei es, „ein Gleichgewicht zwischen dem Recht auf Ruhe, dem Schutz der Anwohner, dem städtischen Anstand und der ordnungsgemäßen Nutzung öffentlicher Räume samt der Fahrt in den Kanälen wiederherzustellen”, so die Anwohner.

„Am meisten ärgert uns“, schließen die Anwälte, „die Tatsache, dass gerade die jungen Menschen, die oft hier leben und daher die Empfindlichkeit Venedigs und seiner Kanäle genau kennen müssten, ihre Stadt und ihre Lagune so schlecht behandeln und ihre Mitbürger missachten. Es ist ein unhaltbarer Zustand, den die Stadtverwaltung stoppen muss.“

APA/APA/AFP/STEFANO RELLANDINI

In diesem Fall könnte die Verwaltung jedoch nicht mit einer Verordnung eingreifen, da solche Maßnahmen nur ergriffen werden können, wenn die Rechtsordnung noch keine spezifische Vorschrift zur Bewältigung eines bestimmten, als „schwerwiegend und dringend“ eingestuften Problems enthält, das zuvor noch nie aufgetreten ist. In der Schifffahrtsordnung sind bereits Vorschriften und Verwaltungsstrafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie für laute Musik vorgesehen. In keinem der beiden Fälle wird dem Eigentümer jedoch das Boot beschlagnahmt.

APA/APA (AFP)/LUDOVIC MARIN

Die Saison der „Boots-Maranza“ hat jedoch gerade erst begonnen. „Es handelt sich um ein saisonales Erscheinungsbild, das sich mit Beginn des Sommers verstärkt“, erklärt die örtliche Polizei, die seit Mai ihre Kontrollen zur Bekämpfung dieses Problems intensiviert hat. In den letzten zwei Wochen endeten zwei Einsätze jeweils mit einer Verfolgungsjagd. Im ersten Fall gelang es der Polizei, den Lenker aufzuspüren, obwohl er zunächst entkommen konnte. Sie überprüfte die Überwachungskameras an seinem Startpunkt und konnte so seinen Wohnort ausfindig machen.

Facebook/Comune di Venezia

Im zweiten Fall hatte der „Flüchtige“ das Boot an einem öffentlichen Ufer zurückgelassen und sich entfernt. Die Beamten beschlagnahmten es daraufhin umgehend. Als er zurückkam, um es abzuholen, rief er die Einsatzzentrale an und meldete, dass es gestohlen worden sei. Der „alte Trick“ zog jedoch nicht. Der junge Mann wurde als Lenker des Boots identifiziert und gemäß der Schifffahrtsordnung bestraft.

Facebook/Comune di Venezia

Ob die Bürgerinitiative gegen die „Boots-Maranza“ erfolgreich sein wird, ist unklar. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Verordnungen, die über die Strafbestimmungen der geltenden Schifffahrtsordnung hinausgehen, rechtlich nicht „wasserdicht” wären. Ihrer Meinung nach würde es ausreichen, wenn die Einhaltung der geltenden Gesetze, die das „lagunenstädtische Zusammenleben“ und die Nutzung der Kanäle und Wasserstraßen in der Lagune regeln, strenger kontrolliert und alle Verstöße hart bestraft würden.

Kommentare

Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen