Von: red
Peking – Ähnlich wie in früheren geopolitischen Konflikten setzt China auch im Ukraine-Krieg auf eine Doppelstrategie, die an das chinesisch-philosophische Sunzi-Prinzip erinnert.: Nach außen präsentiert sich Peking als neutraler Vermittler, während es im Hintergrund seine wirtschaftlichen und strategischen Beziehungen zu Russland ausbaut.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas berichtete am 12. Juni bei einer Pressekonferenz in Brüssel, es sei nun offensichtlich, dass China den Krieg gegen die Ukraine aktiv unterstützt. „Es wurde bestätigt, dass China russische Soldaten ausgebildet hat, von denen einige anschließend direkt in den Krieg gegen die Ukraine entsandt wurden“, sagte sie. Die Führung in Peking wies die Anschuldigungen umgehend zurück und bezeichnete diese als Verleumdung.
Entgegen der offiziell proklamierten Neutralität Chinas im Ukraine-Krieg zeigen die Dokumente, dass Chinas Streitkräfte Ende des vergangenen Jahres rund 200 russische Soldaten direkt für den Kampfeinsatz ausgebildet haben. Wie aus den Berichten europäischer Nachrichtendienste hervorgeht, stützt sich das geleakte Material unter anderem auf ein im Sommer 2025 geschlossenes, geheimes Militärabkommen zwischen Moskau und Peking.
Demnach konzentrierten sich die Schulungen vor allem auf den Umgang mit modernen Kriegstechnologien. Dazu gehörten unter anderem militärische Drohnensysteme sowie moderne Signalempfänger, die russische Drohnen widerstandsfähiger gegen westliche Störmaßnahmen machen sollen.
Die Berichte weisen auf eine vertiefte militärische Kooperation zwischen Moskau und Peking hin. Wenige Tage vor seinem Besuch in China ließ Russlands Präsident Wladimir Putin laut Verteidigungsministerium eine dreitägige Atomübung mit 64.000 Soldaten beginnen.
Chinas Engagement in der Ukraine – eine ideologische Übereinstimmung mit Russland?
Die Veröffentlichung des Dossiers führte zu diplomatischen Spannungen. Im Mittelpunkt der Gespräche der Minister stehen nun die Beziehungen zu China sowie die Abhängigkeit der europäischen Verteidigungsindustrie von chinesischen Lieferketten.
Chinas Vorgehen im Ukraine-Konflikt erinnert nach Ansicht einiger Beobachter an die Lehren des chinesischen Generals Sunzi. Ein Kerngedanke seines bis heute weltweit einflussreichen Werks „Die Kunst des Krieges“ lautet: „Kriegführung ist die Kunst der Täuschung“.
Für die politische Führung in Peking ist Sunzi kein verstaubter Historiker, sondern die Grundlage ihrer Außenpolitik. Bei der Vorstellung seiner globalen Sicherheitsstrategie verwiesen hochrangige Militärs sowie die Staatsmedien Xinhua und Global Times darauf, dass Chinas Friedensrhetorik in der Tradition von Sunzis defensiver Strategie stehe.
Studien der National Defense University (NDU Press) zeigen in Analysen wie „Sun Tzu in Contemporary Chinese Strategy“ detailliert auf, wie Chinas Luftwaffe, Marine und Spionagenetzwerke Sunzis Prinzipien der Initiative und Täuschung im Alltag anwenden.
Aus dieser Perspektive erscheint Chinas Engagement im Ukraine-Konflikt eher von pragmatischen und langfristigen Zielen geprägt als von einer ideologischen Nähe zu Russland.
Im Kern scheint Peking darauf bedacht zu sein, zwischen den Machtblöcken zu manövrieren, ohne sich dauerhaft an eine Seite zu binden, um so langfristige nationale Interessen zu wahren.




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