Von: APA/AFP/Reuters
Im Libanon sind laut den Vereinten Nationen innerhalb eines Tages 100.000 weitere Menschen durch israelische Angriffe vertrieben worden. “Bis heute haben sich mehr als 667.000 Menschen im Libanon auf der Onlineplattform der (libanesischen) Regierung als vertrieben gemeldet”, sagte die Libanon-Verantwortliche des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), Karolina Lindholm Billing, am Dienstag in Genf vor Reportern.
Staatliche libanesische Medien meldeten indes einen israelischen Luftangriff in der Nähe der Stadt Tyrus im Südlibanon. Israel habe einen Luftangriff auf Al-Abbassiyah gestartet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Die israelische Armee hatte zuvor angekündigt, Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz in der Gegend anzugreifen und die Einwohner aufgefordert, die Stadt zu verlassen.
Seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar war auch der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon wieder eskaliert. Dabei wurden nach Angaben der libanesischen Behörden bisher mindestens 486 Menschen getötet und mehr als 1.300 verletzt. Hilfsorganisationen im Libanon schlagen Alarm, was die humanitäre Lage betrifft.
EU engagiert sich
Die Europäische Union hat Lebensmittel, Winterkleidung und andere Hilfsgüter für die Menschen im Libanon mobilisiert. Verteilen sollen die Materialien das Welternährungsprogramm (WFP) und das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF, wie die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel bekannt gab. Aus dem EU-Lager in Kopenhagen sollen unter anderem medizinische Hilfsgüter für mehr als 100.000 Menschen in den Libanon geflogen werden. Das WFP soll Essen für knapp 90.000 Menschen verteilen. Nach Angaben der Kommission sind sogar mehr als 680.000 Menschen innerhalb der vergangenen Tage im Libanon vertrieben worden.
Der spanische Außenminister Jose Manuel Albares bezeichnete indes eine mögliche Bodenoffensive des israelischen Militärs im Libanon als “gewaltigen Fehler”. Zugleich forderte er die Hisbollah-Miliz auf, ihre Raketenangriffe auf Israel einzustellen. Zudem kündigte Albares an, dass Spanien humanitäre Hilfe im Wert von neun Millionen Euro in die libanesische Hauptstadt Beirut schicken werde.
Libanesischer Staat überfordert
Ebenfalls am Dienstag meldete sich die Linzer Initiative Christlicher Orient (ICO) mit einem dringlichen Spendenaufruf zu Wort. Das Hilfswerk ist seit vielen Jahren im Libanon aktiv. Bereits während des Gaza-Kriegs 2024 hat die ICO über ihre lokalen Partner zahlreiche Vertriebene unterstützt “und das wollen, ja müssen wir jetzt auch wieder tun”, so ICO-Obmann Slawomir Dadas gegenüber Kathpress. So sollen etwa Bewohner von Massenquartieren mit warmen Mahlzeiten, andere mit Lebensmittel und Hygiene-Artikeln versorgt werden. Der libanesische Staat sei mit der Versorgung der Hunderttausenden Vertriebenen überfordert. Insofern komme den Hilfsorganisationen im Land große Bedeutung zu, betonte Dadas.
Auch Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser zeigte sich angesichts einer “eklatanten Lücke in der öffentliche Aufmerksamkeit” besorgt. “Die Menschen im Libanon brauchen jetzt vor allem Schutz, Sicherheit und konkrete humanitäre Unterstützung. Viele Familien haben innerhalb kürzester Zeit alles verloren und wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Die internationale Gemeinschaft darf sie in dieser Situation nicht alleinlassen”, appellierte die Leiterin des evangelische Hilfswerks.
(S E R V I C E – Spenden: Initiative Christlicher Orient, Hypo Oberösterreich IBAN: AT42 5400 0000 0045 4546; Kennwort: Libanon Nothilfe | Diakonie Katastrophenhilfe, IBAN: AT85 2011 1287 1196 6333, Kennwort: Nahost-Nothilfe; Online-Spenden: https://www.diakonie.at/nahost-konflikt)




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