Sicherheitskräfte in Quetta

Angriffe von Aufständischen in Pakistan – mehr als 190 Tote

Sonntag, 01. Februar 2026 | 17:52 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters

Bei Angriffen von Aufständischen in der pakistanischen Unruheprovinz Belutschistan sind nach Armee-Angaben mehr als 190 Menschen getötet worden. Die separatistischen Kämpfer von der ethnischen Gruppe der Belutschen griffen am Samstag in mehreren Orten an, teilte das Militär mit. Die Belutschistan-Befreiungsarmee (BLA) erklärte, sie habe Militäreinrichtungen sowie Beamte angegriffen. Pakistans Sicherheitskräfte fahndeten am Sonntag weiter nach Angreifern und Hintermännern.

Die “koordinierten Schusswaffen- und Selbstmordanschläge” seien in ganz Belutschistan verübt worden, vor allem aber in der Provinzhauptstadt Quetta und in Gwadar, teilte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AFP mit. Insgesamt hätten Angriffe an mehr als zwölf Orten stattgefunden. Auch sei der stellvertretende Verwaltungschef des Bezirks Nushki entführt worden.

Nach Angaben der Provinzregierung von Belutschistan wurden dabei mindestens 31 Zivilisten und 17 Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet. Zudem seien 145 Aufständische gestorben, darunter mehrere Selbstmordattentäter. Die Gefechte dauerten demnach insgesamt 40 Stunden an.

Verkehr und Internet eingeschränkt

Am Sonntag blieben die Straßen der Provinzhauptstadt Quetta größtenteils menschenleer, Geschäfte waren geschlossen. Zerstörte Fahrzeuge und Metallteile erinnerten an die Anschläge vom Vortag. Das Internet war seit über 24 Stunden eingeschränkt, der Zugverkehr wurde in der gesamten Provinz Belutschistan eingestellt und viele Straßen gesperrt.

Dutzende Gefängnisinsassen befreit

In einem Bezirk Belutschistans hätten die Aufständischen mindestens 30 Gefängnisinsassen befreit und dabei Schusswaffen und Munition an sich gebracht, teilte ein Sicherheitsbeamter mit. Zudem hätten die Kämpfer eine Polizeiwache angegriffen und dort ebenfalls Munition geraubt.

Ein hochrangiger Armeevertreter in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad erklärte, die Angriffe seien “koordiniert, aber schlecht ausgeführt” gewesen. Sie seien wegen wirksamer Sicherheitsmaßnahmen “gescheitert”.

Belutschistan-Befreiungsarmee bekennt sich

Die Belutschistan-Befreiungsarmee (BLA) bekannte sich in einer an AFP gesendeten Erklärung zu den Angriffen. Die militante Separatistengruppe erklärte, die Angriffe hätten sich gegen militärische Einrichtungen sowie Polizei- und Zivilverwaltungsbeamte gerichtet.

Pakistans Premier beschuldigt Indien

Premierminister Shehbaz Sharif lobte den Einsatz der Sicherheitskräfte, denen es gelungen sei, die “koordinierten Angriffe” zu vereiteln. “Gemeinsam mit der gesamten Nation bin ich stolz auf unserer Märtyrer”, erklärte Sharif.

Zugleich beschuldigte der pakistanische Regierungschef das benachbarte Indien, die für die Anschläge verantwortlichen Separatisten unterstützt zu haben. “Wir werden den Krieg gegen den Terrorismus fortsetzen, bis er vollständig aus dem Land getilgt ist”, kündigte Sharif an.

Neu Delhi wies jegliche Beteiligung an den Angriffen vehement zurück. Es handle sich bei dem Vorwurf um “unbegründete Anschuldigungen Pakistans”, die “nichts anderes als die übliche Taktik sind, um von den eigenen internen Versäumnissen abzulenken”, erklärte Außenamtssprecher Randhir Jaiswal.

Angriffe in rohstoffreicher Provinz verstärkt

Die rohstoffreiche Provinz Belutschistan im Südwesten Pakistans an der Grenze zu Afghanistan und dem Iran wird regelmäßig von Gewalt erschüttert. Die Armee geht dort seit Jahrzehnten gegen separatistische Aufständische vor. Erst am Freitag hatte die Armee mitgeteilt, bei zwei Einsätzen in der Provinz 41 Aufständische getötet zu haben.

Die Separatisten haben in den vergangenen Jahren ihre Angriffe aus benachbarten Provinzen verstärkt. Dabei attackieren sie auch ausländische Energieunternehmen, denen sie vorwerfen, die Rohstoffe der Provinz auszubeuten. Trotz hoher Rohstoffvorkommen ist Belutschistan die ärmste Provinz Pakistans und hinkt bei Bildung, Arbeit und wirtschaftlicher Entwicklung dem Rest des Landes hinterher.

Im vergangenen Jahr hatten belutschische Aufständische in der Nähe der Stadt Sibi einen Zug gestoppt und rund 450 Passagiere als Geiseln genommen. Dutzende Menschen wurden getötet.

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