„Region Trentino-Südtirol kann und soll helfen“

Abgeordnete fordern Schutz für afghanische Frauen

Mittwoch, 18. August 2021 | 16:58 Uhr

Bozen/Trient – ach dem Rückzug von USA und NATO-Staaten ist Afghanistan in wenigen Wochen, weit schneller als erwartet, unter die Herrschaft der Taliban geraten. Der Verzicht auf jede Gegenwehr und der Totalausfall der Regierung Ghani haben die Situation enorm beschleunigt. Die Grünen im Regionalrat haben nun einen Vorstoß gewagt, der auch von Abgeordneten anderer Parteien mitgetragen wird.

„Von der neuen Herrschaft ist bestenfalls ein moderater islamischer Staat zu erwarten, wohl eher aber ein Emirat, in dem Menschen- und Bürgerrechte dem Diktat der Scharia zu weichen haben. Zivilgesellschaftliche Entwicklungen, vorab die Rechte und Emanzipation von Frauen, die neben der problematischen Militärintervention der Westmächte in Gang gesetzt wurden, kommen nun aller Voraussicht nach zum Stillstand und werden radikal abgewürgt“, erklären die Regionalratsabgeordneten.

Die existenzielle Angst vieler Afghaninnen und Afghanen, die vom neuen Regime wenig Gutes erwarten, habe sich im Ansturm auf den Flughafen Kabul dramatisch gezeigt, wo Tausende eine verzweifelte wie meist vergebliche Flucht versucht haben.

Unter solchen Umständen gelte es, nach dem militärischen und moralischen Debakel der Westmächte zumindest auf humanitärer Ebene ein Minimum an Hilfeleistung zu gewähren. „Diese Hilfe sollte vor allem afghanischen Frauen geboten werden, denen es in überschaubarer Zahl gelingen dürfte, das Land zu verlassen. Mit ihren Familien sollte ihnen im Wege humanitärer Hilfe, ein geschützter Aufenthalt ermöglicht werden, um ihnen ein moralisch gebotenes Existenzminimum zu sichern“, heißt es in dem Antrag.

Die Region Trentino-Südtirol habe die Möglichkeit wie andere Regionen und Städte, eine überschaubare Zahl von Frauen und Angehörigen aufzunehmen, die demnächst im Wege humanitärer Korridore oder Resettlement-Programme Europa erreichen dürften. Dieser Aufgabe sollte sich unsere Region nicht entziehen. Die beiden Länder der Region sollten ein Aufnahmeprogramm in kurzer Frist entwickeln, die Region sollte den Einsatz koordinieren, so die Abgeordneten.

Sie fordern von der Regionalregierung, ein Aufnahmeprogramm für afghanische Frauen und ihre Angehörigen in den beiden Provinzen Bozen und Trient zügig ins Auge zu fassen und konkret zu planen, wobei der Region die Aufgabe der Koordinierung zugewiesen wird.

Neben den Regionalratsabgeordneten der Südtiroler Grünen Brigitte Foppa, Riccardo Dello Sbarba und Hanspeter Staffler tragen auch die Abgeordneten Lucia Coppola, Paolo Zanella, Sandro Repetto, Sara Ferrari, Paul Köllensperger, Maria Elisabeth Rieder, Peter Faistnauer Alex Ploner und Franz Ploner mit.

Absage von den Freiheitlichen

Die freiheitliche Abgeordnete Ulli Mair erteilt dem Vorstoß der Grünen zur Aufnahme von Afghanen hingegen eine klare Absage.

„Der Westen hat in Afghanistan grandios versagt und dieses Versagen hat sich von Anfang an abgezeichnet, da die Herzen der Bevölkerung niemals gewonnen wurden. Die rasche Machtübernahme der Taliban konnte nur mit Unterstützung der afghanischen Bevölkerung vonstattengehen, zumal auch die Regierungsarmee keine ernsthaften Bemühungen unternommen hat, um den Vormarsch der Islamisten aufzuhalten“, hält Ulli Mair in einer Aussendung einleitend fest.

„Afghanen, die sich in dieser Lage nun bedroht sehen, haben das Recht einen Asylantrag in den sicheren Staaten der Region zu stellen. Es gibt keinen Grund, weshalb diese Personen nach Europa gebracht werden sollen. Es ist nicht die Aufgabe von uns Europäern für die Fehler von anderen gerade zu stehen“, unterstreicht die freiheitliche Landtagsabgeordnete. „Darüber hinaus könnten auch islamischen Staaten, wie Saudi-Arabien, Katar oder die Emirate Solidarität zeigen und die Afghanen, die nun ihr Land verlassen wollen, aufnehmen“, so Mair.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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14 Kommentare auf "Abgeordnete fordern Schutz für afghanische Frauen"


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Trina1
Trina1
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

So leid sie mir tun, hier gebe ich Ulli Mair Recht!

