Salieris Gebeine verbleiben im Grab am Wiener Zentralfriedhof

Legnago verzichtet auf Salieris Gebeine

Freitag, 21. August 2026 | 11:55 Uhr

Von: importer

Nach mehr als einem Jahrhundert gibt die norditalienische Stadt Legnago die Forderung nach den sterblichen Überresten des Komponisten Antonio Salieri auf. Die Stadt in der Region Venetien hatte seit 1924 mehrfach versucht, den 1825 in Wien gestorbenen Komponisten in seine Heimatstadt zurückzuholen. Damit kann Salieri nun also fix auf dem Wiener Zentralfriedhof verbleiben.

Legnagos Bürgermeister Paolo Longhi begründete die Entscheidung damit, dass die Forderung inzwischen aussichtslos sei. Wenn Wien über 100 Jahre lang eine Überführung ablehne, sei es wenig sinnvoll, weiter darauf zu bestehen. Zudem habe sich das Verhältnis zwischen Legnago und Wien zuletzt deutlich verbessert, berichtete die Tageszeitung “Corriere della Sera”.

Legnagos Bürgermeister zu den Gedenkfeiern in Wien eingeladen

Einen letzten Vorstoß hatte Longhi 2025 zum 200. Todestag Salieris unternommen. Mit Unterstützung von Italiens Außenministers Antonio Tajani und des italienischen Botschafters in Österreich, Giovanni Pugliese, wurde das Anliegen erstmals auf höchster Ebene vorgetragen. Eine Überführung der sterblichen Überreste erreichte Legnago zwar nicht, aber die Wiener Behörden zeigten der Heimatstadt Salieris immerhin deutlich mehr Entgegenkommen, betonte der Bürgermeister.

So wurde Longhi damals zu den Gedenkfeiern in Wien eingeladen. Der Lokalpolitiker besuchte am Zentralfriedhof das Grab des Komponisten und zeigte sich beeindruckt von dessen gutem Zustand. An den Feierlichkeiten zum 200. Todestag hatte unter anderen auch der Dirigent Riccardo Muti teil, Ehrenbürger von Legnago.

Salieris Wunsch bleibt erfüllt

Ein weiteres Argument für die ausbleibende Umbettung: Salieri selbst soll in einem Brief den Wunsch geäußert haben, in Wien bestattet zu werden. Der Komponist, der am 18. August 1750 in Legnago geboren worden war, kam bereits 1766 als 16-Jähriger in die habsburgische Hauptstadt und machte dort Karriere. Er wurde Kapellmeister am kaiserlichen Hof, gründete eine Familie und verbrachte fast sechs Jahrzehnte in Wien. Auch seine Frau und seine Nachkommen sind dort bestattet.

Für Legnago soll deshalb künftig nicht mehr das Grab, sondern Salieris musikalisches Erbe im Mittelpunkt stehen. Der Komponist ist bis heute vor allem durch die Legende bekannt, ein neidischer Rivale und Gegenspieler, ja gar der Mörder Wolfgang Amadeus Mozarts gewesen zu sein. Bürgermeister Longhi will dieses Bild korrigieren und Salieri als eigenständige, historische und musikalische Persönlichkeit würdigen. “Das Wichtigste ist nicht eine kleine Kiste mit Knochen, sondern die Erinnerung und vor allem das ewige Echo von Salieris Musik”, sagte Longhi.

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