Von: APA/Reuters/dpa
Rund 40 Länder haben am Donnerstag auf britische Initiative darüber diskutiert, wie wieder eine sichere Schifffahrt durch die Straße von Hormuz möglich wird. Dabei hätten die teilnehmenden Länder unter anderem über mögliche weitere Sanktionen gegen Teheran gesprochen, teilte das britische Außenministerium nach dem Online-Treffen mit. Außenministerin Yvette Cooper sprach von einer Entschlossenheit vieler Länder zur Öffnung der für den weltweiten Handel wichtigen Meeresenge.
Konkrete Schritte blieben jedoch vorerst aus. Bei dem Treffen wurden den Angaben nach Maßnahmen zur Erhöhung des Drucks auf den Iran besprochen, darunter auch wirtschaftliche und politische “wie beispielsweise Sanktionen”, sollte die Straße von Hormuz geschlossen bleiben. Schon jetzt gibt es allerdings zahlreiche Sanktionen gegen den Iran, etwa im Energiesektor.
Eine weitere Maßnahme könnte der Mitteilung zufolge die Zusammenarbeit mit der Weltschifffahrtsorganisation (IMO) sein, “um sicherzustellen, dass die ersten gestrandeten Schiffe wieder in Fahrt kommen können”. Die IMO gab zuletzt bekannt, bereits an Evakuierungsplänen für die zahlreichen festsitzenden Schiffe und Seefahrer zu arbeiten.
“Schifffahrtsroute gekapert”
“Wir haben erlebt, wie der Iran eine internationale Schifffahrtsroute gekapert hat, um die Weltwirtschaft als Geisel zu nehmen”, hatte die britische Außenministerin Cooper zu Beginn des Online-Treffens gesagt. Es bestehe eine “dringende Notwendigkeit”, die freie Schifffahrt wiederherzustellen.
“Wir konzentrieren uns auf die diplomatischen und internationalen Planungsmaßnahmen, einschließlich der gemeinsamen Mobilisierung unseres gesamten Spektrums an diplomatischen und wirtschaftlichen Instrumenten und Druckmitteln”, sagte Cooper weiter. Dabei geht es aber nicht um eine von den USA ins Gespräch gebrachte gewaltsame Öffnung der Meerenge, die vom Iran kontrolliert wird. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach erklärt, die Sicherung der Wasserstraße sei ein Problem, das andere Nationen lösen müssten.
Die USA und Israel hatten vor vier Wochen einen Krieg gegen den Iran begonnen. Der Iran hatte daraufhin gedroht, Tanker in der Straße von Hormuz zu beschießen, was zu einem Ausfall der Energielieferungen aus der Golfregion vor allem nach Asien und zu hohen Energiepreisen geführt hatte. Die USA selbst sind nicht abhängig von Gas und Öl aus der Region. Sie sind mittlerweile selbst der größte Ölproduzent geworden. Israel hat eigene Gasvorkommen im Mittelmeer erschlossen.
USA nicht vertreten
An der Konferenz nahmen unter anderem Frankreich, Deutschland, Kanada, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien teil. Die USA waren aber nicht vertreten. Etliche Länder schickten nicht ihre Außenminister in die Beratungen. Weil unklar ist, wann die USA und Israel ihren Krieg gegen den Iran beenden, gelten Vorplanungen für die Zeit danach als schwierig. Nach der Kritik von Trump gibt es aber den Wunsch einiger europäischer Regierungen, zu zeigen, dass man nicht untätig ist. Vor allem Großbritannien und Frankreich wollen bei der Bildung einer Koalition eine Führungsrolle übernehmen. Deutschland hat angeboten, dass es sich mit einem Minenräumverband beteiligen könnte. Es sei aber unklar, ob Iran die Meerenge überhaupt vermint habe.
Treffen von Militärplanern geplant
Bereits vor der Krisensitzung kündigte Cooper ein Treffen von Militärplanern an. In der kommenden Woche sollen diese in Northwood nördlich von London zusammenkommen, wie das britische Verteidigungsministerium auf X schrieb. Dabei sollen “realisierbare Optionen zur Gewährleistung der Zugänglichkeit und Sicherheit der Straße von Hormuz für die Schifffahrt” erörtert werden.
Macron: Gewaltsame Öffnung der Straße unrealistisch
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich am Donnerstag skeptisch über die Möglichkeit, die Straße von Hormuz mit militärischen Mitteln wieder zu öffnen. “Es würde ewig dauern und alle, die die Meerenge passieren, den Risiken durch die Revolutionsgarden, aber auch durch ballistische Raketen aussetzen”, sagte Macron während einer Reise nach Südkorea vor Journalisten. Chinas Außenminister Wang Yi warnte, die Wasserstraße sei so lange unsicher wie der Krieg andauere.
Für Russland ist die Straße von Hormuz hingegen nach Angaben des Kreml-Beraters Juri Uschakow nicht gesperrt. “Sie ist für uns offen”, sagte Uschakow nach Angaben der russischen Agentur Interfax im Staatsfernsehen. Die Agentur TASS berichtet, Außenminister Sergej Lawrow habe mit seinem iranischen Amtskollegen telefoniert. Themen seien die Lage in Nahost und die Situation in der Straße von Hormuz gewesen. Details dazu wurden zunächst nicht genannt.




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