Von: idr
Jesolo – Nackte Camper in Cortina, Sonnenbadende in Unterwäsche in Padua: Venetiens Regionalpräsident Luca Zaia hat genug von respektlosen Touristen. Seine radikale Lösung: ein Einreiseverbot soll künftig auch gegen „unhöfliche Urlauber“ verhängt werden können.
„Venetien ist eine Tourismusregion, die Rekorde bricht, aber es kann und will keine Brutstätte für vulgären Tourismus werden“, erklärt Zaia gegenüber italienischen Medien. „Wir sind kein Vergnügungspark, in dem jeder ohne Regeln macht, was er will.“ Die Tourismusorganisation Federalberghi unterstützt schärfere Maßnahmen. Ähnliche Regeln existieren bereits in Venedigs Stadtordnung.
Rechtlich schwierig
Doch rechtlich steht das Vorhaben auf tönernen Füßen: Reiserechtsanwalt Paul Degott warnt gegenüber reisereporter.de vor erheblichen Rechtsunsicherheiten: „Es kann sicherlich nicht sein, dass jeder beliebige Dorfpolizist vor italienischen oder ausländischen Besuchern auftreten kann mit der Behauptung, man habe sich ‚respektlos’ oder ‚anstößig’ verhalten. Dies klingt etwas mittelalterlich.“ Bei undifferenzierter Anwendung wäre Willkür laut des Experten Tür und Tor geöffnet.
Der Jurist zieht Parallelen zu den USA unter Donald Trump, wo willkürliche Visa-Verweigerungen selbst Deutsche trafen. Entscheidend sei, wie Zaia „respektloses Verhalten“ konkret definiere. Ein Verstoß gegen EU-Grundrechte zur Freizügigkeit sieht Degott zwar nicht unmittelbar, wohl aber eine unverhältnismäßige Einschränkung.
Hohe Geldstrafen als Alternative
Auch lokale Politiker zeigen sich skeptisch. Andrea Colasio, Tourismusrat von Padua, bevorzugt Geldstrafen: „Eine Einreiseverbot erscheint übertrieben. Es ist, als würde man versuchen, einen Stieglitz mit einem Maschinengewehr zu töten – ein Mittel, das in keinem Verhältnis zum Problem steht.“
Roberta Alverà, stellvertretende Bürgermeisterin von Cortina, betont zudem die praktische Schwierigkeit, Urlauber zu sanktionieren, „die am nächsten Tag weiterziehen“. Die Frage bleibt: Kann eine ganze Region pauschal gesperrt werden – und wer entscheidet darüber, was „unhöflich“ ist?
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