Gustl64
Gustl64
Superredner
1 Monat 10 Tage

Vielen dieser Frauen ist nicht zu helfen. Auch wenn sie hier bei uns sind, können oder wollen sie sich nicht von ihrer Tradition loslösen. Die meiste Frauen leben hier wie in ihrem Ursprungsland. Ich glaube das afganische Volk muss seine Probleme im eigenen Land zu lösen versuchen. Es bringt nichts, davonzulaufen.

Eric73
Eric73
Tratscher
1 Monat 10 Tage

“Es ist nicht die Aufgabe von uns Europäern für die Fehler von anderen gerade zu stehen…”

Aber es wäre absolut schäbig für die große christliche europäische Gesellschaft keinen Schutz und keine Hilfe zu gewähren.

einervonvielen
einervonvielen
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

@Eric73, mal abgesehen davon, dass wir eine Teilschuld an dieser humanitären Krise haben. Ich bin auch dafür, hier mal die 5 gerade sein zu lassen.

Amadeus
Amadeus
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Liebe Grüne, auch in unserem Land gibt es Frauen denen es so schlecht geht, daß sie “eigentlich” davon laufen möchten, aber nicht können: Finanziell nicht möglich, Kinder, verständnislose Familie, Gesellschaft, Tradition usw. Wir haben leicht genug bei uns zu schauen und zu helfen. 

shanti
shanti
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Sie sollten mal den eigenen Leuten helfen

meilenstein
meilenstein
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Wir Südtiroler müssen natürlich die Welt retten wie immer.

einervonvielen
einervonvielen
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

@meilenstein, sonst sind wir ja auch immer die Schlausten und die Nettesten…., mal abgesehen, dass keiner davon gesprochen hat, dass wir das alleine machen sollen

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 9 Tage

Ich finde,
Ulli Mair hat recht.
Die Afghanen haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie in großen Teilen mit den “Werten” der Taliban übereinstimmen. Der Westen hat beim Aufbau einer Demokratie auf ganzer Linie versagt.
Es ist an der Zeit, dass die Afghanen ihre Angelegenheiten selbst und in ihrem eigenen Land regeln.

quilombo
quilombo
Superredner
1 Monat 9 Tage
Ulli Mair hat nicht recht, wenn sie sagt wir hätten an der Misere in Afghanistan keine Schuld, denn Europa hat mit den Usa kräftig mitgeholfen in diesem Land das Chaos anzurichten. Die Afghanen hätten ihre Angelegenheiten gerne selbst geregelt, aber die Usa haben das nicht zugelassen. Die Afghanen hätten die Taliban, mit deren Werten sie überhaupt nicht übereinstimmen, längst schon besiegt gehabt, wenn nicht die Usa und die Nato dies verhindert hätten, indem sie die Taliban bewaffneten und finanzierten. Die letzten 20 Jahre mit der Besatzungsmacht Usa und Nato im Land, war wohl die schlimmste Zeit in der Geschichte Afghanistans.… Weiterlesen »
DontbealooserbeaSchmuser
1 Monat 9 Tage

Ein Teil eines treffenden Kommentars, das ich vorhin gefunden habe:

“Krieg? Der Krieg is vorbei. Wovor sie fliehen wollen ist nur der Islam. Und so hart es klingt, der Islam brauch so etwas wie den 30 Jährigen Krieg.. aber ohne Intervention von außerhalb. Es brauchte verdammt viel, dass dem Christentum die Zähne ausgeschlagen wurden – und genau das brauch der Islam eben auch. Aber eben von innen. Muslime müssen da selber durch.”

Offline
Offline
Kinig
1 Monat 9 Tage

Menschlich sind die Beweggründe der Hilfsorganisationen und der Politiker*innen nachvollziehbar. Wie es dann letztendlich im praktischen Leben bei uns aussieht, wenn sich Frauen und Mädchen aus Afghanistan, aus ihrer Tradition und ihrem religiösen Glauben heraus, vollverschleiert in unseren Gemeinden bewegen, steht auf einem ganz anderen Stück Papier.

Meraner0815
Meraner0815
Neuling
1 Monat 9 Tage

Kaum sind die ausländischen streitkräfte nicht mehr da haben die taliban sofort die macht übernohmen. Ist noch niemand auf die idee gekommen das mann in Afghanistan mehrheitlich auf seite der taliban ist??

Jo73
Jo73
Superredner
1 Monat 9 Tage
Und das schäbigste an der Sache ist, unsere lieben Freunde – die  Chinesen – kuscheln nun fleissig mit den Taliban, weil sie natürlich an die Bodenschätze wollen, dies wird ihnen gelingen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.  Ich bin der Meinung, unsere Politiker sollten den Chinesen und Afghanen klar zu verstehen geben, wenn die Chinesen nun der lachende dritte sein will, dann sollen sie gefälligst auch für die Asylsuchenden Afghanen sorgen und diese aufnehmen. Aber es kann nicht sein, dass die Chinesen den Reibach mit Öl, seltene Erden, Lithium, etc. machen und sich ins Fäustchen lachen… Weiterlesen »
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